Vom Standesamt bis zur Kläranlage: Sinzig feiert 75. Geburtstag seines Alt-Bürgermeister

Vom Standesamt bis zur Kläranlage : Sinzig feiert 75. Geburtstag seines Alt-Bürgermeister

Alt-Bürgermeister Norbert Hesch wird am heutigen Freitag 75 Jahre alt. Für seien Stadt Sinzig hatte sich der Politiker verdient gemacht.

Seinen 75. Geburtstag kann am heutigen Freitag Norbert Hesch feiern, der ab 1983 Bürgermeister der Stadt Sinzig war. 739 Sitzungen des Sinziger Stadtrats und seiner Ausschüsse mit insgesamt rund 11 500 Tagesordnungspunkten später, zum 31. Dezember 2001, wurde Hesch in den Ruhestand verabschiedet. Während seiner Amtszeit war er für ein addiertes Haushaltsvolumen von fast einer Milliarde D-Mark verantwortlich.

Norbert Hesch wurde am 28. Juni 1944 nahe bei Kaiserslautern geboren. Als junger Mann war er Mitglied des Bezirksvorstands Pfalz der Jungen Union; Vorsitzender war zu dieser Zeit der spätere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Bundeskanzler Helmut Kohl. Hesch war Büroleiter, bevor er am 16. Oktober 1974, im Alter von 29 Jahren, zum Bürgermeister der erst kurz zuvor gegründeten Verbandsgemeinde Maikammer an der Deutschen Weinstraße gewählt wurde. Dort arbeitete er bis 1983, bis zu seinem Wechsel nach Sinzig, wo er den damals in Trier lebenden und 2011 verstorbenen Heinrich Holstein ablöste. Im März 1993, nach Ablauf seiner ersten Amtsperiode, wurde Hesch, Vater zweier Kinder, vom Stadtrat für eine weitere Amtsperiode gewählt – als einer der letzten Bürgermeister im Land, die nicht urgewählt wurden. Mit 15 zu elf Stimmen setzte er sich damals gegen seinen Herausforderer Wolfgang Groß (SPD) durch.

Während seiner Zeit als Sinziger Bürgermeister legte Hesch besonderes Gewicht auf die Erneuerung des Stadtkerns und der Dorfkerne in den Stadtteilen. Dabei war ihm wichtig, dass sich die Stadt nicht nur in Neubaugebiete hinein entwickelt, sondern dass auch die historische Substanz erhalten und entwickelt wird. Im Gewerbe- und Industriepark Sinzig-Ost wurden während Heschs Amtszeit 35 Hektar Fläche neu erschlossen und 30 Betriebe mit etwa 250 Arbeitsplätzen neu angesiedelt.

Zusammen mit den Nachbarkommunen baute Sinzig zu Heschs Amtszeit das zentrale Klärwerk am Grünen Weg in Sinzig. Es gelang Hesch jedoch nicht, als Pendant zum Abwasser-Zweckverband „Untere Ahr“ in der Goldenen Meile eine überregionale Wasserversorgung aufzubauen. Für ein Großwasserwerk war in den Räten keine Mehrheit zu bekommen. Das verwunderte umso mehr, als sich die Gemeinden, um deren Beteiligung es damals ging, später an eine Mega-Wasserversorgung anhängten, an den Wahnbachtalsperrenverband.

In den 1980er Jahren privatisierte die Stadt das städtische Altenheim, das heutige Johanniter-Haus. Anschließend wurde das ehemalige Krankenhaus erweitert. Außerdem zogen die Stadtverwaltung mit ihrem Bürgermeister von der Barbarossastraße in das komplett sanierte und umgebaute Rathaus am Kirchplatz um.

Am Ende von Heschs Amtszeit war die Stadt Sinzig außerdem größter kommunaler Kindergartenträger im Kreis Ahrweiler. Mit Hilfe des neuen Verkehrskonzepts für die Innenstadt gelang es, viel Durchgangsverkehr aus dem Stadtkern heraus zu holen. Die größte Zäsur für Sinzig und die gesamte Region während Heschs Amtszeit war der Bonn-Berlin-Beschluss 1991.

Trotz enormer Anstrengungen gelang es Hesch nicht, einen Betreiber für eine Klinik in Bad Bodendorf zu finden. Das Vorhaben, das Sinziger Schloss zu einem Bürgerhaus zu erweitern, ließ sich ebenfalls nicht durchsetzen.

Das Schöne am Bürgermeisterberuf sei, wie Hesch bei seinem Abschied sagte, „der große Querschnitt an Aufgaben, für die man zuständig ist – vom Standesamt bis zur Kläranlage.“ Außerdem lerne ein Bürgermeister sehr viele interessante und hervorragende Persönlichkeiten kennen, was ihn selbst weiterbringe. Ein Nachteil, den ein Bürgermeister in Kauf nehmen müsse, sei, dass er ein Privatleben nur sehr eingeschränkt entfalten könne. Und für zeitaufwendige Hobbys bleibe ihm keine Zeit.

Zur Überraschung Vieler kehrte Hesch nach seiner Pensionierung nicht in seine pfälzische Heimat zurück, sondern blieb in Sinzig.