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Wald in Bonn und der Region: Nur jeder fünfte Baum gesund

Dürre, Stürme, Brände und Borkenkäfer : Nur jeder fünfte Baum in der Region Bonn ist gesund

Der Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft warnt vor einem Katastrophenfall in der Natur und ruft die Bürger zur Mithilfe auf. „Das, was der heimische Wald aber jetzt durchmacht, war für mich bislang unvorstellbar“, sagt er zur jetzigen Situation.

Die Dürresommer 2018 und 2019 haben auch für die Wälder in der Region Bonn zu gravierenden Folgen geführt. Das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft im NRW-Landesbetrieb Wald und Holz spricht aktuell von einer „Katastrophenlage“ in den Wäldern. „Ich habe in meinem Berufsleben als Förster schon viele schwerwiegende Schädigungen durch Stürme wie den Orkan Kyrill 2007 und durch Schädlingsbefall erlebt. Das, was der heimische Wald aber jetzt durchmacht, war für mich bislang unvorstellbar“, erklärte Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamtes, der Anfang 2021 in Ruhestand geht.

Laut dem aktuellen Waldzustandsbericht des Landes Nordrhein-Westfalen ist nur noch jeder fünfte Baum (19 Prozent) gänzlich gesund. Damit ist der Waldzustand seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1984 auf einem historisch folgenschweren Tiefpunkt. Die Förster an Rhein, Sieg und Erft haben nach den jüngsten Stürmen noch einmal aktuell Bilanz in ihren Revieren gezogen und die Daten an die beiden Forstzentralen in Eitorf und Bonn gemeldet. Konkret bedeutet das für die 22.000 Hektar Staatswaldfläche des landeseigenen Forstbetriebs im Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft:

Nadelholz: Von den ursprünglich 1,4 Millionen Festmetern (ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter Holz ohne Zwischenraum), die auf einer Fläche von 4350 Hektar wuchsen, sind mehr als 50 Prozent abgestorben. Das entspricht einer Fläche von 2850 Fußballfeldern. Diese Entwicklung ist laut Regionalforstamt in Privat- und Kommunalwäldern vergleichbar, tendenziell sogar schlimmer.

Laubholz: Auch Eichen und Buchen leiden zunehmend. Vor allem große und alte Buchen litten besonders unter Trockenstress und starben dadurch ab. Die genaue Schadenslage im Laubholz lässt sich jedoch erst nach dem Blattaustrieb im Mai abschließend beurteilen. Uwe Schölmerich ist aber auch beim Laubholz sehr besorgt. Im vergangen Frühjahr fand er im Kottenforst zahlreiche Exemplare, die keine Blätter mehr entwickelt haben. Selbst in Naturwaldzellen, wo sich besonders wertvolle Bäume entwickelt haben, waren einige Prachtexemplare nach dem Dürresommer 2018 abgestorben.

Was ist zu tun? Um zumindest einen Teil der kahlen Flächen mit sogenannten Initialpflanzungen aus heimischen und standortgerechten Laubholz (Eiche, Hainbuche, Rotbuche, Flatterulme, Erle und Linde) in Kleingruppen aufzuforsten, wurde für die Pflanzsaison 2019/20 eine Rekordmenge von mehr als 300.000 Jungbäumen in Forstbaumschulen bestellt.

„Da das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft seit jeher große Mengen forstliches Saatgut an Baumschulen liefert, konnte der Bedarf in diesem Jahr noch gedeckt werden“, sagte Förster Jan-Valentin Wiesmeyer. Damit ist eine Versorgung mit hochwertigem und heimischem Pflanzgut vorerst gesichert. Bei einem durchschnittlichen Bedarf von 2000 Pflanzen pro Hektar lässt sich mit den zur Verfügung stehenden Pflanzen dennoch nur eine Fläche von circa 150 Hektar wieder bewalden.

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Aufgrund des bundesweit knappen Pflanzgutes ist nicht zu erwarten, dass in den nächsten Jahren mehr Pflanzen auf dem Markt zur Verfügung stehen. Ein Großteil der Fläche wird also durch Naturverjüngung aufgeforstet. Will heißen: Die Samen der Bäume, die auf naheliegenden Flächen stehen, werden vom Wind oder durch Tiere auf die Kahlflächen aufgebracht und wachsen dort zu einem Wald.

Ein weiteres Problem stellt die Verkehrssicherungspflicht dar. Da viele Bäume durch Stürme und Trockenheit nicht mehr fest verwurzelt im Boden stehen, müssen sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Allein das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft betreut 390 Kilometer Strecke an Straße, Schiene und waldrandnaher Bebauung. Als Waldbesitzer ist das Forstamt verpflichtet, die Verkehrssicherung wiederherzustellen und zu gewährleisten.

„Das bedeutet, dass in den kommenden Jahren immense finanzielle Belastungen auf viele Forstbetriebe zukommen werden“, sagte Wiesmeyer. Wegen der Abfuhr der vielen Baumstämme aus dem Wald zur holzverarbeitenden Industrie sind die Waldwege zunehmend in einem desolaten Zustand. Das Regionalforstamt bittet die Waldbesucher um Verständnis. Die Instandsetzung der Wege verlangt ebenfalls enorme Investitionen.