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Rallye „Baltic Sea Circle“: Zwei Dersdorfer auf der Suche nach dem Abba-Tourbus

Rallye „Baltic Sea Circle“ : Zwei Dersdorfer auf der Suche nach dem Abba-Tourbus

In 16 Tagen durch zehn Länder: Lorraine Keils und Mario Bené waren als Team „Vorgebirgsfohlen“ bei der Rallye „Baltic Sea Circle“ dabei und sammelten Geld für die Stiftung „Muskeln für Muskeln“ und den Deutschen Tierschutzbund.

Die gute Nachricht schon mal vorweg: Lorraine Keils (22) und Mario Bené (24) sind immer noch ein Paar. Sie haben die außergewöhnliche Autorallye „Baltic Sea Circle 2018“ gut überstanden und sind jetzt wieder wohlbehalten in ihrem Heimatort Dersdorf angekommen. „Die Tour hat uns sogar zusammengeschweißt“, sagt Keils über den ersten gemeinsamen Urlaub, während sie in dem Roadbook (Straßenbuch) blättert, das wie eine Art Tagebuch die Reise und die unterschiedlichen Stationen der Rallye mit Fotos und Notizen dokumentiert.

Wie berichtet, legten die Bachelorabsolventin im Fach Medizinische Biologie und der Mechatronikergeselle in einem dunkelblauen Mercedes 200 E, Baujahr 1992, in 16 Tagen an die 7500 Kilometer zurück und durchquerten dabei zehn Länder. Darunter waren Dänemark, Finnland, Schweden, Polen und die baltischen Staaten. Start und Ziel war jeweils in Hamburg (Infokasten).

Gewonnen hat die Rallye, bei der die Teilnehmer diverse Tagesaufgaben erfüllen und mit Fotos nachweisen mussten, das männliche Zweiergespann „Die durstigen Sheriffs“ aus dem Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. „Die beiden hatten das Auto bis unters Dach mit Bier beladen. Obwohl sie in einigen Ländern auch Verwandte und Freunde besucht haben, haben sie es dennoch geschafft, rechtzeitig wieder in Hamburg anzukommen“, erzählt Bené. Vermutlich seien die jungen Männer an die 20 Stunden durchgefahren.

Besonders gut gefiel ihnen das Nordkap

Den Dersdorfern, die unter dem Namen „Vorgebirgsfohlen“ starteten, war es dagegen nicht so wichtig, die „Baltic Sea Circle 2018“ für sich zu entscheiden. Dafür gab es andere „magische Momente“, wie Keils findet. „Vor allem, als wir durch Norwegen sind. Die Strecke führte genau am Meer entlang. Ein Höhepunkt war definitiv das Nordkap. Obwohl es an dem Tag kalt und nebelig war, war es einmalig.“ Generell hatte das Paar auf seiner Reise zum Großteil kein gutes Wetter. Viel Regen und Kälte. Als dann auch noch die erste Nacht in Schweden bereits um 5 Uhr morgens vorbei war, weil das Zelt nicht wasserdicht war, mussten Keils und Bené nach anderen Schlafplätzen Ausschau halten.

Vor allem die Unterkunft auf einem Nudisten-Campingplatz werden sie so schnell nicht vergessen. „Während wir geduscht haben, und die Duschen waren nicht nach Geschlechtern getrennt, hat jemand alle Duschvorhänge abgerissen und fürs Waschen eingesammelt“, berichtet Bené. Er erinnert sich noch gut daran, dass er wegen des Schaums im Gesicht nichts sehen, sondern nur hören konnte.

In Norwegen kam dann dank eines Hotelzimmers mit Warmwasserdusche und einem ausgiebigen Frühstück tags darauf etwas heimatliche Stimmung auf. „Zu Beginn der Tour war ich noch sehr hibbelig. Aber mit der Zeit wurde ich entspannter. Dann nimmt man es einfach hin, dass es nur kaltes Wasser zum Duschen auf den Campingplätzen gibt oder dass das Gepäck irgendwann nicht mehr akkurat im Kofferraum liegt“, sagt Keils. Trotz schlechtem Wetter, einer defekten Lichtanlage und einem erst verlorenen und dann wiedergefundenen Portemonnaie auf der Fähre gab es nie den Punkt, abzubrechen.

Anders sah es bei anderen Rallyeteilnehmern aus. Bereits am ersten Tag schied ein Team aus, weil auf dem Weg nach Hamburg der Kühler kaputtging und für das amerikanische Automodell auf die Schnelle kein Ersatz besorgt werden konnte. „Ein Paar hat sich während der Fahrt so heftig gestritten, dass der eine Teampartner vorzeitig ausgestiegen und mit dem Zug zurückgefahren ist“, erzählt Bené. Ein weiteres Team hatte Glück im Unglück, als sein Wagen in Norwegen mit einem Elch kollidierte. Die Frontscheibe war gesprungen und Fellbüschel klebten daran. Überlebt hat das Tier den Unfall nicht.

Die enttäuschendste Station für Keils war ein Ort in Finnland, wo der Weihnachtsmann lebt. „Es war alles so lieblos und kitschig. Es gab nur einen Souvenirladen nach dem anderen“, sagt sie. Als weitere Aufgabe galt es, den Abba-Tourbus von 1974 zu finden, den sie auf dem Autofriedhof nahe Ryd im schwedischen Småland ausmachten.

Die härteste Herausforderung war jedoch, mit einer geöffneten Dose des sauer-eingelegten schwedischen Herings Surströmming 200 Kilometer weit zu fahren. Faulig und stinkend sind nur einige Attribute des intensiven Geruchs, der sich gerne in Kleidung, Haaren und Sitzen hält. Keils: „Eine Freundin hatte mir Feuchttücher mit Himbeergeruch mitgegeben, die wir vor die Lüftung und auf unsere Schultern gelegt haben. Die Dose hatten wir zunächst in Müll- und Gefrierbeutel gepackt, alles mit Panzertape umwickelt und das Ganze in einem kleinen Kugelgrill verstaut – und dennoch hat das Auto gestunken.“ Einige Teams waren sogar so mutig und haben den Hering nach absolvierter Aufgabe gegessen. Immerhin gab es im Roadbook ein passendes Rezept dazu.