Euskirchener zwang Freundin zur Prostitution: Zehnjähriger musste sich an Sexspielen beteiligen

Euskirchener zwang Freundin zur Prostitution : Zehnjähriger musste sich an Sexspielen beteiligen

Ein 37-jähriger Euskirchener ist wegen Vergewaltigung, Zwangsprostitution und Kindesmissbrauchs angeklagt. Seine Lebensgefährtin erlebte Gewalt und Vergewaltigungen. Auch der zehnjährige Sohn der Frau wurde nicht verschont.

Was sich hinter den vier Wänden – in den Wohn- und Schlafzimmern der Nachbarn – so alles abspielt, das möchte man in der Regel nicht so genau wissen. Aber in einem Prozess vor dem Bonner Landgericht wurde am Dienstag die Tür in eine ganz normale Dreizimmerwohnung geöffnet und der Blick in das Grauen freigegeben.

In der Wohnung einer Frau und ihres zehnjährigen Sohnes hat ein sadistischer Sexualstraftäter sein Terrorreich aufgeschlagen: Innerhalb von anderthalb Jahren – so die Anklage der Bonner Staatsanwaltschaft – wurde die Bäckereiverkäuferin zur Sexsklavin, wurde verprügelt, vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen und die Privatwohnung zum Puff.

Selbst das Kind wurde nicht verschont. Am Ende musste es beim Sex mit seiner Mutter zusehen oder sich auch an „Sexspielen“ beteiligen. Seiner Mutter drohte Schlimmeres, wenn sie nicht mitmachte, wie es der Mann wollte: Regelmäßige Schläge mit Peitsche, Faust oder auch mit einem Kantholz, an dem zwei Nägel angebracht worden waren.

Termine mir Freiern

Wegen Vergewaltigung, Zwangsprostitution, sexuellen Missbrauchs eines Kindes sowie Körperverletzung muss sich seit Dienstag ein 37-jähriger Hausmeister aus Euskirchen vor dem Bonner Landgericht verantworten. „Aus Spaß, zur sexuellen Erregung und zur Bestrafung“ habe er mit Gewalt und Sexspielen die Frau gefügig gemacht, heißt es in der Anklageschrift.

Nach nur wenigen Monaten sei die 34-Jährige so in der Hand des Mannes gewesen, dass sie schließlich ohne eigenen Willen war und ihm alles erlaubte: Selbst den Einzug einer ehemaligen Geliebten des Angeklagten in ihre Wohnung habe sie hingenommen. Die 32-jährige Ex-Gespielin soll – laut Anklage – den Angeklagten in seinem Terrorsystem unterstützt haben: Unter anderem soll sie Termine mit den Freiern organisiert und an Sexspielen zu dritt beteiligt gewesen sein. Gegen sie wird ebenfalls ermittelt.

Der 37-Jährige hat am Dienstag den Großteil der Vorwürfe eingeräumt: „Das mit dem Jungen stimmt“, sagte er kleinlaut, „aber was das sollte“, das konnte er nicht beantworten. „Vielleicht sich an der Mutter rächen, sie demütigen?,“ fragten die Richter. Der Angeklagte schloss es nicht aus.

34-Jährige erstattete Anzeige

Die Mutter des Kindes hatte er Anfang 2017 kennengelernt. Zunächst sei es eine „Schwärmerei“ gewesen, sagte er. Aber bald schon hatte er klargestellt, was für einen Sex er sich wünsche: „Dominant, sadistisch, mit Fesseln und Schlägen“. Die 34-Jährige habe sich damit schwergetan, räumte er ein, habe es aber ihm zuliebe mitgemacht. Freiwillig, beteuerte der Angeklagte am Dienstag vor Gericht. Das gelte auch für die Prostitution. Von dem Hurenlohn (immerhin 10.000 Euro in drei Monaten) sollte der Sommerurlaub zu dritt in Dubai finanziert werden.

Aber dazu kam es nicht mehr: Denn die rohe Gewalt des einschlägig vorbestraften Angeklagten, der nach der letzten Haft in einem Polizeiprogramm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter war, nahm kein Ende. Bei einer angeklagten Vergewaltigung hat er ihr durch Schläge das Trommelfell gerissen. Nach einer exzessiven Nacht zu dritt – mit Alkohol und Drogen – hatte er sich so über sie „geärgert“, dass er ihr den Kiefer zertrümmert hatte. Die 34-Jährige musste operiert werden und trotz Drähten im Mund weiterhin Freier empfangen.

Kein Erbarmen: im Gegenteil. In einem Chat mit der Ex hatte der Angeklagte verächtlich gehöhnt: „Ich hätte sie gleich erschlagen sollen, dann hätten wir uns viel Ärger erspart.“ Im April 2018 war die 34-Jährige mit ihrer Mutter zur Polizei gegangen und hatte Anzeige erstattet. Seitdem sitzt der Euskirchener in Untersuchungshaft.

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