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Versandhandel-Betrug vor Landgericht Bonn: Waren bestellt und nicht bezahlt

Online Waren bestellt und nicht bezahlt : Mutmaßliche Betrügerbande steht in Bonn vor Gericht

Wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs müssen sich seit Freitag fünf Männer vor dem Bonner Landgericht verantworten. Den Angeklagten wird vorgeworfen, in Bonn und der Region online Waren bestellt, aber nicht bezahlt zu haben.

Die Masche war dabei immer ähnlich - die Angeklagten im Alter zwischen 27 und 32 Jahren sollen sie zwischen Herbst 2016 und Herbst 2017aber in vielen Kombinationen variiert haben: Mit Hilfe zahlreicher gefälschter Dokumente - von der Vollmacht über Meldebescheinigungen bis zum Reisepass - sollen sie sich in insgesamt 133 Fällen Pakete haben aushändigen lassen, die sie zuvor an die Adressen meist Unbeteiligter bestellt hatten.

Gebrauchen konnten die Angeklagten wohl vieles: Vom Laptop über eine Friteuse oder einem Bayern-München Trainingsanzug bis hin zu Parfum, Spirituosen und Schuhen. Am häufigsten wurden teure Handys bestellt.

Anfangen hatte die Betrugsserie wohl mit Bestellungen, die einer der Angeklagten unter falschem Namen noch an seine eigene Adresse bestellt haben soll. Bezahlt wurden die Waren jedoch nie. Möglicherweise, weil das so einfach ging, sollen die Männer dann spätestens ab Anfang 2017 in den Bestellungen eine „nicht nur vorübergehende Einnahmequelle von nicht geringer Bedeutung“ gesucht haben. Ziel war wohl, einen Großteil der bestellten Waren zu verkaufen.

Spätestens jetzt sollen die gefälschten Papiere ins Spiel gekommen sein: Es begann ein wahres Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, das unter anderem mit Hilfe von Whatsapp-Gruppen koordiniert worden sein soll. Die Angeklagten bestellten die Waren entweder unter falschen Namen jeweils an die Adressen anderer Bandenmitglieder oder gänzlich Unbeteiligter.

Bei letzterer Variante, die wohl in der größten Zahl der Taten zum Tragen gekommen sein soll, generierten die Männer eine eigene Mailadresse, die die Online-Shops an die Versandunternehmen weitergaben. Mit Hilfe der Sendungsverfolgung brachten die Besteller dann den genauen Liefertermin in Erfahrung und konnten so den Paketboten vor der Tür der ahnungslosen Empfänger abpassen. Mit Hilfe der gefälschten Papiere ließen sie sich dann die Pakete aushändigen. Auch an Paketshops ließen sie regelmäßig Waren senden.

Allerdings klappte die Masche nicht immer reibungslos: Mal kannte ein Paketbote den echten Empfänger persönlich, in einem Fall war dieser sogar bereits verstorben und der Bote kannte die Witwe. Es gab auch einen Fall, in dem ein Bote bereits zuvor offenbar einem anderen Betrüger eine Sendung übergeben hatte und nun entsprechend misstrauisch war. So blieb es in 29 der angeklagten 133 Fälle beim Versuch, und dank solcher Misserfolge flog die Bande wohl letzten Endes auch auf. Insgesamt sollen sieben Männer zu der Bande gehört haben; ein Fall war bereits zuvor abgetrennt worden, weil der Mann nicht auffindbar war. Ein weiterer war zum Prozess nicht erschienen, weil die Adresse, an die die Ladung verschickt worden war, offenbar nicht korrekt war.

Die Angeklagten stammen offenbar nicht aus den ärmsten Verhältnissen: Ihre Familien sollen sie zum Studieren aus Kamerun nach Deutschland geschickt und finanziell unterstützt haben. Dass sie bereits angeklagt waren, hielt einige von ihnen dennoch nicht von weiteren Taten ab: In der Südeifel sollen sie in diesem Frühjahr drei weitere Betrügereien begangen haben.