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Quartiersentwicklung in Bonn: Beuel-Ost soll neues Image bekommen

Quartiersentwicklung in Bonn : Stadtbezirk Beuel-Ost soll neues Image bekommen

Die Stadt Bonn hat Geschmack an der Ortsentwicklung im Beueler Osten bekommen und möchte das Areal zu einer guten Adresse entwickeln. Die Bürger sollen allerdings erst nach der Sommerpause befragt werden.

Die Stadt Bonn hat nach anfänglichen Identifikationsschwierigkeiten Geschmack an der Quartiersentwicklung im Beueler Osten bekommen. Diesen Eindruck hat Petra Denny, Leiterin des Stadtplanungsamtes, jedenfalls in der Sitzung der Bezirksvertretung Beuel am Dienstagabend vermittelt: „Wir wollen das Areal östlich des Bahnhofs zu einer guten Adresse entwickeln. Dem Quartier wollen wir ein neues Image verleihen, das dazu beitragen soll, dass Kultur- und Gewerbetreibende am Standort gestärkt werden.“

Diese Worte sorgten für einen Aha-Effekt bei den Zuhörern im Ratssaal, weil sich die Stadtverwaltung 2018 bei der Geburtsstunde der vor allem durch die Kulturschaffenden in Beuel gegründeten Initiative eher skeptisch bezüglich des Erfolgs zeigte.

Stadtplaner Olaf Kasper vom Dortmunder Büro „Plan Lokal“ lieferte in der Sitzung einen ausführlichen Situationsbericht, erste Ideen für mögliche Maßnahmen und einen Zeitplan für das weitere Vorgehen: „Wir haben uns ein gutes Bild vom Quartier verschafft, weil wir mit vielen Menschen vor Ort gesprochen haben.“ Allerdings fällt sein Fazit vorwiegend negativ aus: Das Quartier habe kein Profil, es existiere kein Zusammengehörigkeitsgefühl und kein kreativer Austausch der Akteure untereinander. Zusammengefasst: Jeder wurschtelt so vor sich hin und niemand achtet auf den anderen.

Umfrage an Bewohner ging mau aus

Überrascht hat den Stadtplaner, dass in Beuel-Ost so viele Menschen wohnen, obwohl das Quartier in erster Linie ein Gewerbestandort sei. Deshalb habe man sich die Mühe gemacht, alle Haushalte anzuschreiben und die Bewohner nach ihrer Meinung zu befragen. Von den 598 Haushalten hätten aber bislang nur 90 geantwortet. „Das ist ein mageres Ergebnis“, so Kasper.

Als Plus für den Standort wertet der Stadtplaner die gute verkehrliche Anbindung und das überaus gute Kulturangebot. Von einer weiteren Nutzung der Begriffe Kulturquartier und Kreativquartier rät Kasper ab und schlägt „Schauraum der Talente“ vor: „Wir wollen die Vielfalt im Quartier nutzen und die dortigen Talente fördern.“ Wichtig ist ihm auch, die „Qualitäten aus der zweiten Reihe“ hervorzuheben. Wie das alles genau geschehen soll, dazu äußerte er sich noch nicht. Das Stadtplanungsbüro schlägt die Einrichtung eines Quartiersbeirats vor, der den ständigen Prozess in den nächsten Jahren begleiten soll.

Besondere Potenziale sieht Kasper in dem Abschnitt zwischen August- und Marquartstraße. Dort existierten einige Brachen, die für die Entwicklung des Quartiers dringend benötigt würden. Zum Beispiel schlägt er eine Stichstraße von der Marquartstraße zum Gelände der Sportfabrik vor, damit die Auguststraße entlastet und für andere Nutzungen vorbereitet werden könnte.

Auch für das Schauspiel-Gelände an der Siegburger Straße zählte Kasper Veränderungsmöglichkeiten auf, die die „Halle Beuel“ aufwerten würden: Umzug der Freiwilligen Feuerwehr zur Berufsfeuerwehr an die Maarstraße, Verlegung der städtischen Karnevalsfahrzeuge an eine andere Stelle, Gestaltung des Innenhofs, Schaffung eines Verbindungswegs zwischen den Theaterwerkstätten und den Markthallen. Außerdem regte Kasper an, einen Infopfad zur industriellen Entwicklung Beuels anzulegen, ein Fußgängerleitsystem zu entwickeln und die Markthallen als Einkaufsmöglichkeit für Endverbraucher zu öffnen.

Vorschlag der Gutachter: An der Villa Marquart vorbei soll eine Stichstraße auf das Gelände der Sportfabrik führen. Foto: Benjamin Westhoff

Durch den geplanten Anschluss der Maarstraße an die Autobahn 59 und die bereits im Bau befindliche Schnellbahnlinie 13 würden sich noch ungeahnte Chancen für eine verkehrliche Neuordnung im Quartier ergeben. So schlug er vor, die Paulusstraße nach Süden zu verlängern und an die Maarstraße anzubinden. Diese Verbindung würde sowohl die Siegburger- als auch die Königswinterer Straße entlasten.

Noch kein Konzept für den Stadtrat

Wer das alles bezahlen soll, steht noch nicht fest. Laut Petra Denny will die Verwaltung prüfen, welche Projekte über eine Förderung des Landes NRW finanziert werden können. Dafür müsse aber ein stichhaltiges Konzept vorliegen, das zuvor vom Stadtrat beschlossen werden muss.

Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus (CDU) machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Ich hätte mir mehr konkrete Vorschläge gewünscht. Die Menschen in Beuel haben allein schon wegen der umfänglichen Vorabeit der Initiative hohe Erwartungen an das Gutachten. Das Thema ist für uns zur Herzenssache geworden.“ Déus deutete an, dass einige Erkenntnisse der Gutachter schon vorher allen bekannt gewesen seien „und deshalb setzen wir so viel Hoffnung in ihre Arbeit und ihre Vorschläge“.

Déus reklamierte bei der Verwaltung, die Gespräche zwischen Stadt und Schauspiel so zu intensivieren, dass Oberbürgermeister Ashok Sridharan Schauspielintendanten Bernhard Helmich Ausweichquartiere für ausgelagerte Theaterflächen anbieten könne. „Ohne eine Standortalternative wird Herr Helmich keinen Platz auf dem Gelände der Halle Beuel räumen“, erklärte Déus, der sich der Unterstützung des Schauspielintendanten in dieser Frage hat zusichern lassen.

Der Stadtverordneten Ros Sachsse-Schadt (Bündnis90/Die Grünen) fehlt eine schlüssige Gesamtkonzeption des Gutachters: „Ich setze auf die Kreativität der Bürger und darauf, dass sich der Prozess ständig weiterentwickelt.“