Sankt Augustin: Rundgang durch die Asklepios Kinderklinik

Sankt Augustin : Rundgang durch die Asklepios Kinderklinik

In der Diskussion um die Zukunft der Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin spielt auch der bauliche Zustand eine Rolle. Pläne für ein neues Bettenhaus gibt es schon lange, doch die Finanzierung fehlt. Ein Rundgang.

Dass Kindermedizin früher ganz anders organisiert war, sieht man an den großzügigen Laubengängen, die den Altbau der Asklepios Klinik in Sankt Augustin umgeben. Während der kurzen Besuchszeiten gingen die Eltern auf die Gänge, um ihren Kindern von außen durch die Fenster zuzuwinken. Die Stationen und die Zimmer der kleinen Patienten waren tabu. „Das wäre heute undenkbar. Die Eltern möchten nicht nur tagsüber, sondern auch nachts dabei sein“, sagt Uwe Jansen, Geschäftsführer der Asklepios Klinik Sankt Augustin.

Was das in einem Gebäude, das in den 1960er Jahren geplant wurde, bedeutet, zeigt Stationsleiterin Petra Ketter in einem Vierbettzimmer. Zwischen den vier Kinderbetten stehen noch vier Holzbetten für die Eltern, die jeden morgen wieder abgebaut werden müssen, damit Platz zum Putzen und Spielen für das Pflegepersonal und für Besucher ist.

„Wir haben die Klinik 2002 schon mit Sanierungsstau übernommen“, erklärt der Geschäftsführer. Seit 2008 gibt es Pläne für einen Neubau. Die damalige Idee: Zuerst sollte neben dem Altbau für rund 32 Millionen Euro ein neues Bettenhaus errichtet, dann sollten die alten Zimmer saniert und neu genutzt werden, zum Beispiel, um Büros vom ehemaligen Schwesternwohnheim zurück ins Hauptgebäude zu verlagern.

Land will Neubau nicht zahlen

Um die Finanzierung eines Neubaus streiten Land und Asklepios schon seit Jahren. „Von der Klinik beim Land Nordrhein-Westfalen beantragte Einmalfördermittel wurden der Asklepios Klinik Sankt Augustin über die Jahre kontinuierlich verweigert“, teilte Asklepios im April mit, als der Weggang der Kinderherzspezialisten aus Sankt Augustin zum Bonner Uniklinikum bekannt geworden war. Die pauschale Förderung für Investitionen, die das Land jährlich an die Krankenhäuser zahlt, reiche für einen Neubau nicht aus.

Deshalb hatte Asklepios 2013 und 2014 Anträge auf eine „Nothilfe“ des Landes gestellt, die nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums aber nur ausgezahlt wird, wenn die Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses gefährdet ist, zum Beispiel, weil ein medizinisches Großgerät ausgefallen ist. Das Verwaltungsgericht Köln wies 2015 eine Klage des Krankenhausträgers gegen die Ablehnungsbescheide der Bezirksregierung Köln ab.

Die Kinderklinik bekommt als Plankrankenhaus jährlich pauschale Fördermittel zur Deckung der Investitionskosten. „Im Einzelnen zahlt das Land eine Baupauschale für die Errichtung und den Umbau von Gebäuden und eine Pauschale für die Wiederbeschaffung von Anlagegütern mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von mehr als drei Jahren“, teilte das Ministerium auf GA-Anfrage mit. Inzwischen hat Asklepios, wie berichtet, beim Land Geld aus dem Krankenhausstrukturfonds für die Schließung des Kinderherzzentrums oder der gesamten Klinik beantragt.

Raumnot zwingt zum Improvisieren

Während der Diskussion um die mögliche Schließung wurden auch Stimmen laut, dass der Hamburger Konzern die Klinik in Sankt Augustin vernachlässigt habe. Dieser Eindruck bestätigt sich beim Rundgang nicht. Es wird zwar an verschiedenen Ecken improvisiert, um mit der Raumnot fertig zu werden. Die Ambulanzen und Warteräume sind aber frisch und kinderfreundlich gestaltet.

Zwei Generationen von Theatermalern haben sich in den Fluren verewigt. Während im Treppenhaus klassische Märchenmotive vorherrschen, sprüht aus den Bildern in der vor einem Jahr neu gestalteten Pädiatrischen Tagesklinik viel Witz. Die Kölner Opernmaler haben Gegenstände, die auf den Fluren hängen, mit einbezogen: Da angelt zum Beispiel eine Maus am Spender mit Desinfektionsmittel.

„Wir haben schon viele Zimmer umgebaut, aber dadurch werden es statt 36 Betten pro Station nur 25 oder 26“, sagt Jansen. Auch Bäder für Eltern wurden nachgerüstet, aber es fehlen weitere. Der Schockraum im Erdgeschoss ist nach dem Umbau doppelt so groß wie vorher, sodass sechs bis acht Personen ungehindert arbeiten können. „Wir haben dafür ein Behandlungszimmer geopfert. Man kann ein Krankenhaus weiterentwickeln, aber nur zu Lasten anderer Räume“, so Jansen.

Früher Glasscheiben zwischen den Zimmern

Zurück auf der Station von Petra Ketter: Sie kennt die Kinderklinik noch aus anderen Zeiten. „Früher waren hier Glasscheiben zwischen den Zimmern. Man konnte früher von vorne bis hinten durchgucken“, erinnert sie sich. Als die Schwestern die einzigen Erwachsenen auf der Station waren, war das auch nötig. „Man musste immer mehrere Kinder im Blick haben“, sagt die Stationsleiterin.

Später wurden Gardinen aufgehängt, dann kamen Tapeten an die Zwischenwände. Dass es für acht Kinder – vier im Jungenzimmer und vier im Mädchenzimmer – nur ein Bad gibt, lässt sich nicht so einfach ändern. Der Platzmangel ist auch im „Leitungsbüro“ gegenwärtig, einem kleinen Schreibtisch in einer Ecke des Sozialraums.

Petra Ketter läuft mit einem Lächeln über die Flure und verkörpert die familiäre Atmosphäre, die Belegschaft und Eltern loben. „Das ist unsere berufliche Heimat hier“, sagt sie. „Die Patienten sehen, welche Mühe wir uns geben, uns mit den Möglichkeiten, die wir hier haben, zu arrangieren“, so Jansen.

Die Logistik ist in jeder Kinderklinik aufwendiger als in der Erwachsenenmedizin. So muss die Asklepios Klinik fünf verschiedene Bettentypen vorhalten – plus die Liegen für die Eltern. Da muss es in der Bettenaufbereitung schon mal schnell gehen, um das passende Gitterbettchen fürs Krabbelkind parat zu haben.

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