Menschen in Gemeinschaftsunterkünften: Alfter stellt Wohnungsvermittlerin ein

Menschen in Gemeinschaftsunterkünften : Alfter stellt Wohnungsvermittlerin ein

Geflüchtete und Obdachlose haben es schwer, auf dem freien Markt eine Wohnung zu finden. Um Menschen in Übergangsunterkünften zu helfen, hat die Gemeinde Alfter nun Heike Reis eingestellt. Sie soll bei der Vermittlung helfen.

Stillstand ist nicht so das Ding von Heike Reis. Deswegen hat die 54-Jährige sich nach gut 30 Jahren als Radiologieassistentin noch einmal umorientiert: Seit Kurzem hilft sie Menschen in Übergangsunterkünften dabei, eine dauerhafte Unterkunft zu finden. Dazu schuf die Gemeinde Alfter eine eigene Stelle zur Wohnungsvermittlung, die Reis am 1. Mai antrat.

Laut Markus Jüris, Fachgebietsleiter Soziales und Bildung, bewohnen vor allem Geflüchtete die Gemeinschaftsunterkünfte in Alfter. Noch rund 200 Menschen leben zurzeit in solchen Unterkünften. In der Spitze waren es 500. Nach der ersten Notunterbringung in Schulen und Turnhallen hatte die Gemeinde Wohnungen gemietet und die Containerunterkunft am Rathaus errichtet, berichtet Bürgermeister Rolf Schumacher.

Doch das sei auf Dauer keine Lösung. „Die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften erschwert die soziale Teilhabe“, erklärt Sozialarbeiterin Nina Draeger. Man lade seltener Menschen zu sich ein, und ein Heimatgefühl käme schlechter auf. Leider habe es sich als schwierigste Herausforderung herauskristallisiert, Geflüchtete in eigene Wohnungen zu vermitteln. „Weil das bisher nicht ausreichend gelingt, wohnen viele noch in unseren Gemeinschaftsunterkünften“, so Schumacher.

Wohnungssuche für Geflüchtete noch schwerer

Eine Reihe von Gründen erschwert es Geflüchteten, nach dem abgeschlossenen Asylverfahren eine Wohnung zu finden. Einer davon ist die Wohnsitzregelung: Drei Jahre dürfen sie nicht wegziehen – gepaart mit dem Wohnungsmangel in Alfter keine gute Voraussetzung. „Das größte Problem sind aber Vorurteile in der Bevölkerung“, meint Reis. „Diese gilt es, abzubauen. Die Zufluchtsuchenden, die ich kennenlernen durfte, waren wirklich reizend und respektvoll im Umgang mit mir.“

Eine große Angst der Vermieter kann der Bürgermeister ausräumen: „Die Mieten werden fließen.“ Wenn die Geflüchteten nicht selbst arbeiteten, übernähmen die Gemeinde oder das Jobcenter.

Reis' Stelle umfasst fünf Stunden pro Woche. Die gebürtige Essenerin hält eine Sprechstunde ab, sucht nach freien Wohnungen und potenziellen Vermietern, spricht Termine für Wohnungsbesichtigungen ab und hilft bei Antragstellung und Kontakt mit den Ämtern. Bei erfolgreicher Vermittlung betreut sie Mieter und Vermieter noch drei Monate lang. Die ersten Gespräche mit Vermietern habe sie schon geführt, sagt sie. Das Angebot gilt explizit für alle Menschen in Übergangsunterkünften, betont Jüris. Das schließt auch Obdachlose ein, das sind momentan rund 15 Menschen. „Wir orientieren uns an der Sache: das fehlende Obdach“, sagt der Leiter für Soziales.

65 Geflüchtete sind vermittelbar

Von den 200 Geflüchteten in Übergangsunterkünften haben laut Jüris circa 65 einen Aufenthaltstitel; das heißt, sie sind vermittelbar. „Das wird das Bohren sehr dicker Bretter“, ist sich der Bürgermeister sicher. Trotzdem zeigt er sich zuversichtlich. „Heike Reis ist eine Person, die großes Vertrauen in Alfter genießt.“ Und das sei auf dem Wohnungsmarkt schon die halbe Miete. In der Gemeinde ist Reis unter anderem als stellvertretende Vorsitzende des Festkomitees Alfterer Karneval bekannt, wo sie seit drei Jahren die Organisation der Karnevalszüge leitet.

Wegen der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt ist Reis' Ziel für das erste Jahr, fünf bis zehn Wohnungen zu vermitteln. Helfen könnten ihr dabei auch Bauprojekte der Gemeinde: Zu den aktuell 75 Sozialwohnungen sollen noch einige hinzukommen. Bürgermeister Schumacher hofft, noch dieses Jahr am Ahrweg den Spatenstich für 13 Wohnungen zu setzen. Am Gielsdorfer Weg sollen 14 weitere entstehen.

Heike Reis' Sprechstunde: freitags von 8.30 bis 10 Uhr im Alfterer Rathaus, Zimmer 12.

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