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Kölner Schauspiel: Karin Beiers letzte Inszenierung

Kölner Schauspiel : Karin Beiers letzte Inszenierung

Karin Beier ist seit 2007 Intendantin des Kölner Schauspiels und wechselt zur nächsten Saison in gleicher Funktion ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg. Vor ihrer letzten Kölner Inszenierung (Premiere 11. Januar, 19.30 Uhr, Expo XXI) sprach sie mit Hartmut Wilmes.

"Die Troerinnen" von Euripides ist Ihre letzte Inszenierung am Kölner Schauspiel. Bedeutet das erhöhten Druck?
Karin Beier: Nein. Normalerweise sagt man ja, dass der Druck bei der Eröffnungspremiere einer Intendanz am größten sei, aber auch den habe ich beim Probieren der "Nibelungen" nicht gespürt. Eigentlich erstaunlich, aber es war so.

In der Ankündigung zur Inszenierung ist von einem "Blick in die Tiefgarage der Geschichte" die Rede...
Beier: Das ist schon ein sehr finsteres Stück, eigentlich ein einziger Klagegesang. Es gibt eine Phase, in der ich ein bisschen Luft in den Abend lasse, um ihn dann wieder zuzuspitzen. Denn ich weiß aus eigenen Seherfahrungen: Wenn es über eine Strecke von zwei Stunden immer düster bleibt, steigt man irgendwann emotional aus.

Worin liegt der besondere Reiz des Stücks für Sie?
Beier: Es behandelt sehr moderne Themen. "Die Troerinnen" ist ein Antikriegsstück, das man natürlich immer spielen kann. Aber noch interessanter finde ich die Frage nach der Verantwortung - wer trägt die Schuld am Trojanischen Krieg? Hier geht es vor allem um die Schnittstelle zwischen Religion und Politik.

Wie stellt sich die dar?
Beier: Euripides geht in diesem Punkt weiter als Aischylos: Die Troerinnen haben ein sehr unstetes Verhältnis zu den Göttern - einerseits beten und klagen sie, andererseits hadern sie mit ihnen, verneinen oder beschimpfen die Götter. Und diese Brüchigkeit der religiösen Bindung wird durch die Sartre-Übersetzung noch potenziert. Man blickt gewissermaßen ins leere Weltall.

Wie sehr sind Sie denn noch in Köln oder schon in Hamburg?
Beier: Vor der Premiere bin ich gedanklich ausschließlich in Köln. Damit endet hier der kreative Prozess, über den ich mich ja vor allem definiere. Es gibt keine nächste Saison zu planen, es bleibt nur das schrumpfende Tagesgeschäft. Meine Mitarbeiter sind jetzt schon zum größten Teil für Stefan Bachmann (Beiers Nachfolger, d. Red.) tätig. Die stecken für Köln genauso in den Vorbereitungen wie ich für Hamburg.

Wobei Sie doch die erste Spielzeit dort gewiss festgezurrt haben?
Beier: Den Löwenanteil schon. Die Regisseure stehen fest, die Stücke aber bleiben bis zur Drucklegung des Jahreshefts immer noch ein wenig wackelig. Wir lagen eine ganze Weile sehr gut in der Zeit, jetzt müssen wir wieder ein bisschen Gas geben.

Gehen eigentlich alle Ensemblemitglieder mit Ihnen, die Sie behalten wollten?
Beier: Ja.

Also die Besten?
Beier: Das zu sagen, wäre ungerecht gegenüber den anderen. Aber man arbeitet schon mit einem gewissen Kreis, außerdem will Stefan Bachmann ohnehin sein eigenes Ensemble zusammenstellen.

Was überwiegt im Moment: Wehmut oder Neulust?
Beier: Weder noch, es ist einfach höllisch viel Arbeit. Auch in Hamburg wird das Theater saniert, was nicht ganz rund läuft. Dieses Krisenmanagement lässt keinen Raum für Nervosität oder große Wehmut. Wobei ich die Abteilungen dieses Hauses sehr vermissen werde, auch wenn in Hamburg gewiss auch gute Leute arbeiten. Aber es mit hat schon imponiert, wie gut ich hier als Anfänger-Intendantin behandelt wurde.

Sie haben seinerzeit Ihren Wechsel nach Hamburg nicht nur, aber auch mit der Kölner Kulturpolitik begründet. Die hat 2012 zuletzt mit der Nichtverlängerung des Vertrags von Kulturdezernent Georg Quander Schlagzeilen gemacht.
Beier: Entweder weiß die Politik nicht, was sie danach tut - das wäre kopflos. Oder es steckt eine Absicht dahinter, und dann, befürchte ich, eine böse. Denn wer schützt die Kultur, wenn diese Stelle eine ganze Weile vakant bleibt?

Wie wollen Sie sich aus Köln verabschieden?
Beier: Künstlerisch ist dies meine letzte Arbeit, aber danach kommen in unserer eingedampften Saison noch ein paar schöne Sachen, die ein bestimmtes Niveau gewiss nicht unterschreiten. Außerdem denke ich, dass es in großes Abschiedsfest geben dürfte.

Dann doch mit Wehmut?
Beier: Mir ist bewusst, dass das, was ich hier erlebt habe, einmalig war. Vor allem meine ich den künstlerischen Erfolg und den begeisterten Empfang durch das Publikum. Natürlich möchte man überall gut arbeiten, auch wenn man nicht so herzlich angenommen wird, wenn man nicht zweimal hintereinander für die "Inszenierung des Jahres" und als "Theater des Jahres" geehrt wird. Der größte Fehler wäre, so etwas krampfhaft wiederholen zu wollen.

Zur Person:
Die Kölner Schauspielchefin Karin Beier wurde 1965 in Köln geboren. Sie studierte in ihrer Heimatstadt Anglistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. 1991 ging sie als Regieassistentin an das Düsseldorfer Schauspielhaus, wo die Zusammenarbeit mit dem Regisseur David Mouchtar-Samorai prägend für sie werden sollte. Seit der Spielzeit 2007/2008 ist Beier Intendantin des Kölner Schauspiels, 2013/14 wechselt sie ans Deutsche Schauspielhauses in Hamburg.