Freizeitbad in Bornheim: Bornheimer kämpfen für Schwimmbad-Jahreskarte

Freizeitbad in Bornheim : Bornheimer kämpfen für Schwimmbad-Jahreskarte

Die Nutzer des Bornheimer Schwimmbads sammeln Unterschriften für den Erhalt des Zeittickets. Regelmäßig Besucher sehen sich benachteiligt.

Die Verantwortlichen beim Stadtbetrieb Bornheim (SBB) hatten den richtigen Riecher. Wie berichtet, hatte der SBB seinem Verwaltungsrat (siehe Kasten) unterbreitet, die Tarifstruktur für das Schwimmbad an der Rilkestraße zu ändern. Vor allem sollen nach den Vorstellungen des Stadtbetriebs Monats- und Jahreskarten für Schwimmbad und Sauna aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr angeboten werden.

Dazu hatte der SBB in der entsprechenden Beschlussvorlage für den zuständigen Verwaltungsrat unter anderem Folgendes geschrieben: „Durch den Wegfall der Zeitkarten wird sich das Besuchsverhalten der bisherigen Zeitkarten-Käufer zunächst sicherlich deutlich ändern, und es muss davon ausgegangen werden, dass verschiedene Proteste (z.B. Unterschriftenlisten für den Erhalt der Zeitkarten) initiiert sowie verstärkt Zeitkarten bis zum Inkrafttreten der Änderungssatzung gekauft werden.“ Genau das ist nun passiert.

Vor einigen Tagen hat Joachim Harnisch ein Schreiben an Bürgermeister Wolfgang Henseler in den Briefkasten des Rathauses eingeworfen. Diesem beigefügt war ein offener Brief mit 71 Unterschriften zum Beibehalt der Monats- und Jahreskarten. Seit mehreren Jahren hat Harnisch eine Jahreskarte für das Bornheimer Schwimmbad. „Und ich möchte Jahreskarteninhaber bleiben“, sagt er im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Ob das allerdings möglich ist, ist aktuell offen.

Wie berichtet, hat der SBB-Verwaltungsrat in seiner jüngsten Sitzung das Thema auf Henselers Vorschlag einstimmig vertagt. Eine Arbeitsgruppe mit jeweils einem Vertreter pro Ratsfraktion soll sich der Sache nochmals genauer annehmen und vor allem die Frage der Kundenbindung diskutieren. Zuvor hatte der Stadtbetrieb dargelegt, was Zeitkarten wirtschaftlich bedeuten.

Stadtbetrieb sieht in Zeitkarten ein Zuschussgeschäft

Aus Sicht des SBB sind sie ein Zuschussgeschäft. So hat der Stadtbetrieb unter anderem vorgerechnet: Im Jahr 2018 wurden 418 Monatskarten für die Schwimmbadnutzung inklusive Sauna verkauft. Die Gesamteinnahmen dafür belaufen sich laut SBB auf knapp 28 500 Euro. Diese Karten seien dann 5914 Mal genutzt worden, was einer rechnerischen Gebühr von knapp 106 500 Euro entspricht.

Somit ergibt sich laut SBB ein kalkulatorischer Zuschuss – in Relation zu einer Einzelkarte – von rund 78 000 Euro. Solche Zuschüsse ergeben sich gemäß Stadtbetrieb bei sämtlichen Monats- und Jahreskartenangeboten (Frühschwimmen, Schwimmen mit und ohne Saunanutzung). Als Alternative dazu will der Stadtbetrieb unter anderem eine weitere Geldwertkarte zum Preis von 160 Euro einführen, auf der 200 Euro gutgeschrieben sind. Bislang gibt es solche Karten für 30 Euro (Kosten 27 Euro), 50 Euro (Kosten 44 Euro) und 100 Euro (Kosten 85 Euro).

Mit ihrem offenen Brief kritisieren die 71 Frauen und Männer dieses Vorgehen des Stadtbetriebs. Der Wegfall von Monats- und Jahreskarten sei ein falsches Signal, heißt es, da vor allem das Stammpublikum betroffen wäre. Schließlich garantierten sie Kundenbindung. „Und auf der Suche nach neuen Kunden sollte man immer auch den vorhandenen treuen Kundenstamm im Auge behalten“, ist in dem Schreiben zu lesen. Zumal die vom Stadtbetrieb aufgemachte Rechnung fiktiv sei. Die Monats- und Jahreskarteninhaber würden ja nicht automatisch auf Einzelkarten umsteigen, wenn die Zeitkarten wegfallen, meint Harnisch.

Er selbst habe vom geplanten Wegfall der Zeitkarten zuerst gerüchteweise im Schwimmbad gehört und sich danach informiert. Bei einer privaten Feier habe er dann die Unterschriftenliste kursieren lassen und gleich 40 Signaturen zusammenbekommen. Die Gäste der Feier seien regelmäßige Badnutzer oder aus deren Umfeld gewesen, erläutert Peter Bielefeld. Auch er zählt zu den Unterzeichnern der Petition. Er hänge am Bornheimer Schwimmbad und habe es bereits als Student in den 80er Jahren besucht, berichtet Bielefeld.

Bürgermeister will Anliegen mit in den Arbeitskreis nehmen

Harnisch findet, dass man die Schwimmbadnutzer in die Gestaltung der Zukunft des Bades einbeziehen sollte – sowohl, was die Tarifgestaltung betrifft, als auch mit Blick auf die geplante umfassende Sanierung (der GA berichtete). Um Fördergelder für die Sanierung zu erhalten, lohne es sich, auch „ein bisschen neben der Spur zu denken“, argumentiert Harnisch, der bis zu seiner Pensionierung in der Verwaltungsbehörde für den Europäischen Sozialfonds beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales gearbeitet hat. Wie Harnisch an Henseler geschrieben hat, spreche man sich für „ein liebenswertes, finanzwirtschaftlich gesundes und für ein zukunftsfähiges/attraktives“ Hallenfreizeitbad aus.

Bornheims Pressesprecherin Susanne Winkler bestätigt auf Anfrage den Eingang des Schreibens von Harnisch bei der Stadtverwaltung. Auch dem Bürgermeister liege das Bad sehr am Herzen, er werde die Anregungen der Unterzeichner mit in den Arbeitskreis nehmen und Harnisch danach über die Ergebnisse in Kenntnis setzen, so Winkler weiter.