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Wetter an Weihnachten: Meteorologe erwartet Pollenflug

Wetter im Rheinland : Meteorologe erwartet Pollenflug an Weihnachten

Der Bonner Meteorologe Karsten Brandt hat sich mit dem Klima im Rheinland und den dortigen Auswirkungen des Klimawandels auseinandergesetzt. Die derzeit milden Temperaturen bereiten nicht nur der Vegetation Probleme.

Es wird wieder nichts aus weißen Weihnachten. Selbst die größten Optimisten dürften angesichts der frühlingshaften Witterung die Hoffnung auf Schnee an Heiligabend aufgegeben haben. Zumal auch Experten wie der Bonner Meteorologe Karsten Brandt weiße Weihnachten in der Region „ziemlich sicher ausschließen“: „Die Chancen liegen bei unter fünf Prozent.“

Stattdessen hat Brandt am Dienstag das Messgerät für den Pollenflug gestartet, so früh wie nie zuvor. „Es ist extrem wahrscheinlich, dass wir bis Weihnachten schon den ersten Pollenflug haben“, sagt der Fachmann. Also Pollen statt Schneeflöckchen – eine schöne Bescherung für Allergiker. Für die Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs in Königswinter indes sind das eher gute Nachrichten: Da nicht mit winterlichen Straßenverhältnissen zu rechnen ist, dürfen sie auf entspannte Feiertage hoffen.

Bei der Entscheidung, ob und wann die Streufahrzeuge ausrücken, greift der Winterdienst unter anderem auf die Vorhersagen der Wetterprofis zurück. Seit 26 Jahren wird die Stadt von Anfang November bis Ende März täglich von Brandt und seinem Internetwetterdienst donnerwetter.de über die aktuelle Lage informiert. „Zuverlässige Wettervorhersagen sind für uns unheimlich wichtig“, sagt Bürgermeister Peter Wirtz.

Temperaturunterschiede zwischen Berg und Tal

Noch entscheidender als die tägliche Wetter-Mail sind persönliche Gespräche mit den Meteorologen, wenn sich Winterwetter ankündigt – vor allem, da die Höhenunterschiede im Siebengebirge die Temperaturvorhersage erschweren. „Wir haben zwischen den Höhenlagen und dem Talbereich Temperaturunterschiede von vier bis fünf Grad Celsius“, so Brandt. In den vergangenen Wochen musste der Winterdienst allerdings erst ein einziges Mal ausrücken.

Richtiges Winterwetter ist in der Region ohnehin immer seltener der Fall. „Die Häufigkeit von Eis und Schnee nimmt deutlich ab“, berichtet der Meteorologe. Hat es im Rheintal zwischen 1931 und 1960 noch durchschnittlich 20 Schneetage pro Jahr gegeben, ist die Zahl in den vergangenen fünf Jahren auf gerade mal 4,5 Tage „geschmolzen“. Wobei Schneetag im Fachjargon nicht gleichbedeutend mit „tief verschneit“ ist. „Für uns reicht bereits ein hauchdünnes Deckchen.“

Gefahr für Vegetation

Die derzeitigen Temperaturen gefallen dem Meteorologen gar nicht: „Das ist sehr gefährlich.“ Für die Pflanzen ist die milde Witterung ein Frühlingssignal – Bäume und Sträucher beginnen auszutreiben. Teilweise zeigen sich schon erste Blüten. „Spätfröste sind für die Vegetation ein gewaltiges Risiko“, sagt Brandt. Er warnt allerdings davor, den Winter bereits abzuhaken: „Wir werden mit Sicherheit noch einige Nächte mit Temperaturen bis minus fünf Grad bekommen.“ Ebenso wie es in Zukunft auch Jahre mit viel Eis und Schnee geben werde.

Was das Wetter mit uns macht, beschreibt Brandt in seinem neuesten Buch, der „Rheinischen Wetterfibel“. Der Experte hat für den Ratgeber das Klima im Rheinland und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Region untersucht und stellt die Ergebnisse nicht nur anschaulich, sondern auch unterhaltsam vor.

Auf 80 Seiten informiert der Meteorologe außerdem über den Einfluss des Wetters auf die Gesundheit, überprüft den Wahrheitsgehalt von bekannten Bauernregeln und beantwortet Fragen rund ums Wetter. Zum Beispiel verrät er, wann in der Region die beste Uhrzeit für eine Grillparty ist. Demnach ist das Risiko einer verregneten Fete zwischen 19 und 22 Uhr am geringsten. Das größte Regenrisiko liegt im Tagesverlauf zwischen 10 und 11 Uhr sowie zwischen 12 und 13 Uhr.