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Juppi Schaefer aus Bad Godesberg: Weg zur Godesburg wird umbenannt

Bad Godesberger Original : Weg zur Godesburg wird künftig Juppi-Schaefer-Weg heißen

Der Weg vom Aennchenplatz hoch zur Godesburg wird umbenannt in Juppi-Schaefer-Weg. Der Aufstieg trägt dann den Namen eines Bad Godesberger Urgesteins, das sich nach Meinung vieler um den Stadtbezirk (und seine Geschichte) verdient gemacht hat.

Es war spontaner Applaus, der am Mittwochabend in der Stadthalle zu hören war. Nach einer emotionalen (und kontroversen) Debatte in der Bezirksvertretung stand schließlich fest: Der Weg zwischen Aennchenplatz und Godesburg, der als „Schlangenweg“ bekannt ist, wird künftig den Namen eines verstorbenen Godesberger Urgesteins tragen: Juppi Schaefer.

Ein zuverlässiger Geschäftsmann und Mensch, aber unbequem in der Politik sei er gewesen, erinnerte Jürgen Bruder (CDU) an Schaefer, der seit 2014 für die von ihm gegründeten „Die Godesberger“ in der Bezirksvertretung saß. „Er hat die Finger massiv in die Wunde gelegt“, so Bruder. „Damit hat er etwas bewirkt. Ich habe ihn in guter Erinnerung.“

Er habe ebenfalls positive Erfahrungen mit Schaefer gemacht, sagte Michael Rosenbaum vom Bürger Bund Bonn (BBB). Das aber sei nicht der Grund, weswegen er es für richtig halte, einen Weg nach Schaefer zu benennen. „Er hat viel für unsere Heimatstadt getan“, sagt Rosenbaum. Und erinnerte an Zeiten, in denen Schaefer das Underground in Muffendorf betrieben hatte, in dem damals die Band Queen aufgetreten war. „Bei aller Kritik, die man an manchen Aktionen üben konnte – er hat sich für Godesberg eingesetzt“, sagte Marcel Schmitt (BBB). Schaefer habe mit Filmen und Büchern der Godesberger (Heimat-)Geschichte ein Denkmal gesetzt. „Wenn jemand so etwas für einen Stadtbezirk geleistet hat, sollte man ihn ehren“, meint Schmitt.

Kontroverse Diskussion

So positiv sah Nicole Unterseh (Grüne) Schaefer nicht. „Ich möchte seine Verdienste nicht in Abrede stellen, man kann darüber aber geteilter Auffassung sein“, sagte die Kommunalpolitikerin. Für sie stünden seine Äußerungen und Aktivitäten der letzten Jahre im Mittelpunkt. „Man kann über alles reden. Über Müll, Lärm, Burkaverbot und Medizintourismus. Aber auch über das ‚Wie kommt es an’“, so Unterseh. Schaefer habe ohne Respekt für andere Menschen, für andere religiöse Hintergründe gesprochen. Auch Ralf Jochen Ehresmann (Linke) tat sich schwer, den Weg umzubenennen. „Mir ist durchaus bewusst, dass er mit einer Geschichte zu uns gekommen ist, die ihresgleichen sucht.“ Allerdings habe es Äußerungen gegeben, „bei denen ich mir denke: Das geht nicht“, so Ehresmann. Sein Gedenken müsse man wachhalten. „Aber eine Straßenbenennung geht mir zu weit.“

Ehrung für ein Godesberger Urgestein: Der Weg vom Aennchenplatz hoch zur Godesburg soll künftig Juppi-Schaefer-Weg heißen. Foto: Axel Vogel

Er kenne Schaefer aus dem Underground, und der Barriere, führte Lutz Beine (SPD) aus. Dort habe er ihn sehr offen erlebt – anders als in der Bezirksvertretung. Die Wegbenennung lehne die SPD trotzdem ab. Der Grund: „Ich kenne viele Politiker aus verschiedenen Parteien, die das dann auch verdient hätten. Wenn wir jetzt ein Fass aufmachen, wird das inflationär.“ Um den Weg an sich ging es Wolfgang Heedt (FDP). Seine Partei habe beantragt, diesen zu schließen. Genau wie einige Anwohner, die ihn als vermüllt, gefährlich und als ein Treffpunkt für Jugendliche und Kleinkriminelle beschreiben. „Daher sehen wir bei der Benennung dieses Weges keine Geschäftsgrundlage und werden uns enthalten.“

Gremium stimmt mehrheitlich für die Umbenennung

Es gehe um die Gesamtwürdigung, gab Jan Claudius Lechner (CDU) zu bedenken. Schaefer sei kein fein geschliffener Rhetoriker gewesen, er habe problematische Facetten gehabt. „Aber die hat doch vermutlich jeder von uns“, so Lechner. Und sein Parteikollege Nikolaus Kircher sagte: „Juppi Schaefer war ein Original. Wir sollten froh sein, dass es Originale gibt, die ihr Herz auf der Zunge tragen und die Volkes Stimme in die Politik bringen.“ Daher sollte man den Weg, der Schaefer am Herzen lag, nach ihm benennen. Das sah das Gremium genauso. Und entschied sich mehrheitlich für die Umbenennung des Weges.