Gutachten schlägt Verbesserungen im S-Bahnnetz vor: Wird die Voreifelbahn S 23 bis Mehlem verlängert?

Gutachten schlägt Verbesserungen im S-Bahnnetz vor : Wird die Voreifelbahn S 23 bis Mehlem verlängert?

Die Verkehrspolitiker aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis drängen auf Optimierung und Ausbau des S-Bahnnetzes in der Region. Bei der gemeinsamen Sitzung der Planungs- und Verkehrsausschüsse beschlossen sie, die Elektrifizierung der Voreifelstrecke Bonn-Euskirchen (S 23) voranzutreiben.

Im Gespräch ist eine Verlängerung bis Mehlem. Dieses Thema wird inzwischen im Zusammenhang mit der Einrichtung einer linksrheinischen S-Bahnlinie 17 von Köln-Deutz bis Mehlem diskutiert. Schon jetzt ist aber klar, dass zusätzliche Gleise gebaut werden müssen.

Momentan laufen die Voruntersuchungen. Georgios Emmanouilidis, Gutachter des beauftragten Fachbüros Spiekermann, stellte die bisherigen Ergebnisse im Ausschuss vor. Zunächst zur S 23: Momentan läuft der Betrieb auf der Strecke Bonn-Euskirchen mit Dieselfahrzeugen; das ist bis 2033 vertraglich festgelegt. Damit ist ein Halbstundentakt möglich, im besten Falle ein 15-Minuten-Takt zwischen Bonn und Rheinbach während der Hauptverkehrszeit. Durch eine Elektrifizierung der Strecke wäre ein Fahrtzeitgewinn von fünf Minuten je Richtung möglich, was dem ursprünglichen Fahrplankonzept entsprechen würde und sich positiv auf die Anschlüsse in Bonn und Euskirchen auswirken soll.

Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) möchte langfristig aber einen Zehn- beziehungsweise 20-Minutentakt anbieten. So ist es im Programm „Zielnetz 2030“ definiert. „Ohne Ausbau der Infrastruktur wird das nicht möglich sein“, so Emmanouilidis. Dafür müsse beispielsweise der Abschnitt zwischen Witterschlick und Kottenforst ein zweites Gleis erhalten. Davon ließ man bislang die Finger, weil der Ausbau wegen eines Hanges als aufwendig und teuer galt. Dagegen sagte der Gutachter: „Technisch ist das kein Problem, auch mit Blick auf die Kosten-Nutzen-Rechnung wird sich das nicht tragisch auswirken.“

Außerdem hält er die Verlängerung der Linie S 23 über Bonn Hauptbahnhof bis Mehlem auf Dauer für sinnvoll. „Aus betriebstechnischer Sicht ist das die beste Lösung.“ Zugleich hätte diese Variante den Charme, dass alle linksrheinischen Bonner Haltepunkte von Duisdorf bis Mehlem umsteigefrei miteinander verbunden sind. Doch es gab im Ausschuss auch Vorbehalte. Etwa diesen: Die S 23 könnte durch die Einfädelung in die linksrheinische Hauptbahnstrecke verspätungsanfällig werden. Zugleich hätte ihre Verlängerung bis Mehlem den Preis, dass die mögliche neue S-Bahnlinie 17, die aus Richtung Köln kommt, am Bonner Hauptbahnhof abgebunden werden muss.

Fahrgäste, die weiter nach Süden wollen, müssten dann umsteigen. Beide S-Bahnlinien können laut Emmanouilidis nicht bis Mehlem fahren. Es sei aber noch nichts in Stein gemeißelt, erklärte der Gutachter. „Wie die einzelnen Linien konzipiert werden, muss mit dem NVR abgestimmt werden.“

Ute Krupp (SPD) forderte, dass dabei dem deutlichen Wachstum des linksrheinischen Kreisgebiets Rechnung getragen wird: Die Anbindung an Bonn über die Schiene müsse verbessert werden, zumal man mit dem Auto ständig im Stau stehe.

Wie auch immer der Fahrplan am Ende aussieht: Auch auf Bonner Gebiet ist ein Ausbau der Bahnstrecke erforderlich. Nach Untersuchungen des Fachbüros muss sie auf drei bis vier Gleise ausgebaut werden, was nicht nur die Anpassung von Brückenbauwerken und Bahnübergängen zur Folge hätte. „Das größte Problem wird der Grunderwerb sein“, prognostizierte Emmanouilidis.

„Wenn man mehr Verkehr auf die Schiene bringen will, ist ein Streckenausbau unverzichtbar“, sagte der Bonner Ausschussvorsitzende Rolf Beu (Grüne). Der CDU-Kreis- und Landtagsabgeordnete Oliver Krauß ergänzte: „Wir sind uns einig, dass wir handeln müssen. Wir müssen aber auch die Sorgen der Bürger ernst nehmen.“ Schließlich würden die Gleise heute schon an einigen Stellen der Region dicht an Häusern entlangführen.

Während die Gutachter ihre Untersuchungen nun weiter vertiefen, beschlossen die Ausschüsse eine Resolution an NVR und NRW-Landesregierung: Sie fordern eine „frühstmögliche Elektrifizierung“ der Strecke Bonn-Euskirchen sowie unabhängig davon Geld für eine Taktverdichtung für die S 23.

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