Entdeckung in Bonn: Wildkatzenkinder im Kottenforst gesichtet

Entdeckung in Bonn : Wildkatzenkinder im Kottenforst gesichtet

Der Vorsitzende der Jägerschaft Bonn, Lutz Schorn, hat im Kottenforst in einem unzugänglichen Waldgebiet eine Wildkatzenmama mit ihrem Jungen gesichtet - ein seltener Anblick, denn in ganz Deutschland gibt es nur noch 6000 Wildkatzen.

Eine Aufgabe des Wildhüters ist es auch, ein Geheimnis zu hüten. Daher wird der Vorsitzende der Jägerschaft Bonn, Lutz Schorn, niemals verraten, wo er eine Wildkatzenmama mit ihrem Jungen gesehen hat. Für Schorn war es eine wunderbare Überraschung, denn dieser Anblick ist überaus selten. Als er vergangene Woche in seinem Revier im Kottenforst unterwegs war, konnte er die Familie aus einiger Distanz beobachten und sogar rasch ein Foto schießen. Das Gestrüpp in der Neupflanzung „machte es jedoch unmöglich, genau festzustellen, wie viele Junge die Wildkatze hat“. Schorn schließt nicht aus, dass noch weitere Jungkatzen im Unterholz versteckt waren. „Denn eigentlich besteht ein Wurf oft aus zwei bis sechs Jungen“, erläutert er.

Der Kottenforst bietet laut Schorn mit seinem vielfach strukturreichen Mischwaldanteil sowie gleichzeitig offeneren Freiflächen einen idealen Lebensraum für die Wildkatze. Nachtaktiv und immer „in Deckung“ ist sie von uns Menschen nur selten zu beobachten. Als geschickter Mäusejäger verlässt sie meist nur bei Dunkelheit den Waldrand oder andere Versteckstrukturen. „Mit unserer Hauskatze hat sie nur wenig gemein“, so Schorn. Ihr Beutespektrum – also der Speisezettel – besteht vor allem aus Kleinsäugetieren wie Mäusen oder Ratten und gelegentlich auch aus Vögeln, Amphibien und Eichhörnchen. „Das alles ist im Kottenforst reichlich vorhanden, und so wird der weiteren Ausbreitung nichts im Wege stehen“, ist sich der Jäger sicher.

Die Wildkätzin kennt er eigentlich schon länger. „Ich habe sie erstmals im Juni 2017 auf der anderen Seite der Autobahn beim Mäusefangen beobachtet und mit dem Handy filmen können.“ Damals habe er sich über den seltenen und sehr scheuen Gast gefreut. „Wir haben dann den angrenzenden Waldbereich, der unserer Familie gehört, als Biotop etwas wildkatzenfreundlicher gestaltet und auf die Holznutzung teilweise verzichtet.“ Die Katze dankte schon bald, dass ihr ein Zuhause eingerichtet worden war, und ließ sich fast täglich sehen.

Im vergangenen Winter hat Schorn das Tier gelegentlich auch auf der anderen Seite der A 565 beobachten können. Sie nutzte dabei offensichtlich ein Entwässerungsrohr, das unter der Autobahn hindurchführt. „Zum Glück hat sie eine gefahrlose Querung gefunden.“ Laut Statistik fordert das dichte und viel befahrene Straßennetz die meisten Todesopfer unter Wildkatzen. In ihren großen Aktionsräumen und auf weiten Wanderungen queren Wildkatzen häufig Autobahnen oder Bundesstraßen – und werden dabei immer wieder überfahren. Durch tödliche Unfälle entwickelt sich die weitere Ausbreitung deshalb viel langsamer, als es eigentlich möglich sein könnte, da neben Jungerwachsenen sehr häufig Tiere im „besten Alter“ verunfallen, die dann nicht mehr zur Vermehrung beitragen. Die Deutsche Wildtierstiftung geht derzeit von einem Bestand von etwa 6000 Wildkatzen in Deutschland aus.

Keinesfalls will Jäger Schorn den Aufenthaltsort der Wildkatze – eine der wenigen im Kottenforst – preisgeben, „damit Schaulustige nicht in diesen sensiblen Naturbereich vordringen“. Trotz des vielgenutzten Naherholungsgebiets sei es wichtig, neu geschaffene Rückzugsgebiete frei von jeglicher Störung zu halten, da die menschenscheuen Tiere ansonsten abwandern würden.

„Das gilt übrigens in Bonn für viele Wildtiere, vom Reh bis zum Hasen.“ Schorns Appell: „Hier würde ich mir oft etwas mehr Sensibilität und Rücksichtnahme aller Erholungssuchenden im Kottenforst wünschen.“ Sonst würden die ohnehin strapazierten Offenlandarten vor der Haustür immer seltener.

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