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Zauber der Burgen und Berge: Siebengebirgsmuseum stellt die dritte Auswahl zur Rheinromantik vor

Zauber der Burgen und Berge : Siebengebirgsmuseum stellt die dritte Auswahl zur Rheinromantik vor

Dieses herrliche, wildromantische Thal verdient einen Abstecher", schrieb 1812 Aloys Schreiber in einem der ersten Reiseführer zum Rhein. Gemeint war allerdings nicht das Rhein-, sondern das Nahetal, das Schreiber besuchte.

Die Romantisierung der rheinischen Kulturlandschaft, bei der uns zuerst der klassische Mittelrhein von Köln bis Mainz in den Sinn kommt, darf man ohne weiteres auch auf seine Nebenflüsse Ahr, Mosel, Lahn und Nahe sowie auf die Bergregionen Eifel, Hunsrück und Westerwald beziehen.

Überall hier gibt es das, was der Reisende des frühen 19. Jahrhunderts sucht: Stimmungsvolle Flusslandschaften, zerklüftete Felstäler, mittelalterliche Burgen, einsame Klöster und enge dörfliche Gassen. Und auch die Künstler dieser Zeit machen sich auf zu den Sehnsuchtsorten ihrer romantischen Vorstellungen, je abgelegener, desto besser.

Die Ausstellung "Berge und Burgen abseits des Rheins" im Siebengebirgsmuseum Königswinter widmet sich aktuell diesen weniger bekannten Landschaften. Es ist mit rund 30 Gemälden und Zeichnungen die dritte Auswahl, die Kuratorin Irene Haberland aus der privaten Sammlung Rheinromantik im Museum präsentiert.

Das romantisch-künstlerische Verständnis von Landschaft, die der Natur eine über sich selbst hinausweisende Bedeutung mitgibt, gilt selbstredend auch für die Nebenflüsse des Rheins. Das heißt jedoch nicht, dass die Künstler sich in ausschließlich idealisierender Weise der Natur genähert hätten.

Im Gegenteil, man zog hinaus auf Exkursionen in entlegene und unwegsame Täler oder erwanderte die abgelegenen Ortschaften aus unterschiedlichen Richtungen. Rudolf von Normanns Blick auf Trarbach an der Mosel, Caspar Scheurens Skizze der Burg Eltz in der Eifel oder Johann Adolf Lasinskys Darstellung der Ruine Balduinstein an der Lahn geben sehr detailliert die jeweils vorgefundene Situation wieder.

Auch die beiden Darstellungen der "Räuber im Morgenbachtal" von Caspar Scheuren und Carl Friedrich Lessing zeugen vom genauen Studium der dramatischen Felsenlandschaft bei Trechtingshausen. Aber hier nutzen die Maler die Felsen, losgelöst vom topografischen Kontext, als Hintergrund für eine dramatische Erzählung.

Höhepunkte der Dramatisierung finden sich dann in den Sandsteinfelsen im Gillenbachtach bei Trier von Auguste Migette, oder in William Callows Ansicht des Limburger Doms, der einer religiösen Erscheinung gleicht. Wie verklärend die romantische Sichtweise sein konnte, zeigt sich in manchen Darstellungen des Klosters Maria Laach.

Die romanische Abtei, die Johann Baptist Bachta um 1840 bei Mondschein in tiefromantischer Stimmung malte, war zu dieser Zeit bereits seit fast 40 Jahren säkularisiert. Die Mönche, die vom Vordergrund des Bildes aus auf die nächtliche Szene blicken, konnten also kein Klosterleben dort antreffen.

Siebengebirgsmuseum Königswinter, Kellerstraße 6. Rheinromantik bis 8. Mai, Ernemann Sander bis 31. Januar; Di-Fr 14-17, Sa 14-18, So 11-18 Uhr; So 12 Uhr: Offene Museumsführung