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Bundeskunsthalle in Bonn: Findungskommission für neue Leitung kommt nicht vom Fleck

Bundeskunsthalle in Bonn : Findungskommission für neue Leitung kommt nicht vom Fleck

Bis Ende 2012 wollte die von Kulturstaatsminister Bernd Neumann installierte Findungskommission für eine Nachfolge des bereits im September verabschiedeten Intendanten der Bonner Bundeskunsthalle Robert Fleck einen Namen geliefert haben.

Doch die Suche der drei Herren Klaus Schrenk, Direktor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Max Hollein, Frankfurter Museumschef (Schirn, Städel und Liebighaus) und Udo Kittelmann, Leiter der Nationalgalerie Berlin, scheint derzeit nicht vom Fleck zu kommen.

Dafür brodelt es in der Gerüchteküche. In der vergangenen Woche brachte der meist recht gut informierte Karlheinz Schmid in seiner frisch relaunchten "Kunstzeitung" ein lesenswertes Spekulationsstück zur Lage der Bundeskunsthalle und Fleck-Nachfolge. Aber auch andernorts sind die Orakel unterwegs.

Schmid legte sich gestern auf Nachfrage und nach Gesprächen mit den drei Findungskommissaren zumindest auf eines fest: "Es spitzt sich auf eine deutschsprachige Lösung zu." Einen zweiten Fall Okwui Enwezor - der in New York lebende Nigerianer und documenta-Chef von 2002 hat als Leiter des Münchner Hauses der Kunst für allerlei Irritationen gesorgt - soll es nicht geben, hat Schmid herausgefunden.

Wann immer sich das Personal-Karussell bei bedeutenderen Institutionen dreht, fielen in der Vergangenheit Namen wie Klaus Schrenk und Max Hollein, die aber aus naheliegenden Gründen - Mitglieder der Findungskommission - keine Rolle für Bonn spielen.

Ein Name, der schon bei der Suche nach einem Nachfolger für Christoph Vitali fiel, ist Walter Smerling (Museum Küppersmühle), der aber nicht zuletzt nach dem bundesweit negativen Echo auf sein Grothe-Kiefer-Solo in der Bundeskunsthalle keine Chance haben dürfte. Vom Profil her dürfte Ingrid Mössinger, die seit 2005 ein interessantes Programm in den Kunstsammlungen Chemnitz realisiert und Mitglied des Programmbeirats der Bundeskunsthalle ist, gut nach Bonn passen.

Im Gespräch war wohl die Direktorin des Landesmuseums Stuttgart, Archäologin Cornelia Ewigleben, Mitglied den Programmbeirats der Bundeskunsthalle. Laut Schmid soll sie "einen Rückzieher" gemacht haben. Der Kunstjournalist bringt außerdem Bertrand Blistène (1955 geboren) vom Centre Pompidou und Peter Pakesch Jahrgang 1955), seit 2003 Intendant des Grazer Joanneums, ins Gespräch.

Pakesch, so eine andere Quelle, soll im Moment in Graz tüchtig Gegenwind haben. Grund zum Ärgerlich dürfte derzeit Marion Ackermann (Jahrgang 1965), seit 2009 Direktorin der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, sein, nachdem ihr Kunstministerin Ute Schäfer den Ankaufsetat gekappt hat.

Der Kunstblog "360°" könnte sich die exzellent vernetzte, kreative und durchsetzungsfähige Kunsthistorikerin als Chefin in Bonn vorstellen. Auch andernorts hört man ihren Namen. Einer hört seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht so gerne: Stephan Berg, Intendant des Bonner Kunstmuseums und Mitglied des Programmbeirates der Bundeskunsthalle. Berg hatte sich vehement gegen Flecks Kiefer-Ausstellung gestellt.

Um sich selbst als Kandidat zu positionieren, vermuten Schmid und "Eingeweihte", wie er sagt. "Vollkommen haltlos", so lautet Bergs Kommentar, "da ist wirklich überhaupt nichts dran." "Ich wurde nicht einbezogen und würde es auch nicht machen", sagt er zum Thema Fleck-Nachfolge.

Berg, der Mitglied der Berufungskommission war, die schließlich Fleck aus 16 Bewerbungen herausfilterte, benennt die Problematik des Leitungsjobs in der Bundeskunsthalle: Schwierig sei nicht nur die kurze Vertragsdauer von fünf Jahren, in der ein Leiter kaum Spielraum zur Profilierung habe, auch ein fehlendes Alleinstellungs-Konzept für die Institution in der bundesweiten Kulturlandschaft erschwere die Arbeit.

Aus strategischen und inhaltlichen Gründen empfiehlt Berg eine Doppelintendanz für Bundeskunsthalle und Gropiusbau Berlin (mit Sitz in Bonn). Gropius-Chef Gereon Sievernich geht in diesem Jahr in den Ruhestand. Einen gewissen Favoritenstatus hat derzeit Dirk Luckow, den nicht nur Schmid vorne sieht.

Luckow (Jahrgang 1958) ist Flecks Nachfolger in den Hamburger Deichtorhallen, war vorher beim Siemens Art Program und in der Kunsthalle Kiel und hat sich als sehr origineller Ausstellungsmacher - auch Cross-over - bundesweit einen Namen gemacht. Nach seinem Erfolgsgeheimnis befragt, antwortete er einmal: "Es ist immer eine Mischung aus Strategie, Qualität, Wissenschaft und Unterhaltung." Zufall oder nicht - die Deichtorhallen suchen gerade einen Projektmanager, da könnte auch leicht ein Nachfolger für Luckow abfallen,