Kommentar zur Entwicklung in Sinzig : Gefühl des Unwohlseins

Ausgerechnet beim Thermalbad, das ohne Sanierung vor der Schließung steht, und beim Naturschutzprojekt „Ahrmündung“ wollen Sinzigs Kommunalpolitiker noch einmal nachdenken. Mit offenem Ausgang. So manchem schwant Düsteres.

Betrachtet man die jüngste Entwicklung in der Stadt Sinzig, so überkommt selbst die dortigen Kommunalpolitiker inzwischen ein Gefühl des Unwohlseins. Erst vor vier Wochen wurde der Haushalt verabschiedet. Und schon jetzt ist das Zahlenwerk Makulatur.

Die Feuerwache kostet plötzlich nicht 4,4, sondern 5,9 Millionen Euro, obwohl das Land 1,83 Millionen Euro für ausreichend hält und diesen Betrag dann auch zur Basis seines Zuschusses macht. Die Sanierung des Thermalbades kostet nicht 1,4 Millionen, sondern mindestens 2,1 Millionen Euro. Und die touristische Erschließung der Ahrauen und der Flussmündung kostet – für die Kommunalpolitik offenbar überraschende – 2,3 Millionen Euro, von denen allerdings 85 Prozent bezuschusst werden.

Verborgen bleibt dem Betrachter, mit welchem Investitionsbetrag die Kommunalpolitik denn hier gerechnet hatte. Und offen bleibt auch, mit welchen Zahlen die Stadtverwaltung so kalkuliert, wenn man bei Kostenschätzungen für Großprojekte wie Feuerwache oder Thermalbad mal gerade um 30 Prozent und mehr danebenliegt.

Sieht man von der Feuerwache de Luxe einmal ab, die trotz der dramatisch hohen Mehrkosten ohne Wenn und Aber durchgewunken wurde, so will man nun ausgerechnet beim Thermalbad, das ohne Sanierung vor der Schließung steht, und beim Naturschutz- und Bürgermeisterlieblingsprojekt „Ahrmündung“ noch einmal nachdenken. Mit offenem Ausgang. So manchem schwant nun Düsteres.

Nicht weiter nachdenken will man in Sinzig indes offenkundig über das für die Stadt- und Einzelhandelsentwicklung so wichtige Nahversorgungszentrum auf dem Rick-Gelände. Seit fünf Jahren – ebenso lange, wie man bisher an der Feuerwache plant – gibt es nun dieses unerfreuliche Vakuum. Der Stadt Sinzig wäre ein wenig mehr Gestaltungswille auf der Basis klarer kommunalpolitischer Vorstellungen durchaus zu wünschen.