Rheinische Redensarten: Dat jitt ere keene

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Dat jitt ere keene

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Wenn der Rheinländer etwas gut kann, dann ist es einen gehörigen Abstand zwischen sich und der Welt herzustellen. Er macht sich selten gemein mit einer Sache und neigt dazu, die Dinge aus der Perspektive des unbeteiligten Beobachters zu sehen. Dann hat kann er seine grundlegende Skepsis gegenüber dem formulieren, was sich gerade abspielt. Die passende Körperhaltung dazu wäre es, sich mit verschränkten Armen ganz locker gegen die Wand zu lehnen und zu begutachten, wie sich die Mitmenschen in irgendeiner wichtigen Angelegenheit tüchtig abmühen. Immer wenn diese Situation zu beobachten ist, dann ist folgende rheinische Redensart nicht fern: „Dat jitt ere keene!“

 Der Clou dieses Satzes ist die Phrasierung. Denn er kann gewissermaßen in einem Wort gesprochen werden. Also etwa: Datjitterekeene! Auf Hochdeutsch übersetzt würde man sagen: Das wird nichts werden! Oder wörtlich: Das gibt keinen!

Man fühlt sich unwillkürlich erinnert an die beiden älteren Herren aus der Muppets-Show, Waldorf und Statler, die in der Loge sitzen und sich mit Zwischenrufen und kritischen Kommentaren zum Bühnenprogramm ergehen. Das ist zwar irgendwie witzig, aber nie konstruktiv. Ähnliches kann man gelegentlich beobachten, wenn beispielsweise das eigene Unternehmen ein neues Computersystem bekommt. Das ist dann meist richtungsweisend modern und hilfreich für die kommenden Jahre, um den Anforderungen der Digitalisierung beizukommen. Wenn dann die ganze Abteilung im neuen Programm geschult wird, gibt es bestimmt immer einen Kollegen, der diesen vernichtenden Satz sagt: „Dat jitt ere keene!“ Das ist so ähnlich wie der Satz des Kollegen, der zur Zukunft des Internet sagte: „Dat setz sisch net dursch!“

Man darf gespannt sein, wer am Ende Recht behält, aber in der Regel sind es diejenige, die eine Sache mit Elan anpacken, die ein Projekt voran bringen und nicht die Zauderer, die kritisierend in der Ecke stehen und abwarten, bis sie den ersten Fehler entdecken. Insofern ist dieser Satz eigentlich untypisch Rheinisch.