Cyberstudiengang bleibt an der HBRS: Bad Godesberg bekommt vorerst keine Hochschule

Cyberstudiengang bleibt an der HBRS : Bad Godesberg bekommt vorerst keine Hochschule

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HBRS) wird keine Dependance in Bad Godesberg einrichten. Das Land fördert zwar die Einrichtung des Cybersecurity-Studiengangs, nicht aber die Ansiedlung außerhalb des Kreises.

Die Entscheidung hat lange auf sich warten lassen, nun ist sie gefallen: Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HBRS) wird keine Dependance in Bad Godesberg einrichten. Zwar fördert die NRW-Landesregierung die Einrichtung des geplanten Studiengangs zur Cybersicherheit. Dieser aber wird erst einmal nicht in der Bundesstadt, sondern an den bestehenden Standorten der Hochschule an den Start gehen. Insgesamt fließen für die Pilotphase, die bis Ende 2023 dauert, sechs Millionen Euro in Richtung HBRS und Hochschule Niederrhein. Diese wird ein ähnlich gelagertes Angebot einrichten. 

„Wir haben Geld für den Studiengang, nicht für Beton erhalten“, sagte Eva Tritschler, Sprecherin der Hochschule, am Freitag auf GA-Anfrage. Soll heißen, dass die neuen Studenten in den ersten drei Jahren auf keinen Fall in Bad Godesberg, „sondern am bestehenden Ort“ lernen werden. Sämtliche Pläne, die man gehabt habe, „wandern jetzt erst einmal in die Schublade“. Ob im Anschluss an die Pilotphase die Möglichkeit besteht, nach Bad Godesberg zu ziehen, konnte Tritschler nicht sagen. „Es ist ein organisatorisches Problem, das wir lösen werden.“  Auf jeden Fall fange man „mit wenigen Neuen an“. Ob der Studiengang allerdings – wie ursprünglich geplant – bereits zum kommenden Wintersemester an den Start geht, „ist noch offen“, sagte Tritschler.

Dass der dreijährige Probebetrieb finanziert wird, „ist eine positive Nachricht“, sagte der Godesberger Bezirksbürgermeister Christoph Jansen. Dies gehe ganz wesentlich auf das Engagement des Oberbürgermeisters, des stellvertretenden Ministerpräsidenten Joachim Stamp und der hiesigen Landtagsabgeordnete zurück. Dass der Umbau der Kurfürstlichen Zeile nicht von heute auf morgen realisiert werden könne und dafür außerdem Mittel in Millionenhöhe nötig wären, sei selbstverständlich gewesen. Aber: „Wir arbeiten daran, dass diese Mittel auf Landes- und Bundesebene zur Verfügung gestellt werden. Ziel bleibt es, die Kurfürstliche Zeile künftig einer Hochschulnutzung zuzuführen“, so Jansen.

Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan sieht noch eine Chance für Godesberg. „Es ist eine gute Nachricht, dass das Land jetzt die Mittel für die Pilotphase zur Verfügung stellt. Ich werde gemeinsam mit unseren Landtagsabgeordneten die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg dabei unterstützen, die Pläne für einen Standort in Bad Godesberg wieder aus der Schublade herauszuholen.“

Wie berichtet, wurde der Plan, eine Zweigstelle der Hochschule in Bad Godesberg zu eröffnen, Ende 2018 bekannt. Was zunächst vielversprechend begann, geriet ins Stocken. Denn Düsseldorf ließ sich Zeit mit der Entscheidung. So teilte das NRW-Wissenschaftsministerium im September 2019 mit, dass es in den Gesprächen mit der HBRS ausschließlich um das Studiengangkonzept gehe. Standortfragen spielten keine Rolle, „weil der Umfang der derzeit diskutierten Startphase des Studiengangkonzeptes keine räumliche Erweiterung erfordern würde“. Eine Ansiedlung in Bad Godesberg schien also zumindest anfangs nicht angedacht. Dies hat sich nun bestätigt.

Wie das Wissenschaftsministerium am Freitag mitteilte, wollen die Hochschulen Bonn-Rhein-Sieg und Niederrhein jeweils bis zu fünf zusätzlichen Professuren und 250 Studienplätze installieren. Die Bildungseinrichtungen planen einen kontinuierlichen Austausch untereinander. An der HBRS wird das Studienprogramm Cybersecurity eingerichtet, der Schwerpunkt liegt unter anderem auf IT-Forensik und Schadsoftwareanalyse. Am Niederrhein geht es unter anderem darum, Risikoanalysen zu erstellen.