Kottenforst in Bonn - 10.000 neue Bäume für den Stadtwald

Aufforstung im Kottenforst : Warum der Bonner Stadtwald 10.000 neue Bäume bekommt

Stadtförster Sebastian Korintenberg und seine Mitarbeiter pflanzen bis 2021 im Bonner Stadtwald 10.000 neue Bäume. Damit soll der Wald seine ursprüngliche Form zurückbekommen.

Stadtförster Sebastian Korintenberg ist ein positiv denkender Mensch. Dass innerhalb der letzten beiden Jahre der Fichtenbestand in dem rund 610 Hektar großen Waldgebiet seiner Försterei inzwischen gen Null tendiert, sieht er als eine Chance, den Wald in ungeplant kurzer Zeit wieder in seine ursprüngliche Form zurückzuführen: den Mischwald.

„Wir werden bis 2021 die durch den Borkenkäfer verursachten Kahlschläge wieder aufforsten: mit Stiel- und Traubeneichen, klimastabilen Hainbuchen, Winterlinden und Vogelkirschen“, so Korintenberg. Er spricht von bis zu 30, meist etwa ein Hektar große Flächen, die von Forstarbeitern zurzeit mit Tausenden von Setzlingen nach einem genauen Plan wieder bepflanzt werden. Seit dem letzten Jahr werden die etwa 50 Zentimeter hohen Setzlinge durch Kunststoffröhren geschützt. Die sollen dafür sorgen, dass Rehe und Damwild nicht daran knabbern und gleichzeitig wie ein Mini-Treibhaus wirken.

„Ich habe in diesem Jahr ein unglaubliches Glück gehabt“, freut sich Korintenberg. Von Jahresbeginn bis in den August hinein konnte er mit einem Unternehmer einen großen Teil der insgesamt etwa 7500 Fichten aus dem Wald holen oder auch gezielt als Totholz im Wald zurücklassen. Bei den bundesweiten Schäden durch die Borkenkäfer kam es allseits zu Engpässen bei den zur Baumernte eingesetzten Holzerntemaschinen. Die können Bäume fällen, entasten und die Sortimente am Gassenrand ablegen.

Genauso schwer war es, die speziellen Holztransporter zu bekommen, die zurzeit unter Hochdruck das Holz aus den Wäldern holen und zu den Sägewerken transportieren. „In den letzten acht Monaten gab es ein richtiges Wettrennen um die letzten freien Unternehmer.“ Doch das Rennen sei für die Stadt Bonn hervorragend ausgegangen, freut sich der Förster. Die Stadt habe an allen Sortimenten noch gutes Geld verdient.

Die Kollegen vom benachbarten Landeswald bissen nun vielleicht in den sauren Apfel, weil sie nicht ganz so schnell waren. Doch dort verfolge man auch die Strategie, erst einmal abzuwarten, wie sich der Holzmarkt entwickle – was beim Privatwald auch sehr sinnvoll sein könne. „Die Fichte wird einmal ein gefragter Baum werden“, ist sich Korintenberg sicher.

Wurzeln vor dem Einsetzen in Algenmasse getaucht

Er ist dabei, mit seiner Mannschaft bis 2021 rund 10.000 neue Bäume zu pflanzen. Forstwirtgeselle Lukas Krause (24) und drei Freiwillige im Ökologischen Jahr (FÖJ) – Clara (19), Benjamin (18) und Luis (18) – setzen seit August Bäume. Das Schema hat Korintenberg vorgegeben: fünf mal fünf Meter große Quadrate in immer gleicher Anordnung mit fünf Eichen als einen „Pflanztrupp“ in der Mitte, an den Ecken werden sie im Wechsel von Hainbuchen und Winterlinden begleitet.

Die Wurzeln werden dabei vor dem Einsetzen in eine Algenmasse (Alginat) getaucht, die dafür sorgt, dass sie nicht austrocknen. Zwischen den Quadraten werden Roterlen oder Vogelkirschen gepflanzt. Sie wachsen wesentlich schneller und werden mit ihrem Blätterdach als Schirmpflanzen die nachwachsenden Bäume schützen.

„Und sie werden die ebenso schnell wachsenden Brombeeren verdämmen und Schatten auf den Boden bringen“, so Krause. Erst nach etwa zwei Jahren wird noch einmal ein Freischnitt um die gewachsenen Bäume notwendig. Danach werden die jungen Bäume in dem Naturschutzgebiet langsam sich selber überlassen. Zusammen mit dem Totholz und einigen Fichten, deren Tage gezählt sein dürften, werden sie für die gewünschte Biodiversität im Stadtwald sorgen. „Das sind unsere kleinen Biotop-Totholzinseln, die wir sozusagen als ‚Sprungbrett‘ überall im Wald verteilt haben“, so Korintenberg.