Seit 1913 trotzten Dächer der Witterung : Abrissarbeiten am Bahnhof Oberwinter beginnen

Bald rollen die Bagger an: Die Bahnsteigdächer von 1913 am Oberwinterer Bahnhof sollen abgerissen werden. Die Bürgerinitiative Bahnhof Oberwinter beklagt „kulturelle Barbarei“.

Seit 1913 haben die Bahnsteigdächer des Bahnhofs in Oberwinter Schneefall, Regen und Sonne getrotzt. Jetzt rollen die Bagger an. Die Arbeiten beginnen am 27. Januar in der Nacht. Dann werden die gusseisernen Bahnsteigüberdachungen abgerissen. Bis März sollen vollendete Tatsachen geschaffen sein.

„Der Kampf war vergebens“, so die vor Jahren in Oberwinter gegründete Bürgerinitiative, die sich vehement für einen zeitgemäßen Bahnhof und bessere Zugverbindungen in Richtung Köln/Bonn und Koblenz einsetzt. „Die Initiative Bahnhof Oberwinter hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass für sie der Abriss der intakten Dächer nicht nur wirtschaftlich unvernünftig ist, sondern auch eine kulturelle Barbarei darstellt“, ärgert sich Sprecher Ingo Konrads. Er bezeichnete es als „Ursünde“, dass die Bahn bei ihren Neugestaltungsvorstellungen eine Planung präsentiert habe, die den Abriss der Dächer von Anfang an vorsah, „weil die von der Stadt Remagen bevorzugten Betonrampen genau dort enden werden, wo die Stahlstützen der Dächer im Weg sind“.

Der Umbau wird zum großen Teil vom Bund finanziert

Deshalb sei ihr Abriss besiegelt worden. Lediglich der Bau von Personenaufzügen oder der Denkmalschutz hätten dies verhindern können. Aufzüge hatte die Stadt jedoch abgelehnt. Der nun beginnende Umbau des Bahnhofs wird zu einem großen Teil vom Bund finanziert. Daher sind konkrete bauliche Vorgaben einzuhalten. Bedeutet: Es entsteht ein Standardbau mit uniformen Bausätzen. Die Folge: Individuelle, regionale Gestaltungen der Bahnhöfe sind nicht mehr genehmigungsfähig. Für Konrads und seine Mitstreiter ist offenkundig, dass der Bahnhof seinen Charme, seinen individuellen Charakter und seine regionaltypische Ausprägung verlieren wird. Allerdings gilt das Bahnhofsgebäude in Oberwinter nicht gerade als Augenweide. Besuchern präsentiert sich vielmehr ein Schandfleck.

„Wenngleich der Bahnhof auch seine Dächer einbüßt, soll er doch in fast einjähriger Bauzeit endlich mit dem Neubau zweier Zugangsrampen barrierefrei werden. Dann wären die Bahnsteige erstmals für mobilitätseingeschränkte Menschen, Eltern mit Kinderwagen oder Radfahrer über Rampen und nicht wie bisher über steile Treppen erreichbar“, sieht Konrads zumindest einen Lichtblick.

Mit den Arbeiten am Bahnhof in Oberwinter wird in diesen Tagen begonnen. Am Montag werden die Bahnsteigdächer abgerissen. Foto: Bürgerinitiative

Die gesamte Ausstattung mitsamt Elektronik, Möblierung und Beschilderung wird erneuert, die Personenunterführung wird saniert und verlängert. Insgesamt sechs Wetterschutzhäuser in Standardbauweise sollen die Dächer ersetzen. Die bisherigen Bahnsteige werden abgerissen und durch höhere ersetzt, sodass schließlich der RRX/RE 5 dort halten kann. „Nach verbindlicher Zusage der politisch Verantwortlichen in Stadt, Kreis, Land und des SPNV-Nord wird Oberwinter im Dezember 2020 endlich wieder am Expressverkehr angeschlossen“, so Konrads.

Bis dahin sei es jedoch noch ein weiter Weg. Der Bahnhof werde im laufenden Betrieb umgebaut. „Von Ende Januar bis Anfang März gibt es nächtliche Sperrpausen. In dieser Zeit machen sich die Bauarbeiter an den Rückbau der beiden Bahnsteigdächer. Die notwendigen Arbeiten werden nachts durchgeführt. Lärm­intensive Maßnahmen sollen jedoch nur tagsüber erfolgen“, weiß der Sprecher der Initiative. Der Personennahverkehr soll in der Zeit übrigens nicht eingeschränkt sein.

Die Hauptarbeiten sind für Anfang Mai geplant. Ab diesem Zeitpunkt werden außerhalb der Bahnsteige die Rampen vorbereitet und erstellt. Von Mitte Juli bis Anfang August wird nach derzeitiger Planung der Bahnsteig 2 (Züge in Richtung Remagen/Koblenz) gesperrt, von Ende September bis Mitte Oktober 2020 ist der Bahnsteig 1 (Züge Richtung Bonn) nicht zugänglich. In beiden Zeiträumen erfolgt dann ein Schienenersatzverkehr.

Im Sommer werden dann jeweils die Bahnsteige einschließlich der Wetterschutzhäuser und Bahnsteig­ausstattung neu erstellt.