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Rheinufer in Bad Breisig: Aus mancher Platane wächst der Holunder

Rheinufer in Bad Breisig : Aus mancher Platane wächst der Holunder

Wer seinen Blick hoch zum Grün der Platanen am Bad Breisiger Rheinufer richtet, entdeckt wundersames: Aus manchen Exemplaren wächst Holunder, Giersch und mehr. Wind und Vögel ließen die Samen für die Gastbesiedlung fallen.

Der aufmerksame Passant wundert sich. Sein Blick wandert zum Grün der Platane. Trotz waagerechter Baumerziehung, bei der die Äste in eine flächig ausgebreitete Wuchsform gezwungen werden, gibt es mittig reichlich Austrieb. Und der entpuppt sich als Holunder.

Aus anderen Exemplaren wächst Giersch, teils blühend, beim Nachbarn auch spitzes Blattwerk wie von Iris und Gladiole. Nun völlig auf die Gastbesiedlung konzentriert, entdeckt man Efeu, Vogelmiere, Kirsche, Kastanie, Gräser und mehr. Ort des Geschehens ist die Platanenallee, Teil der Rheinpromenade Bad Breisigs. Das Filetstück mit Gastronomie und schmucken Fachwerkhäusern ist umso attraktiver, als hier entlang des Rheins ein Radweg in Richtung Koblenz, Bonn und Ahrtal sowie ein Wanderweg beginnen beziehungsweise enden.

Doppelreihe mit 119 Bäumen

Geschätzt gut 400 Meter misst die Doppelreihe mit derzeit 119 Bäumen. „Von Kind an kenne ich die Allee“, erklärt ein 85-jähriger Oberbreisiger. Auf einer der Bänke erfreut er sich an Sonne, Rhein und Menschen. Dass oben und seitlich aus den Platanen Artfremdes wächst, hat er bislang nicht bemerkt. Wind und Vögel ließen die Samen fallen. Ob die Zugezogenen den Bäumen schaden, von deren Substanz zehren? Der zuständige Bauhof-Leiter Andreas Kittel: „Sie schaden definitiv nicht. Die Wurzeln sind nur oberflächlich. Die Borke ist dick, dort dringen sie nicht ein.“ Werden die Pflanzen vorsorglich entfernt? Mitnichten. Kittel: „Warum sollen wir in einen natürlichen Prozess eingreifen?“

Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf, „weil das Wachstum dem Alleencharakter und den Erziehungsmaßnahmen keine Abbruch tut“. Von außen wirken die Bäume vital. Doch ist das Stamminnere oft abgestorben. In den organischen Bröseln verankern sich Giersch, Holunder und Co. „Mulm“ nennt der Fachmann das Verwitterungsprodukt. Nicht ohne Grund gibt es viel davon.

„Bäume leiden unter Schnittfehlern“

Christoph Vanberg, Diplom-Biologe, erklärt: „Die Besiedlung ist nicht das Hauptproblem. Aber die Bäume leiden unter den Schnittfehlern. Pilze und Schadorganismen dringen ein. Die Zersetzung ist erkennbar.“

Nicht nur in seinen Wohnort Bad Breisig werde „zu selten und zu brachial“ geschnitten. Auch in Sinzig, Remagen und Waldorf spare man am oft von Laien ausgeführten Schnitt und damit „an der falschen Stelle“. Der Bauhofleiter widerspricht: „Zumindest seit 2018 wird der Schnitt einmal im Jahr von einer Fachfirma ausgeführt.“ Alle zwei Jahre beurteile ein Baumgutachter die Gesundheit. Im Grunde genommen sind Kittel und Vanberg sich einig.

Letzterer hatte ein Treffen angeregt. Er und ein Mitstreiter aus der Naturschutzgemeinschaft Vinxtbachtal präsentierten 2019 „in dem freundlichen Gespräch“ mit der damaligen Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch und Andreas Kittel zahlreiche Fotos von neuen und alten unsachgemäßen Schnittstellen. Die Stadt räumte Mängel ein. Man will für Abhilfe sorgen.

„Von den Bürgern bekommen wir die Rückmeldung, dass es den Bäumen hier gutgeht“, sagt Kittel. Lob gefällt immer. Indes verpflichten frühe touristische Bemühungen, der die Anpflanzung wohl zu verdanken ist, und die große landschaftliche Bedeutung der Platanenallee auch weiterhin zu steter nachhaltiger Pflege.