Kommentar zu E-Scootern: Mehr Geld für Radwege

Kommentar zu E-Scootern : Mehr Geld für Radwege

Mit den E-Scootern geht es in Bonn auf einmal ganz schnell. GA-Redakteur Dylan Cem Akalin findet dafür nur Lob. Doch in seinen Augen sieht es beim Radwegenetz ganz anders aus. Da vergibt er ein Mangelhaft

Die Stadt Bonn wird von den Zeitläuften überrannt. Ausnahmsweise muss man die Stadtwerke loben, die in Windeseile einen Tretroller-Verleihsystem eingeführt haben. Aber die Bundesstadt ist noch weit davon entfernt, „Lead City“ für alternative Mobilität zu sein.

2020, so lautete einst das Ziel, wollte Bonn Fahrradhauptstadt werden. Und während sowohl die politischen Gremien als auch die Verwaltung mit ihren Plänen zu einer alternativen Verkehrsstruktur im Stadtgebiet absolut hinterherhinken, boomt das Geschäft mit den Leihrädern. Und jetzt ist seit dem Wochenende auch noch der Verleih von elektrisch getriebenen Tretrollern hinzugekommen.

Mit 200 E-Scootern ist der Anbieter an den Start gegangen, sukzessive soll die Flottenstärke ausgebaut werden. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass er damit Erfolg haben wird.

Doch an dem Grundproblem in dieser Stadt ändert das nichts: Das Radwegenetz ist mangelhaft, der Zustand der vorhandenen Wege ebenso. Der Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs hat der Stadt, die in Sachen Klimaschutz als UN-Stadt Vorreiter sein will, ein äußerst schlechtes Zeugnis ausgestellt. Platz 26 von 39 erreichte die Stadt beim Städtevergleich, und das Ergebnis blieb nur deshalb von den letzten Plätzen entfernt, weil die Einführung des Fahrradverleihsystems sich noch positiv auf das Ranking ausgewirkt hat.

Aus dem Stadtrat sind bislang zu wenig Impulse gekommen. Demnächst wird sich der Planungsausschuss mit einem „Masterplan für Verkehrswende“ beschäftigen. So sollen etwa an der Kaiserstraße Parkplätze zugunsten von Radwegen wegfallen. Insgesamt sind die Forderungen der Koalition aus CDU, Grünen und FDP aber nach wie vor zu wenig. In das Radwegenetz muss wesentlich mehr Geld investiert werden – um am Ende dem Etikett der „Modellstadt Saubere Luft“ („Lead City“) auch tatsächlich gerecht zu werden. Eine konzertierte Aktion muss mehr bringen als Initiativen wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ – so löblich sie ist. Bonn und die Region brauchen mehr und bessere Radwege. Dann steigen sicherlich viel mehr Leute auf Rad und E-Roller um.

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