Mit 86 Jahren noch immer im Paddelbot: Sigrid von Breska paddelt durch die Welt

Mit 86 Jahren noch immer im Paddelbot : Sigrid von Breska paddelt durch die Welt

Die Seniorin Sigrid von Breska aus Himmelstür bei Hildesheim macht auf ihrer Rheintour in Siegburg halt und besucht die Bunzlauer Heimatstube. Auch in Chile, Argentinien, Neuseeland und Alaska war sie schon in ihrem Boot unterwegs.

Sigrid von Breska ist mit 86 Jahren immer noch eine herausragende Paddlerin. Anlässlich ihrer Rheintour hat die sportliche Seniorin aus Himmelstür bei Hildesheim einen Zwischenstopp in der Bunzlauer Heimatstube eingelegt. In der Kreisstadt Siegburg war sie zuvor noch nicht, jedoch wecke die Heimatstube Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend. Gebürtig stammt die ehemalige Lehrerin aus dem Kreis Bunzlau, wuchs mit vier Brüdern auf, übersprang bereits mit neun Jahren ein Schuljahr und sorgte mit auffallenden Turmsprüngen für Furore. Jutta Schulte, einstige Mitschülerin, erinnert sich noch genau: „Sigrids Sprünge waren olympiareif“.

Es begann auf den Flüssen Norddeutschlands

Eine große Karriere als Turmspringerin sollte es für Sigrid von Breska aber nicht geben. Ihr Mann Konrad begeisterte sie 1956 für das Paddeln. Das junge Ehepaar, beide Lehrer, war gerade erst zusammengezogen: Sie hatten weder ein Auto, noch die eigene Wohnung grundlegend eingerichtet. Konrad von Breska wollte dennoch ein ausklappbares Klepper-Faltboot. „Mein Mann hat das Paddeln mit in die Ehe gebracht“, sagt von Breska. Ausgestattet mit zwei Pferdewolldecken, einem kleinen Benzinkocher, einem Zelt und dem Faltboot, begann das Ehepaar schnell, die Flüsse Norddeutschlands zu erkunden. „Seitdem ist das Paddeln für mich ein wichtiger Bestandteil des Lebens“, erzählt Sigrid von Breska.

Das Paddler-Ehepaar nahm die eigene Tochter bereits im Alter von acht Monaten auf die erste Tour auf der Weser mit. Dann wurden Sigrid und Konrad von Breska durch eine Zeitungsannonce auf ein zweites Faltboot aufmerksam, sodass sie begannen, mit ihren zwei Kindern im Alter von sieben und acht Jahren unter anderem Touren auf dem Main zu fahren. „Herausforderungen fand ich schon immer gut.“, erzählt Sigrid von Breska. Deshalb kam es auch nicht von ungefähr, dass sie andere Menschen, vor allem Kinder, vom Paddeln überzeugen wollte.

Eltern mussten übezeugt werden

So wechselte das Paddeln schnell den Status von der Privataktivität zur Berufs- und Schulunternehmung: Die Meisterpaddlerin nahm zunächst die Nachbarskinder mit in den Urlaub, in dem sie gemeinsam Touren auf der Mosel, dem Rhein oder der Donau unternahmen. 1972 durfte sie mit einer siebten Klasse drei Tage auf der Weser paddeln. Einfach war dies aber nicht: Von Breska musste die Ausrüstung sowie den Transport organisieren und vor allem die Eltern der Schüler von der Paddel-Tour überzeugen. „Ich weiß nicht genau, wie ich die Eltern überzeugte, aber es hat geklappt.“

Nach diesem Erfolgserlebnis leitete die Lehrerin eine Kanu-AG, in der sie talentierte Schüler an den Hildesheimer Kanuverein vermittelte. In den Ferien fuhr sie jedes Mal mit ihrem Mann und den Schülern des Vereins etwa ins Fichtelgebirge zum Wildwasserpaddeln. Zu ihren Schülern, die über die ganze Welt verteilt sind, hat Sigrid von Breska teilweise heute noch Kontakt.

Nächste Tour ist auf der Elbe

Wenn man die 86-Jährige nach den Höhepunkten ihrer Paddel-Karriere fragt, kann sie sich gar nicht genau festlegen. Sie fuhr beispielsweise Touren in Chile sowie Argentinien und flog mit einem Kleinflugzeug nach Alaska. Im Nordwesten Alaskas paddelte sie den Koyukuk River durch ein Indianergebiet und entdeckte frische Spuren eines Grizzlybären. Touren durch Neuseeland oder die Teilnahme an Wildwasserrennen fehlten natürlich auch nicht. „1988 fuhr ich mit dem Faltboot durch Kanada und erfüllte mir damit meinen Jugendtraum“, sagt von Breska.

Noch heute ist Sigrid von Breska mit ihrem Faltboot unterwegs. Momentan fährt die 86-Jährige eine Rheintour von Karlsruhe bis zu einem noch unbekannten Ende. „Ich fahre nach Lust und Laune.“ Vergangene Woche fuhr die Paddlerin ganze 80 Kilometer an einem Tag. Im Juli plant sie eine 660 Kilometer lange Elbtour, die in Tschechien starten und in Hamburg enden soll. Das Ganze will sie in drei Wochen schaffen.

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