Remagen gedenkt der Progrom-Opfer: Juden, Christen und Muslime vereint

Remagen gedenkt der Progrom-Opfer : Juden, Christen und Muslime vereint

Angehörige verschiedenen Glaubens haben mit einer Mahnwache in Remagen die Progromnacht in Erinnerung gerufen.

Etwa 40 Kerzenflammen loderten vor nachtschwarzer, regnerischer Kulisse und erleuchteten den Davidstern auf dem Remagener Römerplatz. Genau so viele wie Bürger gekommen waren, um der Novemberpogrome des Jahres 1938 zu gedenken. Unter den Versammelten waren Angehörige christlichen, muslimischen und jüdischen Glaubens. Stumm stellten sie die Kerzen an dem Ort ab, wo bis vor 78 Jahren die Remagener Synagoge gestanden hat.

Mit der Mahnwache solle an die Opfer des Nationalsozialismus und die brennenden Synagogen erinnert werden, sagte Nikolay Vasilev, Vorsitzender der Jusos im Kreis Ahrweiler. Es gelte aber auch, ein Zeichen für die Zukunft zu setzen: „1938 brannten Synagogen, heute sind es Flüchtlingsheime in Deutschland.“ Auf eine „wachsende, besorgniserregende Fremdenfeindlichkeit“, verwies Udo Grub, Pfarrer im Ruhestand, für die evangelische Kirche: „Das können wir in keiner Weise tolerieren.“ Er erinnerte an die Historie der Judenverfolgungen, und forderte im Jahr, bevor die evangelische Kirche „500 Jahre Reformation“ feiert, „bei allem gebotenen Respekt vor der Bedeutung Martin Luthers“ eine eindeutige Distanzierung von seinen „judenfeindlichen Äußerungen“.

Agnes Menacher vom Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie las die Namen der Mitbürger und ihrer Familien vor, für die in Remagen 13 Stolpersteine verlegt wurden und die 1942 in die Vernichtungslager deportiert wurden und Remagen so „judenfrei“ machten, wie es im Jargon der Zeit hieß. Das Gedenken gelte aber auch der gebürtigen Remagener jüdischen Glaubens, die ebenfalls Opfer des Terrorregimes wurden: „Viele, viel zu viele Bürger haben auch in Remagen dieses Regime unterstützt und Missachtung, Diskriminierung und Deportierung hingenommen.“ Als jüdischer Bürger Remagens heute sprach Lothar Knothe ein jüdisches Gebet zum Lobpreis des Herrn. Nach Ende der Mahnwache hielt er zudem im Jugendbahnhof einen Vortrag über den alltäglichen Rassismus in Deutschland. Dazu gehörten unter anderem Verallgemeinerungen und Begriffe wie „schwarzsehen“ oder „schwarzfahren“ oder „Behinderte“ statt „Menschen mit Behinderungen“, auf die jeder achten könne, um auch etwas gegen Diskriminierung zu tun.