Heiße Sommer werden zunehmen: Interview mit Obstbäuerin Christiane Mager

Heiße Sommer werden zunehmen : Interview mit Obstbäuerin Christiane Mager

Die 31-jährige Christiane Mager ist mit Leidenschaft Obstbäuerin. Seit 2014 arbeitet sie im elterlichen Bio-Obstbetrieb Naturhof Wolfsberg in Impekoven mit, der sich unter anderem mit speziellen Bewässerungssystemen auf den Klimawandel einstellen muss.

Sie haben das gleiche Studium wie Ihre Eltern absolviert. War Landwirtin der Fachrichtung Obstbau immer schon Ihr Traumberuf?

Christiane Mager: Eigentlich wollte ich nach dem Abi auf gar keinen Fall in den Betrieb meiner Eltern einsteigen. Mich interessierte allerdings das Studium der Agrarwissenschaften, da es naturwissenschaftlich breit aufgestellt ist. Im Laufe des Studiums, und da gefielen mir besonders die Module im Obstanbau, entwickelte sich bei mir der Wunsch, in diesem Bereich und damit auch in unserem Betrieb zu arbeiten.

Die Zusammenarbeit verschiedener Generationen enthält auch Konfliktpotenzial. Gibt es bei Ihnen Auseinandersetzungen um den „richtigen“ Weg in Produktion und Betriebsführung?

Mager: Als Kinder haben wir schon die Entwicklung des Betriebes mitbekommen. Unsere Eltern haben keine Probleme damit, wenn wir neue Konzepte einbringen wollen. Einzige Voraussetzung: Wir sind allein für die Umsetzung verantwortlich. Ein Credo meines Vaters ist, dass in der Produktion nicht experimentiert, sondern nur nach fachlicher Überlegung gehandelt wird. Daran müssen wir uns halten. Ich für meinen Bereich wollte in den Anfangsjahren unseren Hofladen umgestalten und das Sortiment um den Verkauf von Gemüse und Rosen erweitern. Also musste ich mich um die entsprechenden Erzeuger selbst kümmern.

Sie sind Vorsitzende des bundesweiten Netzwerks Junger Obstbauern und engagieren sich darüber hinaus in der Arbeitsgemeinschaft für heimisches Obst. Welche Ziele verfolgen beide Gruppierungen?

Mager: Das Netzwerk – wir gehören zur Arbeitsgemeinschaft deutscher Junggärtner – fördert, stärkt und vernetzt den deutschen Obstbaunachwuchs. Ich finde es immer wieder schön, wenn man sich bundesweit austauschen kann und auch über die Probleme in anderen Landesteilen Bescheid weiß. Das Netzwerk sorgt auch für einen besseren Zusammenhalt der jungen Obstbauern. Hingegen ist die Arbeitsgemeinschaft für heimisches Obst ein Zusammenschluss von Obstbauern ausschließlich aus der Region. Mit Aktionen weisen wir die Verbraucher auf die Bedeutung regionaler Erdbeeren, Kirschen und Co. hin. Zur Apfelsaison werden wir am Samstag, 24. August, auf dem Bonner Münsterplatz präsent sein und unser Anliegen den Verbrauchern nahebringen. Dabei werden wir kostenlos Äpfel verteilen.

Mancherorts hat die Apfelernte begonnen. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Mager: Bei uns beginnt die Apfelernte Mitte/Ende August mit der Sorte Delbar. Die frühen Sorten wie zum Beispiel Klarapfel haben wir nicht im Anbau. Die ganz frühen Äpfel sind empfindlicher im Umgang und lassen sich nicht so lange lagern. Sie sind eher etwas für die Direktvermarktung und schwierig im Lebensmitteleinzelhandel zu platzieren. Dort werden im Juli und Anfang August Waren aus Europa und Übersee verkauft. Die heimischen Produkte werden erst mit Elstar ab Ende des Monats im Einzelhandel gelistet.

Die vergangenen beiden Sommer waren trocken und heiß. Wie gehen Sie mit den klimatischen Veränderungen um?

Mager: Heiße Sommer mit plötzlichen Gewittern samt Hagel sind Auswirkungen des Klimawandels und werden wohl zunehmen. Für uns bedeutet es, dass wir den Betrieb nicht vergrößern, sondern erst einmal für die nähere Zukunft absichern werden. Wir haben mittlerweile ein verfrühtes Frühjahr und zugleich häufig noch im April/Mai späte Fröste, bei denen die Blüte erfriert. Aus diesem Grund benötigen wir entsprechende Bewässerungssysteme: Überkronenberegnung als Frostschutz und Tröpfchenbewässerung als wassersparende Maßnahme im Sommer. Wir haben jetzt schon einige Flächen mit beiden Bewässerungssystemen ausgestattet. Das werden wir ausbauen. Auch Hagelnetze haben wir schon an einigen Flächen aufgespannt.

Haben Sie in diesem Jahr denn mit besonderen Schädlingen zu kämpfen?

Mager: Dieses Jahr ist ein extremes Läusejahr, so dass wir besonders aufpassen mussten. Gerade die Blutlaus hat uns etwas zu schaffen gemacht. Die Schädlinge sind jedoch nicht das große Problem. Durch die Hitze ist es, gerade bei den Apfelplantagen, die wir nicht bewässern können, zu starkem Sonnenbrand an den Früchten gekommen. Diese sind leider nicht mehr zu vermarkten.

Wie wird Ihre Ernte ausfallen?

Mager: Im Vergleich zum vergangenen Jahr wird unsere Ernte in der kommenden Saison geringer ausfallen. Ich denke, dass der Grund dafür verschiedene Ursachen hat. Zum einen hatten wir letztes Jahr eine sehr große Ernte, zum anderen hat das Jahr 2018 die Bäume doch sehr gestresst. Dazu kommen die leichten Spätfröste aus diesem Jahr. Diese Kombination führt dann zu einem geringeren Fruchtansatz. Auffallend ist, dass die jungen Bäume gut tragen und der Behang der älteren stärker ausgedünnt ist.

Haben Sie bei der Vermarktung mit starker Konkurrenz von Kollegen aus der Region und dem Ausland zu kämpfen?

Mager: Wir sind ein Bio-Betrieb, was ich sehr schön finde. Ich glaube, dass die Leute, die bio kaufen, ihre Kaufentscheidung bewusst nach deutscher oder Ware aus der Region tätigen – so auch unsere Kunden. Allerdings haben wir in Deutschland sehr hohe Sozial- und Umweltstandards, die bei anderen Ländern abweichen können. Als Beispiele sind da unterschiedlicher Mindestlohn oder auch Umweltauflagen zu nennen. Das ist ein Ungleichgewicht bei der Vermarktung, den besonders die konventionellen Betriebe spüren. Denn die Früchte aus dem Ausland sind daher oftmals günstiger.

Was müsste sich im Käuferverhalten ändern?

Mager: Um heimisches Obst und den Anbau in der Region zu bewahren, sollte die Kaufentscheidung des Verbrauchers verstärkt saisonal und regional sein. Das wäre gleichzeitig ein Beitrag zum Klimaschutz.

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