Schulform wird zum Auslaufmodell: Die letzte Hauptschule in Bad Honnef schließt

Schulform wird zum Auslaufmodell : Die letzte Hauptschule in Bad Honnef schließt

51 Jahre nach ihrer Gründung entlässt die Konrad-Adenauer-Schule ihre letzten Abgänger. In Spitzenzeiten hatte sie 650 Schüler. Viele Absolventen wurden erfolgreiche Unternehmer. Dann wurde die Hauptschule zum Auslaufmodell erklärt.

Eine Ära geht zu Ende: An der Konrad-Adenauer-Schule ist an diesem Freitag nach 51 Jahren Schluss. 29 Schüler erhalten an der Hauptschule ihre Abschlusszeugnisse. Neun von ihnen erreichen den Realschulabschluss, fünf erlangen die Qualifikation für das Gymnasium. Lediglich zwölf Schüler der Flüchtlingsklasse sind noch bis zum Beginn der Sommerferien im Gebäude am Rheingoldweg, um den Neuner-Abschluss zu erreichen.

Bis zuletzt zeigt sich die Bandbreite, die an der „Kasch“ nicht zuletzt durch ein engagiertes Kollegium erreicht wurde: Schüler wurden für eine Ausbildung oder für eine weiterführende Schule fit gemacht. Gerade haben am Sibi einige Ehemalige ihr Abitur abgelegt.

Die Konrad-Adenauer-Schule war einst Startrampe für etliche Honnefer, zunächst zur Handelsschule Sankt Anno, von wo aus es später nach der Ausbildung in führende Positionen in der Wirtschaft ging oder ins erfolgreiche Unternehmertum. „Viele kommen bis heute immer wieder zu uns rein“, sagt Konrektorin Inge Kranzusch. „Die Verbundenheit ist groß.“

Viele schöne Erinnerungen

Mehr als 20 Jahre hat sie hier gearbeitet. Die 62-Jährige hat ein Sabbatjahr angespart, geht danach nahtlos in Pension. „Ich blicke auf so viele schöne Erinnerungen zurück. Ich wollte nicht mehr in eine andere Schule kurz vor der Pensionierung.“

Zwei weitere Kolleginnen machen es ebenso, eine Lehrerin wechselt zur Hauptschule nach Niederpleis. Ellen Sagroda, die seit gut einem Jahr die Schule leitet, wird Lehrerin an der Gesamtschule Niederkassel. Dass die Hauptschule aufs Abstellgleis geschoben wurde, bedauern alle sehr.

Vor Kurzem trafen sich die ersten Absolventen der Hauptschule von 1969 zum 50-Jährigen, schwärmten von ihrer Schule und dem jungen Team um Rektor Willi Pfirrmann. Der sagte damals: „Schon in diesem Jahr hatten wir das Glück, ein Lehrerkollegium an unserer Schule zu haben, das die Forderungen der Hauptschullehrpläne in einer Form erfüllen konnte, wie es nur wenigen Schulen in unserem Lande möglich war.“

In Anfangszeiten herrschte Aufbruchstimmung

Dankbar war er auch, dass es der Stadt gelungen sei, rechtzeitig vor Schuljahresbeginn 1968 das Gebäude zu erweitern und mit Spezial- und Nebenräumen auszurüsten. „Ja, wir waren eine ganz junge Garde, ein tolles Team“, erinnert sich der ehemalige Lehrer Franz Müller, der von 1964 bis 2002 an der Schule unterrichtete. Er erlebte den Schulform-Wechsel von der früheren Volksschule zu den getrennten Formen Grundschule und Hauptschule hautnah mit.

Müller übernahm den Aufbau des Physik- und Chemieraums an der neuen Hauptschule. Seine Frau Inge ging mit ihren Kolleginnen an die Grundschule. Müller: „Es war eine spannende Zeit.“ Am Tag der offenen Tür simulierte der Chemie- und Physiklehrer beispielsweise Vulkane. „Eine Klasse vier wollte geschlossen zur Hauptschule wechseln. Wir platzten aus den Nähten. In den 70ern hatten wir über 30 Lehrer bei mehr als 650 Schülern.“

Das Gebäude wurde 1982 umgebaut, der Unterricht teils ausgelagert ins Feuerschlösschen und nach Aegidienberg. Müller: „In den 80er Jahren eröffnete die Hauptschule die Möglichkeit, den Abschluss zu erwerben, um auch das Abitur machen zu können. Einige gingen nach der 'Kasch' noch zum Gymnasium und haben das blendend geschafft.“

Engagierte Lehrer und Berufsvorbereitung

Wenn er an seine erste Klasse denkt: Da wechselten etwa zehn Prozent von mehr als 40 Mädchen und Jungen zum Gymnasium; mit der Zeit empfanden es deutsche Eltern jedoch als Manko, ihre Kinder auf die Hauptschule zu schicken, bedauert Müller.

„Wir hatten einen guten Ruf“, sagt der Pensionär und nennt Namen wie den ersten Junglehrer Norbert Unterberg, der musikalisch viel auf die Beine stellte, oder Peter Thiel, der mit den Schülern im Werk- und Kunstunterricht und bei Nachmittagsangeboten viel Kreatives machte bis hin zum Figurentheater.

„Jedes Jahr fand eine Aufführung statt. Später setzte meine Kollegin Claudia Mühlenbrock das mit dem Tanztheater fort“, so Thiel, der ab 1974 38 Jahre lang an der „Kasch“ unterrichtete. „Es gab nie Schwierigkeiten, die Schüler zu motivieren. Wer vielleicht in Mathe etwas schwächelte, riss das im Technik- und Werkunterricht wieder heraus oder umgekehrt und wurde auch in dem anderen Fach besser.“

Chef der Steyler Bank war Kasch-Schüler

Der promovierte Pädagoge: „Wir waren eine der ersten Schulformen, die Betriebspraktika durchführten, wir waren berufsvorbereitend, praxisorientiert, hatten Hauswirtschaft für alle, auch die Jungs. Das war unsere Stärke.“ Die Schüler von einst bilden heute einen Großteil der Honnefer Unternehmerschaft. Auch der Chef der Steyler Bank ging einst zur „Kasch“. Thiel: „Leider hatten wir keine Lobby. Die Hauptschule blutete aus.“

Das heutige Leitergespann berichtet, dass an der Hauptschule schon immer Inklusion gelebt wurde, schon immer Potenzialanalyse betrieben wurde. Seit Jahren muss der Nachweis erbracht werden, wohin die Schüler nach ihrem Abschluss gehen, dass alle Schüler versorgt sind – mit einer Ausbildungsstelle oder einem Platz an einer weiterführenden Schule.

Dabei helfen auch die Berufswahlkoordination und ein Netzwerk in die Wirtschaft hinein. Sagroda: „Das Kasch leistete gemeinsam mit diesem Netzwerk im Lauf der Jahrzehnte auch einen großen Beitrag zur Integration von benachteiligten und beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen. Viele Nationalitäten lernten sich kennen und schätzen in dieser Schule.“

Kranzusch: „Die Kasch hinterlässt nicht nur eine Lücke, sondern vor allem auch positive Spuren, die sich in den gelungenen Lebenswegen der Schüler zeigen.“

Haben auch Sie Erinnerungen an die Kasch? Schreiben Sie uns unter siebengebirge@ga-bonn.de.

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