Unter dem Thema "Selbstbestimmung": So war das Herbstcamp der Jugendakademie Walberberg

Unter dem Thema "Selbstbestimmung" : So war das Herbstcamp der Jugendakademie Walberberg

Beim Herbstcamp der Jugendakademie Walberberg setzten sich 22 Jugendliche mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte mit dem Thema „Selbstbestimmung“ auseinander.

Sahar, Mira, Hani, Alaa und Ahmad lernen Deutschland zurzeit von einer ganz anderen Seite kennen. Sie gehören zu 22 Jugendlichen mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte, die noch bis Sonntag ihre Herbstferien in der Jugendakademie in Walberberg verbringen. Die 15- bis 18-Jährigen kommen beispielsweise aus Syrien, Aserbaidschan, Afghanistan oder dem Irak und leben schon seit einiger Zeit in Deutschland.

In dem Camp setzen sich die zehn Mädchen und zwölf Jungen mit Partizipation an der hiesigen Gesellschaft auseinander. Ob in schulischer, beruflicher, sozialer, sportlicher und kultureller Teilhabe oder im Bildungsbereich – die jungen Leute sollen in Workshops, Spielen und Exkursionen Mitsprache, Selbstbestimmung und Mitbestimmung erfahren und in ihren persönlichen Wünschen „klarer werden“.

Wo willst Du mitmachen? Welche Möglichkeiten bietet Beteiligung? Welche Hürden gibt es? Diese und ähnliche Fragen werden in Gruppenstunden spielerisch erarbeitet, mal nach Geschlechtern getrennt, mal gemeinsam. Unter der Federführung eines Teams aus acht Betreuern um Projektleiterin Lena Wacker werden Angebote in Bereichen wie Theater, Kunst, Musik und Sport gemacht.

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak

Dabei überlegen die Jugendlichen jeden Abend in drei Kleingruppen gemeinsam, was am nächsten Tag auf dem Programm stehen könnte. Diese Ideen unterbreiten zwei Sprecher jeder Minigruppe den Betreuern. Praktikable Vorschläge wie Karaoke-Singen oder Übungen im Seilgarten werden gleich umgesetzt.

In einem theaterpädagogischen Workshop lernen die Einzelnen durch Rollenspiele zudem, andere Perspektiven einzunehmen und sich damit selbst besser kennenzulernen. „Unser Vorgehen ist prozessorientiert, so dass wir nur von einer zur nächsten Einheit planen“, sagt Betreuerin Jana Roes.

Für Sahra und Mira bedeutet der Aufenthalt zunächst einmal, Spaß zu haben. Mira (15) stammt aus dem Libanon und lebt seit drei Jahren in Deutschland. Ihre Flucht verlief abenteuerlich. Mit Flugzeug, Bus, Boot und zu Fuß legte ihre Familie knapp viertausend Kilometer zurück. „Hier habe ich mein zweites Zuhause gefunden. Und hier will ich wohnen, weil es sicher ist. In der Akademie lernen wir etwas Gutes“, findet die Gesamtschülerin.

In Rollenspielen lernen sie, andere Perspektiven einzunehmen

Konkrete Vorstellungen von seiner Zukunft hat schon der 14 Jahre alte Hani. Er ist erst vor zwei Monaten mit Eltern und Schwestern aus Syrien gekommen und genießt die Atmosphäre in der Jugendakademie. Noch unterhält er sich überwiegend in Englisch, „aber ich bin hier, um mehr deutsche Worte zu lernen. Ich möchte Abitur machen und dann Elektronikingenieur werden. Mit einem Studium in Deutschland habe ich größere Berufschancen“, sagt er.

Alaa aus Syrien und der Palästinenser Ahmad, ebenfalls in Syrien aufgewachsen, sind beide begeisterte Kicker und in Vereinen ihrer Wahl-Heimat Bonn und Mülheim an der Ruhr aktiv. Der Gymnasiast Ahmad (15), während des Krieges in den Libanon geflüchtet, folgte vor knapp fünf Jahren mit seiner Mutter dem nach Deutschland geflüchteten Vater. Er fühlt sich in seiner neuen Heimat sehr wohl und hat viele neue Freunde gefunden. Er weiß, was er will. „Wenn es mit dem Fußballprofi nicht klappt, werde ich vielleicht Journalist oder ich studiere Pharmazie.“

Alaa, der in der A-Jugend beim Godesberger Fußballverein kickt, ist vor drei Jahren ohne seine Familie nach Deutschland geflohen. Jetzt wohnt er in einem Kinderheim in Bonn. Wenn sich sein Traum vom Fußballprofi nicht erfülle, werde er Krankenpfleger.

Mehr von GA BONN