Auch wenn kein Verbot existiert: Stadt Bonn und Polizei warnen vor Schwimmen im Rhein

Auch wenn kein Verbot existiert : Stadt Bonn und Polizei warnen vor Schwimmen im Rhein

Stadt und Experten warnen mit Nachdruck vor dem Schwimmen im Rhein. Der Sog sei nicht zu unterschätzen. Ein offizielles Verbot existiert jedoch nicht.

Es herrscht Urlaubsstimmung am Oberkasseler „Strand“. Badetuch reiht sich an Badetuch: Manche lesen, andere sonnen sich, wieder andere suchen Abkühlung im Wasser. „Das ist an so einem Tag genau das Richtige“, meint ein junger Mann. Der 18-Jährige ist mit einer Gruppe von Freunden an den Strand gekommen. Ob sie denn wüssten, dass das Schwimmen im Rhein gefährlich sei? Verhaltenes Nicken. „Wir sind doch alle gute Schwimmer“, entgegnet er und lässt seine Muskeln spielen, „trotzdem passen wir auf und gehen nicht ganz so tief rein“. „Außer wir verlieren den Ball“, ruft einer seiner Freunde. Allgemeines Lachen. „Für den Ball würden wir unser Leben riskieren.“

Ein harmloser Scherz? Erst Mitte dieser Woche wurden in der Nähe von Mainz zwei Ertrunkene aus dem Rhein gezogen. Vermutlich handelt es sich bei den Männern um rumänische Erntehelfer, die seit einem Schwimmausflug am vergangenen Sonntag als vermisst galten. Und dies ist kein Einzelfall.

Auf die Gefahren des Schwimmens im Rhein weisen die Stadt Bonn und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in jedem Jahr aufs Neue hin. An beliebten Badeorten findet der Besucher großformatige Schilder, die in drastischer Wortwahl vor dem Sprung ins kalte Nass warnen: „Baden im Rhein ist lebensgefährlich“ prangt in großen roten Lettern auf den Tafeln.

Der Rhein fließt auf Bonner Stadtgebiet mit einer Geschwindigkeit von etwa sechs Kilometern pro Stunde. Auch geübte Schwimmer könnten einer solchen Strömung nicht lange standhalten, mahnt die Stadt in einer Pressemitteilung. „Hier am Ufer, zwischen den kleinen Mauern, bekommen wir von der Strömung doch nichts mit“, äußert sich ein Familienvater (37), der mit Frau und Kind ebenfalls zum Schwimmen gekommen ist.

Die „kleinen Mauern“, auch Buhnen oder Kribben genannt, ragen wie lange Finger in den Rhein hinein und schaffen so künstliche Buchten. Die Einstiege sind an vielen Stellen sehr flach, sodass man auch noch viele Meter vom Ufer entfernt stehen kann. Die Buchten scheinen wie gemacht für eine Abkühlung.

Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR

Doch der Schein trügt. Vor allem an den Enden der Buhnen kommt es immer wieder zu Strudeln, die Badende bis zu fünf Meter in die Tiefe ziehen können. Selbst der beste Schwimmer hat hier kaum eine Chance. Eine weitere Gefahr geht von den Schiffen aus, die die Buhnen an einigen Stellen mit nur wenigen Metern Abstand passieren. Durch die Wasserbewegung entsteht ein Sog, der vor allem für Kinder schnell zur Gefahr werden kann. Am Rhein beobachtet ein Ehepaar kopfschüttelnd die Badenden. „Ein komplett unverantwortliches Verhalten ist das! Überall stehen hier die Warnschilder, und keiner schert sich darum. Und selbst wenn man es verbieten würde, was würde das schon bringen? In der Innenstadt rasen die Fahrräder ja schließlich auch durch die Gegend – trotz Verbots.“

Aber wäre ein Verbot überhaupt denkbar und möglich? Die Stadt verweist an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), in dessen Zuständigkeitsbereich der Rhein und das Rheinufer fielen. Dort aber heißt es: „Unsere Aufgabe ist die Sicherheit und Erhaltung der Rheinschifffahrt. Deshalb verbieten wir das Baden nur an solchen Stellen, wo es die Schifffahrt behindern würde. Ein sonstiges Verbot kann nur von den Kommunen selbst durchgesetzt werden“, erklärt Christian Hellbach, Pressesprecher des WSA.

Bleibt also nur Aufklärung. „Das Problem ist, dass die wenigsten wirklich um die Gefahren wissen“, erklärt Volker Ruberg, Chef der Bonner Wasserschutzpolizei (WSP), auf Anfrage des General-Anzeigers. Ruberg: „Deshalb gehen wir in Schulen und versuchen, ein wenig von unserem Wissen in die Köpfe der Kinder einzupflanzen. Je früher, desto besser.“

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