GA-Serie "Rheinische Redensarten": Maach dat Mäh mal eih

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Maach dat Mäh mal eih

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Wir haben an dieser Stelle schon Vielerlei rheinische Redewendungen besprochen. Und meistens waren es traditionsreiche, über viele Jahrzehnte überlieferte Sätze, die lange gesammelte Lebenserfahrung auf den Punkt zu bringen verstanden. Diesmal wenden wir uns einer etwas neueren Entwicklung zu. Schließlich soll man auch der Zukunft zugewandt bleiben.

Es geht um den Satz: „Maach dat Mäh mal eih.“ Klar, das muss man erst einmal sacken lassen. Es handelt sich sicher nicht um rheinischen Dialekt in purer Daseinsform. Denn hier ist neben dem örtlichen Platt auch Kindervokabular eingeflossen. Das alles zusammengefügt und umgerührt ergibt eine eigentümliche Melange, die eher einem bestimmten gesellschaftlichen Kulturkreis zuzuordnen ist, denn einer geografischen Lage. Folglich kann der Satz so oder so ähnlich auch anderswo vorkommen. Vor die Übersetzung hat der liebe Gott den Schweiß gesetzt, deshalb gehen wir mal in die Einzelanalyse. Die Worte „Mäh“ und „eih“ entstammen beide dem Eltern-Kind-Dadaismus und bedeuten Schaf und streicheln. Die hochdeutsche Version heißt folglich: Streichle mal das Schaf!

Ein bekannter elterlicher Imperativ. Inzwischen gibt es eine ganze Sammlung solcher Sätze, die allesamt unter dem Stichwort „Kevinismus“ zusammengefasst werden. Welcher Gedanke steht dahinter? Als der Hollywoodspielfilm „Kevin – Allein zu Haus“ 1990 in die Kinos kam, war er so erfolgreich, dass in der Folge sehr sehr viele männliche Neugeborene den Namen Kevin erhielten. Nun gibt es Menschen, die die These vertreten, dass vor allem Zeitgenossen der weniger gebildeten Schichten – vulgo: des Prekariats – auf diesen Namen ansprangen und dabei außer Acht ließen, dass er wahrnehmbar aus dem Angloamerikanischen stammt und in Kombination mit deutschen Nachnamen gewöhnungsbedürftig klingt. Beispiel: Kevin Schmitz. In diese Argumentation passt auch der Mädchenname Jaqueline, der rheinisch gesprochen Schackeliene lautet. Legendär in dieser Hinsicht ist auch Chantal, gerne gesprochen wie: Schantall.

Wenn also Käwin, Schackeliene und Schantall im Remagener Streichelzoo sind, dann maache die da dat Mäh mal eih.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.

Mehr von GA BONN