Bad Godesberg: Nach der Hochschul-Absage herrscht Ärger im Stadtbezirk

Im Stadtbezirk Bad Godesberg : Nach der Hochschul-Absage herrscht Ärger

Obwohl die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sämtliche Pläne für Bad Godesberg erst einmal ad acta gelegt hat, glauben CDU und FDP weiterhin an eine Ansiedlung in dem Bonner Stadtbezirk. Die Stadt prüfe verschiedene Liegenschaften, die infrage kämen, so Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Die Opposition aber ist kritisch.

Dass die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) zwar mit ihrem Studiengang Cyber Security an den Start gehen kann, das aber nicht in Bad Godesberg sein wird, sorgt für Diskussionen. Während CDU und FDP noch Möglichkeiten sehen, die Bildungseinrichtung in Godesberg anzusiedeln, sehen andere Parteien die Schuld für die Absage bei der Stadtspitze.

Wie berichtet, stellt das NRW-Wissenschaftsministerium der H-BRS drei Millionen Euro für die dreijährige Pilotphase zur Verfügung. Laut Hochschule ist das Geld „für den Studiengang, nicht für Beton“, sagte Sprecherin Eva Tritschler am Freitag. Die Studenten kommen also vorerst nicht nach Bad Godesberg, sondern lernen „am bestehenden Ort“. Sämtliche Pläne, die man gehabt habe, „wandern jetzt erst einmal in die Schublade“.

Ein Antrag zur Ansiedlung des Studiengangs in Bad Godesberg „ist dem Ministerium nicht bekannt“, teilte ein Sprecher auf GA-Anfrage mit. Generell aber entscheide die Hochschule „im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Mittel selbst, ob, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt zusätzliche Flächen für das Angebot erforderlich sind“.

Stadt prüft verschiedene Liegenschaften

Dass das Land die Pilotphase, nicht aber die Unterbringung des Studienganges finanziere, sei nicht neu, sagte Ashok Sridharan (CDU). Ziel sei es weiterhin, die Studenten nach Godesberg zu bringen. Dafür werde er sich mit den vier Landtagsabgeordneten „auf allen denkbaren Kanälen beim Land einsetzen“. Nun prüfe die Stadt verschiedene Liegenschaften, „um Vorschläge für die Startphase machen zu können“. Welche das sind, war nicht zu erfahren. Er halte den Zeitpunkt für verfrüht, sich zu äußern, sagte Wolfgang Heedt (FDP). „Sinnvoll wäre es, sich mit allen Beteiligten ins Benehmen zu setzen.“

Kritischer sehen das die Sozialdemokraten. Dass der Stadtbezirk leer ausgehe, sei sehr schade, sagte Gabriel Kunze, SPD-Bezirksbürgermeisterkandidat. „Es gab offensichtlich keinen Plan, wie die Unterbringung des Studiengangs in der Kurfürstlichen Zeile hätte finanziert und umgesetzt werden sollen.“ Sollte seitens der Hochschule noch Interesse an Bad Godesberg bestehen, müsse zügig gehandelt werden. Und das parteiübergreifend.

Man nehme die Absage „verärgert zur Kenntnis“, so Ralf Jochen Ehresmann (Linke). Das „amtliche Erstaunen“ der CDU-Politiker wirke „wenig glaubhaft, da der unverständliche Unwillen der Landesregierung ja schon länger im Raum stand“. Nun müsse man andere Ideen für die  Kurfürstliche Zeile entwickeln, um den lähmenden Stillstand zu beenden.

Gesundheit sei ein Thema, auch die Universität sei eine Option. Eine Nutzung als Bücherei und Musikschule schwebt den Grünen vor. „So eine Art kleines Haus der Bildung“, so Monika Heinzel, die auch die Vebowag, Wohnungen oder ein Hotel ins Spiel bringt. „Die Entscheidung kam nicht unerwartet“, sagte die Kommunalpolitikerin. Daher habe sie schon vorher darauf gedrungen, über Alternativen nachzudenken. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen.“

Bürger Bund: Eine schlechte Nachricht für Bad Godesberg

Der Bürger Bund Bonn (BBB) setze auf eine Stärkung des Bürgerservices an der Kurfürstenallee, so Marcel Schmitt. „Bad Godesberg sollte wieder ein Rathaus bekommen, das den Namen auch verdient.“ Für die Hochschule könne auch ein anderer Platz in Bad Godesberg gefunden werden, so zum Beispiel im bald vakanten Schulzentrum Pennenfeld. Die Absage der NRW-Landesregierung sei auf jeden Fall eine schlechte Nachricht für Bad Godesberg und eine schwere politische Schlappe für CDU und FDP, sagte der Kommunalpolitiker.

Das sieht Bezirksbürgermeister Christoph Jansen ganz anders. „Alternative Planungen für die Kurfürstliche Zeile wären nicht angebracht und ein falsches Signal.“ Eine Hochschule in der Zeile unterzubringen, sei auch weiterhin möglich. Dass der Probebetrieb andernorts starte, „dürfte niemanden überraschen, der die Räumlichkeiten kennt“. Der dreijährige Probebetrieb eröffne nun die Chance, „Mittel für den Umbau der Kurfürstlichen Zeile in einen Campus zu akquirieren und diese Planung zu konkretisieren. Wer ein so bedeutendes Projekt umsetzen will, braucht einen langen Atem.“