"Glöckchen von Heisterbach": Chöre präsentieren musikalische Rarität

Musikalische Rarität : Chöre präsentieren das „Glöckchen von Heisterbach“

Der Kammerchor Oberpleis und der Männerchor Quirrenbach präsentieren an diesem Wochenende musikalische Raritäten. Das Werk „Glöckchen von Heisterbach“ stammt von 1907. Ob es jemals aufgeführt wurde, ist unklar.

Kaum einer kennt es, möglicherweise ist es sogar noch nie erklungen: das „Glöckchen von Heisterbach“. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein echtes Glöckchen aus Bronze, sondern um eines auf Papier, um ein Singspiel, das 1907 in einem heute nicht mehr existierenden Godesberger Verlag erschienen ist.

Ob das Werk von Komponist August Thelen und Librettist H. Scheuren – der Vorname ist unbekannt – jemals aufgeführt wurde, ist den Sängern des Kammerchores Oberpleis nicht bekannt. „Jedenfalls ist es nahezu komplett in Vergessenheit geraten“, so Chormitglied Franz Josef Schnetker.

Nun haben die Sänger das Glöckchen aus seinem Dornröschenschlaf erweckt: Beim gemeinsamen Konzert des Kammerchors und des Männerchors Quirrenbach am vierten Advent, 22. Dezember, wird die Kantate einer der Höhepunkte sein. Das Glöckchen erklingt dort, wo es dem Namen nach zu Hause ist: in der Klosterkirche zu Heisterbach.

Die Orchesternoten sind verschollen

„Es existieren von diesem Werk nach meiner bisherigen Kenntnis nur noch drei Klavierauszüge, unter anderem hat das Siebengebirgsmuseum in Königswinter eine Fotokopie in den Beständen“, berichtet Schnetker, Notenwart des Kammerchors. Nach bisherigen Recherchen und den Aussagen des über 90-jährigen Enkels des damaligen Inhabers seien bei der Insolvenz des Godesberger Verlages alle noch vorhandenen Restbestände vernichtet worden.

Das gelte offensichtlich auch für die Orchesternoten für dieses Werk. „Die Bonner Sopranistin Katja Heydegger hat die Komposition vor zwei Jahren durch Zufall wiederentdeckt. Ihr verdanken wir auch die Bemühungen um die jetzige Wiederaufführung“, so Schnetker. Beim Konzert wird Heydegger als Solistin zu hören sein.

Der Liedtext erzählt von einem Mädchen, das in der Heiligen Nacht bei Sturm aufbricht, um das Wunderglöckchen von Heisterbach zu läuten. Dessen Klang nämlich verspricht Heilung für die todkranke Mutter. „Das Singspiel zeigt und feiert die Kraft der reinen, gläubigen Kinderseele, der auch die gespenstisch heulenden und vernichtenden Reiter der ’Wilden Jagd’ nichts anhaben können, die in der Christnacht toben und in den Lüften ihr Unwesen treiben“, berichtet Schnetker.

Das Glöckchen von Heisterbach ist aber nur eine von mehreren musikalischen Raritäten, mit denen sich die Sänger unter der Leitung von Pavel Brochin am Sonntag auf die Entdeckungsreise in die bürgerlich geprägte, weihnachtlich-romantische Musik deutscher Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begibt. So präsentieren sie bei ihren Konzerten in Heisterbach und tags zuvor Bonn auch die „Weihnachtslieder“ von Peter Cornelius und die spätromantische Kantate „Gruß an die Heilige Nacht“ von Max Bruch – allesamt Werke von Komponisten, die durch Herkunft oder Wirkungsstätte mit dem Rheinland verbunden waren.