Städteplaner legen Gutachten zum Leitbild Bad Godesberg vor

Städteplaner legen Vorschläge vor : So soll die Rheinpromenade in Bad Godesberg aufgewertet werden

Städteplaner in Bad Godesberg legen nach der Bürgerbeteiligung beim Leitbildprozess für die Neugestaltung der Rheinpromenade ihre Vorschläge vor. Noch fehlen jedoch die Fördergelder.

Nicht alle Tage findet ein Bürgerbeteiligungsverfahren mit diesem Aufwand statt: Der Leitbildprozess Bad Godesberg hat über ein Jahr hinweg mit drei Bürgerkonferenzen nicht nur die Verwaltung Zeit und Energie gekostet, sondern auch das ausführende Stadtplanungsbüro Dr. Jansen und natürlich diejenigen Bürger, die sich für eine Zukunftsvision des Stadtbezirks Bad Godesberg engagiert haben. Nun liegt ein 170 Seiten umfassendes Gutachten vor, in dem die Ergebnisse zusammengefasst sind. Die politischen Gremien haben sich damit zu befassen, der Bezirksvertretung Bad Godesberg liegt es in seiner Sitzung am 11. Dezember vor, der Rat tagt dazu einen Tag später.

Das Leitbild soll letztlich Grundlage sein für die Stadtentwicklung der kommenden zwei Jahrzehnte, dient also mit seinem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (kurz: ISEK) der Orientierung der Kommunalpolitiker bei künftigen Entscheidungen. Die Verwaltung würde bei einem Beschluss in die Lage versetzt, Städtebaufördergelder beantragen zu können. Ein Beschluss bedeutet aber auch: Geld in den kommunalen Haushalt einzustellen. Konkret hat das Büro Jansen fünf große Handlungsfelder und 18 Maßnahmen benannt, die eine meist förderungswürdige Investition im mittleren zweistelligen Millionenbereich erforderlich machen. Fünf Säulen also, die gestärkt werden sollen, um den Stadtbezirk interessanter, urbaner, lebenswerter zu gestalten:

Aufwertung des öffentlichen Raums: Mit dem Ziel, Gestaltungslinien zu entwickeln, zentrale Plätze und Parkanlagen attraktiver zu gestalten und die Bürger am Entstehen eines entsprechenden „Masterplans“ zu beteiligen, soll das Stadtplanungsamt ein Büro beauftragen. Für die Kosten von 200.000 Euro wäre eine Städtebauförderung möglich. Das Büro Jansen geht von einer Umsetzung von 2021 bis 2025 aus. Darauf aufbauend sieht das Gutachten Investitionen von 11,4 Millionen Euro bis 2031 vor, der Betrag setzt sich aus 6,24 Millionen Euro für Planung und Ausbau in Fußgängerzone und Straßenräume und 5,2 Millionen Euro für die Plätze zusammen. Um den Bürgern ein sicheres Gefühl zu geben, ist beispielsweise an eine Kampagne gedacht. Sie soll auch die Akteure zum Thema Sicherheit besser miteinander vernetzen. Hier rechnet das Gutachten mit einem erforderlichen Betrag von 20.000 Euro. Das Büro Jansen erwähnt in seinem Bericht, dass es schwindendes Sicherheitsempfinden zu geben scheine, die Fallzahlen laut Kriminalstatistik der Polizei aber nicht zugenommen hätten.

Kultur, Freizeit, Tourismus, Sport: Den größten Batzen von 15 Millionen Euro sieht das Handlungskonzept für eine Aufwertung des Rheinufers vor. Die Liste der umzusetzenden Maßnahmen ist lang. Sie reicht von zusätzlichen Bänken bis hin zu einem modernen Beleuchtungskonzept, besseren Fuß- und Radwegen bis zu gesundheitsfördernden Sport- und Freizeitgeräten und der Prüfung eines Radschnellweges. Der Projektzeitraum läuft von 2023 bis 2035. Und auch hier sind wie bei den meisten Vorschlägen Städtebaufördermittel möglich, die den kommunalen Haushalt nicht belasten würden. Die Weiterentwicklung als Gesundheitsstandort findet in dem Gutachten ebenso Erwähnung wie die immer noch ungeklärte Bäderfrage. Beides sowie das In-Szene-setzen der Heilquellen und des Trinkpavillons setzt das Gutachten in einen Kontext. Für einen Schwimmbadbau setzt das Konzept sehr ungenau einen Betrag zwischen 10 und 20 Millionen Euro an.

Blick durchs Glas der U-Bahn-Überdachung auf die Alte Bahnhofstraße. In den nächsten Jahren soll in der City investiert werden. Foto: Benjamin Westhoff

Mobilität: Auf Grundlage eines noch zu erstellenden Mobilitätskonzeptes (Kosten: 100.000 Euro) soll die Stadt den Godesberger Bahnhof zu einer Mobilstation mit Vorbildcharakter umbauen (eine Umsetzung ist bereits im Gang). Weitere Ideen: Der Bahnhof wird zur Schnittstelle für Nahverkehr mit kürzeren Wegen mit Mietangeboten für Autos, Fahrräder, Lastenräder und Ladesäulen für elektrobetriebene Fahrzeuge. Die Kosten stehen noch nicht fest, müssten aber laut Gutachten aus dem städtischen Haushalt beglichen werden.

Kommunale Infrastruktur: Unter Vorbehalt stehen die Empfehlungen für die kurfürstliche Zeile, deren bessere Anbindung an die Innenstadt und die öffentliche Zugänglichkeit wünschenswert wären. Die Gutachter sehen nach Reaktionen der Bürger einen identitätsstiftenden Wert. Unter Vorbehalt deswegen, weil zum jetzigen Zeitpunkt unklar ist, ob die Hochschule Bonn/Rhein-Sieg eine Dependance an der Stelle gründen wird. An dieser Entscheidung wiederum hängt möglicherweise das Schicksal des an der Zeile gelegenen Bürgeramts. Die Forderung eines Verwaltungsarms im Stadtbezirk haben die Bürger jedenfalls klar formuliert. Diese Ungewissheiten führen dazu, dass das Handlungskonzept an dieser Stelle keine Kosten und keinen verlässlichen Zeitrahmen benennt.

Einbinden von Eigentümern und Gewerbetreibenden: Ein öffentlich erreichbares Citymanagement soll Bürgern und Händlern vor Ort beratend zur Seite stehen. Sowohl, um an der Umsetzung des Stadtentwicklungskonzepts zu arbeiten, als auch um Beteiligungsprozesse bei Einzelprojekten zu begleiten, Hof-und Fassadenprogramme umzusetzen, bei der Organisation von Veranstaltungen zu helfen oder Arbeitskreise zu moderieren.

Die Kosten von 500.000 Euro über fünf Jahre (geplant von 2021 bis 2015) hätten Chancen auf Städtebauförderung. Neben einem Fonds für kleinere private Projekte und einer Öffentlichkeitsoffensive, um die Bürger ins Boot zu holen, ist eine Evaluation vorgesehen, um nachverfolgen zu können, ob die hehren Ziele auch Schritt für Schritt erreicht werden.