So funktioniert die "grüne Welle"

So funktioniert die "grüne Welle"

Im Gegensatz zur "starren" grünen Welle, die Ampeln der Nebenstraßen immer dieselbe Grünzeit gibt, ist in Bonn eine (teil)verkehrsabhängige Version geschaltet. Das heißt: Bemerken die Schleifen in der Fahrbahn, dass kaum Querverkehr da ist, bekommen diese Autos auch nur eine kürzere Grünphase - die gewonnene Zeit wird dann der Grünphase der Hauptstraße zugeschlagen.

"Das verkürzt die Reisezeit für alle und erhöht die Leistung insgesamt", sagt der städtische Ampel-Experte Bernhard Arzdorf.

Nachteil: Weil die Autos auf der Hauptstraße dann früher losfahren können, steigt die Gefahr, an der nächsten Ampel stehen zu müssen. Arzdorf: "Würde das anders geregelt, hätten wir mehr Stau - sowohl auf Hauptstraßen als auch beim Querverkehr." Und damit mehr Beschwerden. Für Hauptstraßen wie die B9 gilt, dass dort Grünzeiten nicht verkürzt werden wie es beim Querverkehr passiert.

Problem insgesamt: Jede Ampel tickt anders, je nachdem, welche Abbiegespuren sie hat, ob Bus oder Bahn mitgeschaltet werden, ob es Fußgängerüberwege gibt und wie sie geschaltet sind. Das führt in der Summe zu Unterbrechungen bei der grünen Welle. "Wir können nie ein Band kontinuierlich durchlaufen lassen, weil alle Ampeln unterschiedliche Grünzeiten haben", so der Experte.

Für die Reuterstraße, die wie auch der Wandersleb-Ring nachts auf "Allrot" geschaltet ist, gilt: Der Autoverkehr muss sich Grün anfordern, wenn er auf die Ampel zufährt. Dann gibt`s bestenfalls eine "grüne Welle" - sofern der Querverkehr nicht früher grün anfordert als das Fahrzeug auf der Reuterstraße.

Damit die "grüne Welle" in beide Richtungen laufen kann, müsste der Verkehr immer auch gleichzeitig an den Ampeln ankommen - was in der Praxis selten gelingt. Für Verkehrsplaner bleibt der Idealfall optimal kurzer Wartezeiten daher ein Traum. "Jeder fordert sein Recht ein, da gibt es oft nur den Kompromiss", weiß Arzdorf aus Erfahrung. Oder anders gesagt: "In eine Literflasche bekomme ich keine drei Liter Wasser hinein."

Bereitwillig ließen sich die Ampel-Experten über die Schulter schauen, machten sogar einen Test für den General-Anzeiger: Dafür schalteten sie alle Ampeln auf der B 9 in Richtung Godesberg testweise auf "grüne Welle", ohne dass ein Stopp dazwischen war. Der üble Nebeneffekt: In Gegenrichtung schalteten die Ampeln immer genau dann auf Rot, wenn der komplette Autopulk auf die Kreuzung zufuhr.

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