Konzert in Leimersdorf: Fünf Stimmen, ein Sound, null Instrumente

Konzert in Leimersdorf : Fünf Stimmen, ein Sound, null Instrumente

„Rondo Vocal“ gaben in Leimersdorf ein A-cappella-Sommerkonzert mit einigen neuen Nummern. Die fünf Sänger aus der Grafschaft sorgten beim Publikum für Gänsehautmomente.

Auch wenn sie mittendrin in Nachthemd und Schlafmütze aufliefen: Zum Gähnen ist das, was „Rondo vocal“ dargeboten haben, beileibe nicht gewesen. Das A-cappella-Quintett mit seinen fünf Sängern aus der Grafschaft respektive Kirchdaun präsentierte sich bei seinem ersten Sommerkonzert und beim ersten Gastspiel im Leimersdorfer „Haus des Dorfes“ gut aufgelegt und hellwach. Denn viele der Arrangements erforderten von jedem einzelnen Akteur enorme Anstrengung, Konzentration und Können, damit es so klingt, wie es klingen soll. Eben ganz ohne Instrumente und doch vielschichtig und ansprechend.

Manches Raunen ging durchs Publikum angesichts der Art und Weise, wie Rolf Blechschmidt (Tenor), Hajo Hecker (Tenor), Franz-Josef „Jö“ Küls (Bariton, Tenor), Detlef „Det“ Wronka (Bariton, Bass) und Ingo Krämer (Bass) Klassiker der Musikgeschichte und von bekannten A-cappella-Formationen wie Basta und den Wise Guys umsetzten: eben ausschließlich mit dem Mund.

Nicht nur die Töne müssen da sitzen, sondern auch Rhythmus und Timing stimmen, wenn etwa Küls von Blechschmidt am Anfang von „No matter what“ übernimmt, oder Hecker und Wronka harmonisch „Under the boardwalk“ interpretieren. Ein Höhepunkt im ersten Programmteil war der Auftritt von Ingo Krämer mit einer Hommage an die Bassstimme und das gemeinsame Singen bei „Merci, dass es mich gibt“. Im zweiten Programmteil waren es unter anderem „Like a bridge over troubled water“ von Simon and Garfunkel und „House of the rising sun“, mit denen die fünf Akteure bewiesen, dass ihre Passion des A-cappella-Gesangs mehr ist als Damdam, Schubidu und Lalala.

Ganz unplugged war traditionell der Abschluss

Auch wenn die Moderationen Heckers immer wieder zum Schmunzeln brachten und auch mancher Song wie etwa „Seemann“ das eine oder andere Augenzwinkern enthielt, oft gestützt durch die Projektionen auf der Videoleinwand hinter der Combo auf der Bühne: Was sie leisteten war harte Arbeit, die für die Zuhörer in schöner Form als „Crying in the rain“ oder „The lion sleeps tonight“ hörbar wurde.

Songs von den Beatles und den Beach Boys bis zu Billy Joel und den Scorpions hatten sie sich ausgewählt und boten ein Spektrum vom hohen Aufheulen, für das insbesondere Blechschmidt zuständig war, bis zum tiefen Brummen (Krämer), aber vor allem immer wieder auch ansprechenden Zusammenklang. Nicht nur, als sie den „Mondachmorje“ im Schlafmützen-Outfit und im Stil der Bläck Fööss verfluchten, jubelte das Publikum. Es forderte sofort nach dem letzten offiziellen Lied im Programm eine Zugabe und bekam schließlich drei.

Ganz unplugged war traditionell der Abschluss: Ohne Instrumente sowieso, aber in dem Fall auch ohne Strom verteilten sich die fünf Akteure im Zuschauerraum und bedankten sich mit „Wir hatten eine gute Zeit“ von den Wise Guys. Da hatte das Publikum schon mehrfach stehend Beifall gespendet und so demonstriert, dass es ihm nicht anders gegangen war. „Welche Stimmen und dann noch Stücke, die einen schmunzeln, aber auch sentimental werden ließen“, bilanzierte eine Besucherin auf dem Heimweg. Und ihre Begleiterin stimmte zu: „Ja, manchmal hatte ich ein Gänsehautgefühl.“

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