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Mit der Fähre zur Schule auf die Insel

Mit der Fähre zur Schule auf die Insel

755 junge Leute besuchen das Private Gymnasium Nonnenwerth der Franziskanerinnen

Nonnenwerth. "Wer nach 17.40 Uhr auf die Insel will, hat Pech", sagt Martin Acker. "Und aufs Festland kommt dann auch keiner mehr." Acker ist unentbehrlich - er und ein Kollege sind die beiden Fährmänner für die kleine Rheininsel Nonnenwerth südlich von Bonn.

Eine Brücke gibt es nicht. Nonnenwerth ist eine von wenigen deutschen Inseln in Privatbesitz. Deshalb darf auch nicht jeder einfach das 2,5 Kilometer lange und etwa 180 Meter breite Eiland betreten. Von der Nordspitze aus ist rechtsrheinisch der sagenumwobene Drachenfels zu sehen - an den Hängen wachsen Weintrauben.

Auf die beschauliche Insel dürfen Schüler und Lehrer des Gymnasiums der Insel, Gäste, Mitarbeiter und natürlich die Franziskanerinnen des dort beheimateten Klosters Sankt Clemens. Das Kloster mit dem Gymnasium steht auf dem rheinland-pfälzischen Teil der Insel, nur ein kleiner Teil der Insel gehört zu Nordrhein-Westfalen. Gäste verbringen vor allem Zeit im Kloster, um eine Auszeit zu nehmen.

Dazu gehört auch die 61-jährige Karin Zutz-Ott. Schon zum dritten Mal verbringt sie einige Tage bei den Schwestern: "Mir gefällt das Inseldasein sehr gut und vor allem, dass nicht jeder hierher kann. Hier erlebt man eine Freundlichkeit und Aufmerksamkeit, die mich sehr anrührt." Auch dem Fährmann gefällt die Lage: "Andere machen hier Urlaub, und ich darf hier arbeiten."

Die Insel hat eine lange Geschichte. Im Jahr 1126 wurde dort ein Benediktiner-Kloster gegründet. Nach einem Brand entstand ein barocker Neubau. In Folge der Säkularisation wurde das Kloster aufgehoben. Es entstand ein Gasthof, den auch Komponist Franz Liszt mehrfach besuchte. Zu seinem 30. Geburtstag pflanzte er 1841 eine Platane auf der Insel, die heute der höchste Baum dort ist. Außerdem komponierte Liszt ein Stück mit dem Titel "Die Zelle in Nonnenwerth".

Weil sich der Gastwirt damals verschuldete, kam die Insel in den Besitz von Familie von Cordier. Auguste von Cordier, bekannt auch als Mutter Angela, stiftete das Kloster der heute noch ansässigen Gemeinschaft. 1854 schlossen sich die Schwestern einer franziskanischen Gemeinschaft an, die in den Niederlanden von Magdalena Damen gegründet wurde.

Mutter Angela wurde erste Oberin des Klosters und Leiterin von Schule und Pensionat. 1879 machten die Kulturkampfgesetze der Erziehungsstätte ein Ende. Während des Ersten Weltkrieges wurde auf Nonnenwerth ein Lazarett errichtet. Die Nazis schlossen die Mädchenschule 1941, die dann 1945 als Internat wieder eröffnet wurde.

Derzeit besuchen 755 Jungen und Mädchen das Gymnasium, das Latein als erste Fremdsprache bietet und einen bilingualen Zug hat. "Wir haben eine religiöse Ausrichtung, da ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen zumindest eine Offenheit gegenüber dem Glauben und der Kirche haben", sagt Schulleiter Dieter Peter. Es werden wöchentlich Gottesdienste gehalten, die von den Schülern selbst vorbereitet werden. Zweimal im Jahr besteht die Möglichkeit der Beichte für die Schüler. "Das wird gerne und rege genutzt", erzählt der Schulleiter.

"Eigentlich ist es wie auf einer ganz normalen Schule", erzählt Nora Pöhlau aus der achten Klasse. Dass nicht jeder auf die Insel kommt, sieht der Schulleiter positiv. Auch Eltern schätzen die Atmosphäre der Geborgenheit. Problematisch kann die Insellage jedoch bei starkem Hochwasser werden. Und früher gab es auch schon mal "nebelfrei", als die Fähre für die Überfahrt auf dem Rhein noch keinen Radar hatte.

Eine Ordensschwester der Insel unterrichtet noch an der Schule, Schwester Andrea - in Deutsch und Religion. Früher wurden alle Fächer bis auf Sport von Ordensschwestern unterrichtet. Der Tagesablauf der Franziskanerinnen ist von Gebeten geprägt, morgens, mittags, am Nachmittag und am Abend.

Die Geschichte des Klosters hat Schwester Hildegardis genau im Kopf. Eine Variante der Sage lautet: Ritter Roland, Neffe von Karl dem Großen, baute für Hildegunde, Tochter des Ritters von Drachenfels, eine Burg, die Rolandsburg. Er zog in den Krieg und Hildegunde erfuhr von seinem angeblichen Tod. Daraufhin trat sie in das Kloster auf Nonnenwerth ein. Als Roland heimkehrte, schaute er jeden Tag aus seinem Bogenfenster zum Kloster hinab, um einen Blick auf Hildegunde werfen zu können. Eines Tages sah er, wie sie zu Grabe getragen wurde. Am nächsten Tag soll man ihn tot im Rolandsbogen gefunden haben.

Fährmann Acker ist auf den 100 Metern zur Insel unterwegs. Er hofft, dass keine Brücke gebaut wird. Von 7 bis 20 Uhr ist Fährbetrieb; hat einer von den zwei Fährmännern Urlaub, ist früher Schluss. Doch die Fährmänner drücken auch mal ein Auge zu und warten auf Besucher, die etwas später dran sind.

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