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Prozess in Bonn: Angeklagter gesteht tödliche Stiche gegen Eltern

Prozess in Bonn : Angeklagter gesteht tödliche Stiche gegen Eltern

Mit 60 Messerstichen ist im Frühjahr ein Ehepaar in Weilerswist im eigenen Haus ermordet worden. Im Prozess am Donnerstag in Bonn räumte der Sohn die Tat ein und sprach über das Verhältnis zu seinen Eltern.

Der Angeklagte gab sich verschlossen und einsilbig: Weil er seine Eltern im gemeinsamen Wohnhaus mit zahlreichen Messerstichen ermordet haben soll, steht ein 30-jähriger Mann aus Weilerswist im Kreis Euskirchen seit Donnerstag vor dem Bonner Landgericht. Die einleitenden Fragen, mit denen die 4. Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Klaus Reinhoff versuchte, sich ein Bild von der Persönlichkeit des Angeklagten zu machen, beantwortete der Mann oft nur widerwillig und mit wenig erhellenden Auskünften.

„Ne Ausbildung wär besser gewesen“

Dann das Geständnis: Durch seinen Anwalt ließ er mitteilen, dass er das Tatgeschehen weitgehend einräume. Er habe seine Eltern mit dem Messer getötet. Das Verhältnis sei seit geraumer Zeit angespannt gewesen; vor der Tat habe er zehn Halbliterflaschen Bier, Marihuana und Schmerztabletten konsumiert.

Marihuana, Amphetamine und Bier scheinen denn auch lange Zeit der bestimmende Lebensinhalt des Angeklagten gewesen zu sein: Trotz der einsilbigen Antworten, konnte das Gericht das Bild eines gescheiterten Lebens zeichnen. Nach dem Hauptschulabschluss verbrachte der Angeklagte seine Zeit zunächst mit Nichtstun. Erst 2008 fand er bei einer Zeitarbeitsfirma einen Job als Produktionshelfer. „Wie fanden Sie das“, wollte Richter Reinhoff von dem Mann wissen: „Ne Ausbildung wär besser gewesen“, lautete die lapidare Antwort.

Fünf Jahre Drogenexzesse - von Eltern finanziert

Er habe aber in seinem Wunschberuf als Kfz-Mechatroniker keine Ausbildungsstelle gefunden. Es folgten weitere Gelegenheitsjobs, nach einer Auseinandersetzung mit einem Türsteher, bei der sein rechter Arm gebrochen wurde, legte er eine zweijährige Heilungspause ein. Seit rund fünf Jahren bestimmten dann zunächst der Alkohol und später Marihuana und Amphetamine sein Leben. Finanziert hätten das alles seine Eltern, gab er an.

Zu dem Verhältnis, das er zu ihnen gehabt habe, wollte der Mann zunächst aber noch nichts sagen, einfach scheint es jedenfalls nicht gewesen zu sein. Am Abend des 30. April muss es erneut zu einer Auseinandersetzung gekommen sein: Weil seine Eltern berechtigte Kritik geäußert hätten, sei der Sohn genervt gewesen, heißt es in der Anklage. Um seine Ruhe vor ihnen zu haben, soll er daraufhin ein Messer mit einer zehn Zentimeter langen Klinge gegriffen haben und damit zunächst insgesamt 30 Mal auf seinen Vater eingestochen haben. Dieser erlitt schwerste Verletzungen vor allem im Hals- und Brustbereich; er verstarb wenig später im Schlafzimmer im Obergeschoss des Hauses.

(dpa)