Älter und weniger: Was die alternde Gesellschaft für Deutschland bedeutet

Älter und weniger : Was die alternde Gesellschaft für Deutschland bedeutet

Laut Statistischem Bundesamt könnte 2040 jeder vierte Deutsche über 67 Jahre alt sein. Was die nun vorgestellten Vorausberechnungen für den gesellschaftlichen Wandel in Deutschland bedeuten.

Die Deutschen werden in den kommenden Jahrzehnten rasant altern. Daran würde auch eine hohe Zuwanderung nichts ändern. So lautet – kurz gefasst – das Ergebnis der neuen Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes. Demnach wird in 30 Jahren schon jede zehnte Person über 80 Jahre alt sein, derzeit ist es erst jede zwanzigste.

Was bedeutet das für die Arbeitswelt?

Das Verhältnis zwischen der Erwerbsbevölkerung und jenen, die wegen ihrer Jugend oder ihres höheren Alters potenziell unterstützt werden müssen, werde sich deutlich verschlechtern, so die Statistiker. Während im vergangenen Jahr 100 Personen im Erwerbsalter 60 potenziellen Leistungsempfängern gegenüberstanden, seien es 2038 bereits 80 Menschen, die von den Leistungen der Erwerbstätigen direkt oder indirekt abhingen, so die Statistiker.

Wie kommen die Prognose zustande?

Die Bevölkerungsvorausberechnung der Wiesbadener Statistikbehörde gilt als die maßgebliche für Politik und Sozialversicherungen. Ihr liegen jeweils drei Annahmen zu Geburtenquote, Lebenserwartung und zum Außenwanderungssaldo zugrunde. Je nach Annahme variieren die Ergebnisse. Das Statistikamt verweist darauf, dass es sich nicht um eine genaue Prognose handeln könne, da plötzliche Ereignisse – wie etwa die Flüchtlingswelle 2015/2016 – zu unerwarteten Veränderungen führen könnten. Noch vor wenigen Jahren waren Statistiker und Politiker von einer früheren Schrumpfung der Bevölkerung bereits ab diesem Jahrzehnt ausgegangen. In Wahrheit jedoch ist die Bevölkerungszahl wegen hoher Zuwanderung und etwas höherer Geburtenziffern gestiegen.

Wie wird sich die Bevölkerung insgesamt entwickeln?

Heute leben rund 83 Millionen Menschen in Deutschland. Die Zahl werde noch mindestens bis 2024 zunehmen und spätestens nach 2040 abnehmen, so die Statistiker. Bei einer moderaten Entwicklung der Geburtenrate und der Lebenserwartung würde die Zahl der Menschen auf 83,7 Millionen bis 2024 zunehmen – und dann bis 2060 bei einer moderaten Zuwanderung von 221 000 Personen pro Jahr auf 78,2 Millionen zurückgehen. Die Alterung sei in dieser Zeit kaum aufzuhalten, weil die Babyboomer-Generation der 1960er-Jahrgänge schlicht so viel größer sei als die zu erwartende Zahl der Zuwanderer. „Der Anteil der 67-Jährigen und Älteren wird in allen Varianten steigen. Ein besonders steiler Anstieg auf 25 bis 27 Prozent ist bis 2040 zu erwarten“, sagte Statistikerin Bettina Sommer. Die potenzielle „Versorgungslast“ der Bevölkerung im Erwerbsalter werde stark zunehmen.

Wie viele Menschen sind im erwerbsfähigen Alter?

Im Jahr 2018 waren 51,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 66 Jahren. Bis 2035 wird diese im Berufsleben stehende Gruppe voraussichtlich um rund vier bis sechs Millionen schrumpfen, so die Prognose. Anschließend wird sie sich zunächst stabilisieren und danach bis 2060 je nach der Höhe der Nettozuwanderung weiter auf 40 bis 46 Millionen sinken, so die Prognose.

Wie wird sich die Geburtenquote entwickeln?

Die Geburtenquote lag zuletzt bei 1,57 Kindern pro Frau. Für ihre Vorausberechnung nahmen die Statistiker an, dass sie in der mittleren Variante etwa so bleibt wie bisher. In der optimistischen steigt sie auf 1,7, in der pessimistischen sinkt sie auf 1,3 Kinder pro Frau. Die Lebenserwartung für neugeborene Jungen liegt derzeit bei 78 Jahren, für Mädchen bei 83. Für die Prognose gingen die Statistiker von einem weiteren Anstieg um bis zu acht Jahre bis 2060 aus.

Welche Rolle spielt die Migration bei der Entwicklung?

Die Migration nach Deutschland werde künftig stärker nach Arbeitsmarkt-Gesichtspunkten gesteuert, sagte Statistikerin Olga Pötzsch und verwies auf das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Den Zustrom von Asylsuchenden habe Deutschland durch verschiedenste Maßnahmen begrenzt. Zudem würden aus Osteuropa nicht mehr so viele Menschen nach Deutschland kommen, weil auch dort die Bevölkerung rasant altert. Unterm Strich sei eher mit einer moderaten Zuwanderung zu rechnen.

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