Besuch bei Jonas Klingel in Endenich: So arbeiten Imker in Bonn

Besuch bei Jonas Klingel in Endenich : So arbeiten Imker in Bonn

Der angehende Imker Jonas Klingel leitet Führungen durch die Imkerei am Jakobsweg in Endenich. Dabei beantwortet er Fragen wie: Dürfen Veganer eigentlich Honig essen?

Dürfen Veganer eigentlich Honig essen? Zu dieser eher scherzhaft gemeinten Frage fühlte sich eine Teilnehmerin an einer Führung durch die Imkerei am Jakobsweg am Donnerstag verleitet, als Jonas Klingel, Imker in Ausbildung, erklärte, wie dieses Nahrungsmittel zustande kommt. In der Tat ist das ein Streitthema, und jeder Mensch, der sich vegan ernährt, muss für sich eine eigene Antwort finden. Denn Honig ist letztlich ein tierisches Produkt: Der Nektar, aus dem dieses Lebensmittel besteht, wird im Körper der Biene von Giftstoffen gereinigt, bevor er mit körpereigenen Enzymen angereichert und als Nahrungsvorrat für das Volk wieder ausgeschieden wird.

Einige Interessierte waren zur Führung gekommen, die die Bürgerinitiative zur Erhaltung des Meßdorfer Feldes angeregt hatte, und erhielten Einblick in das Leben in einem Bienenstock. Die Imkerei von Klingel hat derzeit rund 30 Völker. Jedes umfasst im Sommer durchschnittlich 45 000 Tiere, die sich an den Blumen auf dem Meßdorfer Feld bedienen. Ein Volk könne aber bis zu 80 000 Bienen haben, erklärte er. Immerhin lege eine Bienenkönigin bis zu 2000 Eier am Tag.

Der Rundgang begann mit dem Entzünden des Smokers, des Imkers wichtigstes Utensil. Klingel füllte zunächst Eierkarton hinein, „der brennt sehr gut“, dann eine Holzpellet-Mischung, auf die Bienen besonders gut reagieren, und zuletzt einen Baumpilz für den Geruch. Das Wichtigste ist aber der Rauch, der die Bienen an einen Waldbrand glauben lässt. Sie ziehen sich zurück und futtern sich einen Honigvorrat an, was sie satt und träge macht. Erst dann kann der Imker den Bienenstock öffnen und die Waben entnehmen, ohne allzu oft gestochen zu werden.

Klingel achtete gut darauf, den Teilnehmern nicht die Wabe zu zeigen, auf der die Königin hockt – die dürfe nicht runterfallen. Das Bienenleben der Königin beginnt mit einem Geschwistermord: In einer gesonderten Schwarmzelle legt die aktuelle Königin mehrere Eier ab, aus denen ihre Nachfolgerin schlüpft. „Die erste Königin, die herauskommt, frisst die anderen Zellen auf und sticht hinein“, so der angehende Imker. Man versuche zu vermeiden, dass solche Schwarmzellen entstehen, denn wenn die neue Königin da ist, sammelt die alte einen Großteil ihres Volkes um sich und fliegt davon – was nicht im Sinne des Imkers ist. Dieser entfernt deshalb solche Zellen. Sind schon Eier drin, könnte man damit einen neuen Schwarm entstehen lassen.

Klingel erläuterte auch die Struktur des Bienenvolkes, in dem die Arbeiterinnen die meisten Aufgaben erledigen – inklusive der Fütterung der Drohnen, die nur zur Befruchtung der Königin dienen und nicht stechen können. Man erfuhr, dass es im Bienenstock eine strikte Aufteilung gibt: Der Honig wird weit von den Brutlöchern entfernt gelagert, damit sich der Nachwuchs nicht gleich über den Süßkram hermacht. Er informierte über Gefahren wie Milbenbefall: Milben entziehen den Bienen Blut, schwächen sie und machen sie so krankheitsanfälliger.

Diese Gefahr und wie man sie verhindert, ist nur eines der vielen Dinge, die man übers Imkern wissen sollte. Im Prinzip könne jeder einen Schwarm kaufen oder auch fangen, aber: „Man sollte immer Ahnung haben.“ Klingel empfahl dringend, vorher einen Imkerkurs zu belegen. Ansonsten könne man zum Beispiel Krankheiten übersehen, die die eigenen Bienen auch zu anderen Stöcken tragen können. Er selbst absolviert eine richtige berufliche Ausbildung im Melbgarten der Bonner Universität. Die Imkerei am Jakobsweg in der Verlängerung der Straße Am Bleichgraben ist in der Regel sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Eröffnet wurde sie 2002 von Miljen Bobic.

Weitere Infos auf www.imkerei-am-jakobsweg.de.

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