Arbeitslose sollen einspringen : Im Kreis Ahrweiler und Mayen-Koblenz fehlen 200 Busfahrer

Jobcenter und Busunternehmer kooperieren: Langzeitarbeitslosen soll eine Chance geboten werden. Ein bisher einmaliges Projekt möchte so dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Der öffentliche Personennahverkehr gilt als Eckpfeiler zukünftiger Mobilitätskonzepte, die dem motorisierten Individualverkehr, aber auch der Parkraumnot in den Städten entgegenwirken. 30 Prozent mehr Verkehrsleistung werden Bus und Bahn in den nächsten Jahren zu erbringen haben, rechnet Stephan Pauly, Geschäftsführer der regionalen ÖPNV-Dachorganisation VRM, vor. Das Problem: Es mangelt an Personal. Alleine im Kreis Ahrweiler und im Nachbarkreis Mayen-Koblenz fehlen mehr als 200 Busfahrer. Nun sollen Hartz-IV-Bezieher angelernt werden. Pauly: „Wir stehen vor enormen Herausforderungen. Die Verkehre müssen neu organisiert werden.“

Es ist ein bundesweit bislang einmaliges Projekt, mit dem das Jobcenter Mayen-Koblenz in enger Kooperation mit dem Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) und den Busunternehmern dem akuten Fachkräftemangel begegnen wollen: Dabei werden langzeitarbeitslose Menschen, die Anspruch auf Arbeitslosengeld II (Hartz IV) haben, innerhalb von nur zwölf Monaten zu Busfahrern ausgebildet.

Finanziert wird die Ausbildung, die zwischen zehn- und zwölftausend Euro kostet, zu gleichen Teilen von den Busunternehmen und dem Jobcenter, dessen vordringliche Aufgabe darin liegt, Menschen in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu überführen. Sieben Interessierte habe man bereits ausbilden und vermitteln können, berichtete Rolf Koch vom Jobcenter, zehn hätten ihre Ausbildung ebenfalls bereits absolviert und stünden kurz vor ihren ersten Fahrten, 50 weitere geeignete Langzeitarbeitslose seien aktuell an einer solchen Ausbildung interessiert – darunter auch viele Flüchtlinge.

„Die Fahrgäste erwarten eine deutliche Steigerung der ÖPNV-Qualität, denn die Planungen ab 2021 sehen unter anderem mehr Busse, attraktivere Linien und eine bessere Taktung vor“, sagte der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, Alexander Saftig, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der VRM-Gesellschafterversammlung. Die Kreise sind Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr. Klar sei aber auch, „dass all das auch eine ausreichende Anzahl an Fahrpersonal erfordert.“ Und das ist nicht vorhanden. Saftig: „Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt.“

Bundesweit werden in den nächsten Jahren mehr als 100 000 neue Busfahrer benötigt, um die lautstark geforderte „Verkehrswende“ erfolgreich einzuleiten. Mehr als 30 000 Busfahrer sind älter als 50 Jahre, ein junger Unterbau fehlt. Das Interesse bei jungen Leuten tendiert in Richtung null. „Gesellschaftspolitisch ist der ÖPNV aber eines der wichtigsten Themen der Gegenwart und Zukunft“, so Landrat Saftig. Also gelte es, in die Speichen zu greifen.

„Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt“, meinte Stephan Pauly. Gezielt arbeite man daran, neue Busfahrer zu rekrutieren. Wichtigste Voraussetzung für Teilnehmer des Projektes sei ein in Deutschland anerkannter Pkw-Führerschein. Zudem sollten die Bewerber neben Ortskenntnissen vor allem gute Deutschkenntnisse vorweisen können. „Flüchtlinge und andere Bewerber mit Migrationshintergrund besuchen daher regelmäßig einen Sprachkurs, um sich später gut mit den Fahrgästen verständigen zu können“, erklärte Koch vom regionalen Jobcenter. Vom Fahrgast erwarte man indes „Aufgeschlossenheit und Offenheit gegenüber dem Fahrer“.

Nach einem Praktikum in einem der Busunternehmen, denen das Jobcenter auf Wunsch auch interkulturelle Schulungen anbieten, starten die Teilnehmer mit der Busführerscheinausbildung. Parallel zum Sprachkurs erhalten sie ein Training in Fachsprache zur Vorbereitung für eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die IHK-Prüfung für die beschleunigte Grundqualifikation für Busfahrer im Personenverkehr ist notwendig, um im gewerblichen Personenverkehr tätig sein zu können, teilte Pauly auf Anfrage mit.

Besonders angesprochen seien übrigens auch Frauen, da die Arbeitsschichten gerade für Mütter attraktiv seien, unterstrich der Geschäftsführer des Jobcenters.