Berufsorientierung in Bonn: Astronaut Gerhard Thiele besucht Karl-Simrock-Schule

Berufsorientierung in Bonn : Astronaut Gerhard Thiele besucht Karl-Simrock-Schule

Was war das für eine Abwechslung im Schulalltag der 10d der Karl-Simrock-Schule für Berufsorientierung in Bonn: Astronaut Gerhard Thiele erzählt von seinen Erlebnissen im All.

Als Gerhard Thiele sich 1987 für die deutsche Astronautengruppe beworben hatte und seine Frau ihn davon abhalten wollte, beschwichtigt er sie. Er meinte, dass er die Anforderungen sowieso nicht erfülle und nicht genommen werde, sie brauche sich keine Sorgen zu machen. Nun stand er am Mittwoch vor der 10 d der Karl-Simrock-Schule für Berufsorientierung und berichtete von seiner langjährigen Arbeit als Astronaut. Mit seinem Vortrag, der den Titel „Ein anderes Bild der Erde“ trug, gewährte Thiele den Schülern einen Einblick in seine Erfahrungen im All.

Nach einer Einführung in die Geschichte der Raumfahrt in den 60er- bis 80er Jahren erzählte Thiele den Jugendlichen von der Entstehung seines internationalen Teams und der Vorbereitung auf die sogenannte Shuttle Radar Topography Mission (SRTM). Diese startete im Februar 2000. Thiele und seine fünf Bordkollegen umkreisten die Erde elf Tage lang im US-amerikanischen Space Shuttle Endeavour und machten Messungen, in deren Zuge mit Radarsensoren fast die gesamte Erdoberfläche dreidimensional erfasst werden konnte.

Salto in der Schwerelosigkeit

Thiele erklärte den gebannt lauschenden Schülern nicht nur technische Details, sondern auch Dinge, die den Alltag im All betreffen und sich stark vom Leben auf der Erde unterscheiden. Eine Schwierigkeit ergab sich während der Mission zum Beispiel, als Thiele seine für die gesamte Reise vorgesehene Nahrung schon nach acht Tagen aufgegessen hatte. „Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die im All mehr essen als auf der Erde, und niemand weiß warum“, sagte Thiele und lachte. Außerdem zeigte er Videoaufnahmen, die kurz vor der Landung, als schon feststand, dass die Mission wissenschaftlich erfolgreich war, gedreht worden waren: Zu sehen waren Thiele und einer seiner Kollegen, die sich gegenseitig zu Freudensalti in der Schwerelosigkeit anstupsten und ein wilder, schwebender Rock'n'Roll. Nachher durften alle Fragen stellen.

„Das Thema interessiert mich sehr und ich fand es auch schon im Unterricht spannend. Jetzt war es schön, ihm so viele Fragen, die wir uns vorher überlegt haben, direkt zu stellen“, sagte Yasmine Marieau (17).

Fast den Rektor angeschossen

Die Klasse hatte im Technikunterricht zuvor selbst Modellraketen gebaut und starten lassen. „Das hat Spaß gemacht“, meinte Yasmine und musste etwas verlegen hinzufügen, dass sie Rektor Arndt Hilse mit der Rakete fast am Kopf getroffen habe. Doch es hatte was Gutes: Denn Hilse, der Thiele schon seit langem kennt, hatte daraufhin den Einfall, den Vortrag übers All zu organisieren.

Seit er aus dem aktiven Flugbetrieb und seiner Tätigkeit für die ESA ausgeschieden ist, arbeitet Thiele als selbstständiger Berater und hält regelmäßig Vorträge. „Mein Beruf ist faszinierend und nur möglich, weil die Gesellschaft das unterstützt und gesagt hat, dass sie die Forschung fördert“, so Thiele. Er gehöre zu den Privilegierten, die davon profitieren, und das wolle er gerne weitertragen. Außerdem hoffe er, junge Leute für seine Arbeit begeistern zu können. Das klappte in Endenich – auch bei den Lehrern, die den Vortrag auch noch hörten.

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