Ahr-Mündung in Sinzig: Schwebefähre soll Touristen anlocken

Projekte für 2,3 Millionen Euro : Schwebefähre soll Touristen an die Ahrmündung locken

Die Ahrmündung in Sinzig soll für 2,3 Millionen Euro zum Tourismusmagneten gestaltet werden – und das barrierefrei. Vor allem der Vorschlag einer Schwebefähre über die Ahr und mögliche Wasserbüffel in der Auenlandschaft ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

Große Pläne verfolgt die Stadt Sinzig an der Ahrmündung: Das Gebiet soll – bestückt mit vielen Attraktionen – zum Tourismusmagneten werden. Ein barrierefreier Rundweg soll als Lehr- und Erkundungsweg über einen fast ein Kilometer langen Holzsteg durch die unter Naturschutz stehende Auenlandschaft mitsamt den dort dann vielleicht grasenden Wasserbüffeln führen.

Rastplätze und Sitzgelegenheiten sowie verschiedene Informationsstationen sind in der Überlegung – wie auch eine Schwebefähre, die über die Ahr führt. Grünes Licht gibt es für das Vorhaben indes noch nicht: Sinzigs Kommunalpolitiker sehen noch Informations- und Beratungsbedarf.

Allerdings ist das Vorhaben vielversprechend. Eine separate Aussichtsplattform bietet nach den Planungen einen besonderen Blick auf das Naturschutzgebiet und ist – so die Vorstellung – mit weiteren Informationsstationen ausgestattet. „Der Rundweg verläuft dann zu großen Teilen auf bestehenden asphaltierten Wirtschaftswegen sowie neu anzulegenden Wegen, die an den Rändern des Naturschutzgebietes die bestehenden Wege miteinander verbinden“, heißt es in einer den Gremien vorgelegten Ausarbeitung.

Höhere Lebensqualität im öffentlichen Raum

Vor allem auch die angedachte Schwebefähre zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Die über die Ahr schwebende Fähre besteht aus zwei Pfosten mit Plattformen, die jeweils auf der linken und rechten Seite der Ahr platziert und über eine Stahlschiene miteinander verbunden sind sowie einem Beförderungskorb in Stahlkonstruktion. Der Beförderungskorb lässt sich selbständig durch den Nutzer mittels eines Seilzuges und unter der Stahlschiene hängend zwischen den Plattformen hin und her bewegen. „Die Mechanik des Seilzuges ist so gestaltet, dass der Kraftaufwand beim Ziehen des Seilzuges sehr gering ist und somit auch von älteren Menschen oder Kindern bedient werden kann“, heißt es in der Beschreibung.

Die Modellregion „Ahrtal für Alle“, zu der auch die Stadt Sinzig gehört, ist eine von zehn Siegerregionen, die aus dem Landeswettbewerb „Tourismus für Alle“ des Wirtschaftsministeriums hervorgegangen sind. Damit stehen im Ahrtal für die Schaffung von barrierefreien touristischen Angeboten bis Ende 2022 über eine Million Euro an Fördermitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung zur Entwicklung von barrierefreien touristischen Angeboten zur Verfügung. Sinzig will dabei sein.

Das Ziel: Das vorhandene Angebotsspektrum der Stadt und ihrer Ortsteile sollen barrierefrei erlebbar gemacht werden, neue barrierefreie Angebote geschaffen werden, um so für möglichst alle Nutzer eine höhere Lebensqualität im öffentlichen Raum zu erreichen.

Besuchern des Naturerkundungsweges soll die Möglichkeit geboten werden, an der seit der Renaturierung des Mündungsgebietes der Ahr allmählich zurückkehrenden Wildnis mit ihrer spezifischen Flora und Fauna teilzuhaben. Die Besucher sollen miterleben, wie sich ein vom Menschen lange genutztes Gebiet in seinen natürlichen Ausgangszustand zurückentwickelt, und sie sollen die Prozesse, einwirkenden Kräfte und Kreisläufe beobachten können, die ohne ein menschliches Eingreifen und Regulieren stattfinden. Die Vermittlung und Veranschaulichung dieser Besonderheiten für alle Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung und ohne fremde Hilfe, ist das Ziel dieses Projektes.

Das Mündungsgebiet der Ahr soll im Bereich des Naturerkundungswegs gezielt touristisch erschlossen werden, um gleichzeitig durch eine aktive Besucherlenkung besonders sensible Bereiche des Gebietes zu entlasten und stärker als bisher zu schützen. In Sinzig spricht man von einem „Leuchtturmprojekt“, das die Zahl der Tages- und Übernachtungsgäste steigern soll.

Allerdings sind noch einige Hürden zu überwinden. Nicht nur eine WC-Anlage und Parkplätze müssten gebaut werden, multilinguale Infotafeln aufgestellt und Audio-Guides installiert werden. Vielmehr liegt eine besondere Herausforderung auch in dem Umstand, dass sich die Ahrmündung und ihre Auen naturgemäß im unbewachten Außenraum befinden: Soziale Kontrolle ist hier nicht gegeben. Daher müssen – vor allem bei der Ausstattung – besonders hohe Ansprüche an die Materialien in Bezug auf Witterungsbeständigkeit, Vandalismusresistenz und Dauerhaftigkeit gestellt werden. Auch soll verhindert werden, dass Besucher die vorgegebenen Wege verlassen.

Gesamtkosten bei schätzungsweise rund 2,3 Millionen Euro

Die Gesamtkosten werden derzeit auf rund 2,3 Millionen Euro geschätzt. Die Förderquote liegt bei 85 Prozent. Im Haupt- und Finanzausschuss vertagte man das Thema jedoch überraschend. Grund: Noch offene Fragen gelte es zu klären. Darüber wunderte sich die Verwaltung: „Alle relevanten Informationen wurden frühzeitig kommuniziert“, so Büroleiter Christian Weidenbach.