Schreien und klatschen für Kinderrechte

Schreien und klatschen für Kinderrechte

Schweigeminute für Terror-Opfer in den USA auf dem Bonner Münsterplatz - Computerwurm "Nimda" stört Jugendpolitisches Forum

Bonn. Eine Minute lang herrschte am Donnerstag Stille auf dem Münsterplatz, ehe die besinnliche Stimmung in lautes Gebrüll umschlug. Ein Kompromiss, über den Sabine Lukas, Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt Bonn, vorher viel nachgedacht hat. "Eigentlich wollten wir die Kinderkrachminute in diesem Jahr ausfallen lassen", sagte sie im Hinblick auf die Terroranschläge in den USA. "Aber wir müssen das nebeneinader stehen lassen; so ist es im echten Leben ja auch."

Seit drei Jahren sollen die Kinder zum Weltkindertag eine Minute lang mit Krach symbolisch für ihre Rechte schreien. Zur Eröffnung des Weltkindertages bat Lukas die rund 100 Kinder zunächst, eine Schweigeminute einzulegen und stille Wünsche an die Kinder in den USA zu schicken, ehe sie mit lautem Brüllen und Klatschen auf sich aufmerksam machten.

"Ich habe in der Schweigeminute an die Menschen gedacht, die in Amerika gestorben sind", verriet der neunjährige Erkan. Und der achtjährige Lukas fügte hinzu: "Ich habe mir gewünscht, dass die Kinder, die ihre Eltern verloren haben, nicht so traurig sind und dass die Hochhäuser wieder aufgebaut werden." Auch in den Jugendzentren wurden teilweise die Ereignisse in den USA einbezogen. So bot das Haus der Jugend beim Spielenachmittag auch eine Malaktion an, um Kindern die Gelegenheit zu geben, ihre Ängste auszudrücken.

Das Aktionsprogramm auf dem Münsterplatz fand wie geplant statt. Zwei Stunden lang konnten sich die Kinder hier so richtig austoben: Roller, Billard, Tischtennis und ein Hüpfturm boten genügend Möglichkeiten, sich zu bewegen. In der Zentralbibliothek am Bottlerplatz ging das Programm für die ganz Kleinen dann am Nachmittag weiter: Das Theater Lila Lindwurm präsentierte unter dem Motto "Knallbonbons" Geschichten, Kinderlieder und Tänze über Piraten, Hexen und Gespenster. Dabei wurden die jungen Zuschauer stets aktiv in das Geschehen mit einbezogen.

Von einem aktuellen Ereignis wurde das "Jugendpolitische Online-Forum" überschattet, mit dem das Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Bonn erstmalig Jugendlichen eine Gesprächsplattform bieten wollte: Ausgerechnet am Donnerstag wurde der Server der Stadt Bonn von dem zerstörerischen Computerwurm "Nimda" befallen. Computerexperten konnten allerdings den "Störenfried" beseitigen, und so konnte das Forum mit zweistündiger Verspätung an den Start gehen.

Noch bis zum 28. September können sich Jugendliche an dem Forum beteiligen und sich mit Gesprächspartnern aus Politik, Gesellschaft und Verwaltung über Themen wie Ausbildung, Freizeit, Menschenrechte und Zivilcourage austauschen. So ruft die Bonner Hochschulgruppe von Amnesty International zur einer E-Mail-Aktion für Kinderrechte auf. Nach dem 28. September werden die wichtigsten Ergebnisse noch zwei Wochen lang auf der Homepage der Stadt Bonn dokumentiert.

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