Pendlerstrecke auf A565 und Nordbrücke: Radschnellweg auf dem Tausendfüßler steht auf der Kippe

Pendlerstrecke auf A565 und Nordbrücke : Radschnellweg auf dem Tausendfüßler steht auf der Kippe

Der ADFC Bonn fühlt sich „verschaukelt“ und wirft NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst gezielte Verschleppung der Planungen für einen Radschnellweg vor. Nun steht die Umsetzung auf der Kippe.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Bonn Rhein/Sieg wirft NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) gezielte Verschleppung der Planungen für einen Radschnellweg entlang der A565 und der Nordbrücke nach Niederkassel vor. In einem Pressegespräch sagte die Vereinsvorsitzende Annette Quaedvlieg, Wüst müsse nach vollmundigen Ankündigungen sich an seinen Taten messen lassen. Vom Vorgehen des Ministeriums fühle sich der Fahrradfahrer-Verband "verschaukelt".

Nachdem Straßen NRW als zuständige Planungsbehörde in der vergangenen Woche seine Planungen für den Tausendfüßler der Presse vorgestellt hatte, ohne einen Radweg auch nur zu erwähnen, sind bei den Zweirad-Lobbyisten die roten Rücklichter angegangen. In einem persönlichen Brief haben sie den Minister zum Eingreifen aufgefordert. Ihre Angst: "Wenn erst ein Planfeststellungsbeschluss für das Brückenbauwerk besteht, werden wir einen Radweg entlang der Autobahn zu unseren Lebzeiten nicht mehr sehen", ist sich Georg Wilmers, der verkehrspolitische Sprecher des Vereins, sicher.

2017 hatte die Stadt den Wunsch nach einem Radschnellweg entlang der A565 formuliert. Mit Anschluss an die geplante Route von Bornheim nach Bonn könnte er zur zentralen Pendlerstrecke über den Rhein im Bonner Westen werden. Eine Potenzialschätzung ließ damals 1500 bis 2000 Radler pro Werktag erwarten. Die Landesregierung wischte die Anfrage vom Tisch: Ein Radweg sei nicht planfeststellungspflichtig und könne daher in die Autobahnplanung nicht einbezogen werden, so Kristina Buchmiller vom städtischen Presseamt.

März 2019: Offizieller Antrag für vier Meter breiten Radschnellweg

Im März 2019 reichten die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis deshalb den offiziellen Antrag ein, einen vier Meter breiten Landesradschnellweg in die Neubau-Planungen für den Tausendfüßler zu integrieren. Für solche Trassen ist seit 2016 das Land verantwortlich. Eine qualifizierte Potenzialanalyse der Firma SSP Consult sprach jetzt sogar von rund 5000 Radfahrern auf dem Abschnitt über den Tausendfüßler. 2000 wären erforderlich für die Planung eines Radschnellwegs. "Die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis sind planerisch in Vorleistung gegangen bei einem Projekt, das in die Verantwortung des Landes fällt", schreibt Quaedvlieg nach Düsseldorf.

Im Ministerium allerdings wimmelt man ab. Eine Machbarkeitsstudie und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung seitens der Stadt seien üblich, antwortet Ministeriumssprecher Bernhard Meier auf GA-Anfrage. Der Stadt sei bedeutet worden, "dass die bisherigen Unterlagen keine ausreichende Wirtschaftlichkeit belegen und auch die Machbarkeit nicht hinreichend belegt ist." Bis heute habe das Ministerium seine Bedenken allerdings nicht näher erläutert, betont Buchmiller.

Stadt hat ihre Überlegungen zu spät eingebracht

Trotzdem drückt das Ministerium aufs Tempo: Die Stadt habe ihre Überlegungen erst spät eingebracht. "Darauf zu warten, dass die Planungen für den Radschnellweg so weit sind, ist nicht zu verantworten", betont Meier. Schließlich müsse der marode Tausendfüßler, den Straßen NRW im Auftrag des Bundes neu plant, so schnell wie möglich ersetzt werden.

Außerdem beschwichtigt man in Düsseldorf: Sollte das Ministerium doch noch den Radschnellweg befürworten, könne er in einem Planänderungsverfahren berücksichtigt werden. Aus Sicht der Stadtverwaltung macht eine solche Planung hingegen "nur Sinn, wenn sie aus einem Guss ist". Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Oliver Krauß aus dem Rhein-Sieg-Kreis hat große Zweifel an einer nachträglichen Umsetzbarkeit des Vorhabens. Er wolle sich in Düsseldorf für eine rasche Entscheidung einsetzen, sagte er am Freitag.

ADFC-Sprecher Axel Mörer betont: "Ein Radweg, der das Autobahnkreuz Bonn Nord und mehrere Abfahrten passiert, muss integrativ geplant werden. Sonst wird das überhaupt nichts."