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Nonnenwerth: Franziskus Gymnasium bekommt neuen Eigentümer

Schulkonzept und Ordensfrauen bleiben : Gymnasium auf Nonnenwerth bekommt neuen Eigentümer

Seit zwei Jahren wurde intensiv nach einer Lösung für die Zukunft gesucht, die auch den Betrieb der Schule sichern sollte. Schlussendlich wurde eine Lösung gefunden, die beide Anliegen berücksichtigt.

Die Insel Nonnenwerth bekommt einen neuen Eigentümer, das dortige Franziskus Gymnasium einen neuen Gesellschafter: Die Gesellschaftsanteile an der Nonnenwerther Schul-GmbH werden zum 1. August 2020 von der ISR International School on the Rhine gGmbH übernommen. Das teilte am Montag Wolfgang Ludwig für die ISR mit. Gleichzeitig wurden die Eltern der Schüler informiert. Die gemeinnützige Gesellschaft ISR betreibt eine internationale Schule mit Standorten in Neuss am Rhein und Düsseldorf. Zu dem vereinbarten Termin werden die Schwestern auch das Eigentum an der Insel an den geschäftsführenden Gesellschafter der ISR, Peter Soliman, abgeben.

Die Suche der Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Nonnenwerth nach einer zukunftsfähigen Lösung für die zur Stadt Remagen gehörende Insel hat demnach zu einem positiven Ergebnis geführt. Seit 1854 haben die Franziskanerinnen von Nonnenwerth das Wirken auf der Insel gestaltet und begleitet. Doch bereits seit mehreren Jahren war klar, dass der Mangel an Ordensnachwuchs und das hohe Alter der Schwestern eine Fortsetzung dieser Tradition nicht mehr lange ermöglichen würden. So wurde vor zwei Jahren die Suche nach einer Lösung für die Zukunft der Insel weiter intensiviert.

„Das war ein sehr schwieriger Prozess. Denn es war ein vorrangiges Ziel, neben der Zukunft der Insel als solcher auch den Schulbetrieb des durch eine lange franziskanische Ordenstradition geprägten Gymnasiums zu sichern“, sagt Schwester Maria Lay, Kommunitätsoberin der Franziskanerinnen: „Letzteres war aber sehr schwierig, umzusetzen, weil es zwar zahlreiche Interessenten an der Insel gab, diese aber die Schule nicht weiter betreiben wollten.“

Schließlich wurde eine Lösung gefunden, die beide Anliegen berücksichtigt: Das soll durch die ISR mit Peter Soliman geschehen. Für die Schwestern wird sich nichts ändern. Sie haben lebenslanges Wohnrecht auf der Insel. Ihren Sitz behalten dort ebenso die Verwaltungen des Ordens und der Angela von Cordier-Stiftung. Auch die weithin bekannte und seit mehr als 70 Jahren bestehende Paramentenstickerei soll es weiter auf der Insel geben.

„Mit dem erzielten Ergebnis haben wir die Grundlagen für eine gute Zukunft sowohl für uns Schwestern als für die Schule geschaffen“, betont Kommunitätsoberin Maria Lay erleichtert: „Wir dürfen jetzt voll Vertrauen und guten Gewissens unsere Verantwortung für Insel und Schule in andere Hände legen.“

Den Entscheidungen der Franziskanerinnen zur Übertragung der Verantwortung für Insel und Schule bereits zugestimmt haben die kirchlichen Behörden – das Bischöfliche Generalvikariat in Trier als Aufsichtsbehörde der Angela von Cordier-Stiftung sowie die Religiosenkongregation beim Vatikan.

Was die Schule angeht, soll das bewährte Pädagogik- und Erziehungskonzept auf Nonnenwerth unverändert bestehen bleiben. Auch nach der Übernahme durch die ISR wird das Inselgymnnasium nicht darauf ausgerichtet sein, Gewinne zu erzielen oder abzuführen. Alle Einnahmen sollen dazu verwandt werden, die Qualität der Bildung zu verbessern.

„Die Vertragsverhandlungen waren geprägt von einem großen gegenseitigen Vertrauen“, sagt Hartmut Münzel, der als Ordensgeschäftsführer maßgeblich aufseiten der Schwestern mit den Verhandlungen befasst war: „Von daher war es auch möglich, alle für uns wesentlichen Punkte in den Vertrag einfließen zu lassen. Insbesondere war es uns wichtig, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen die Schule auch zukünftig geführt wird, nicht zu verändern.“

Die Kontinuität des schulischen Konzepts und eine behutsame Weiterentwicklung, aber auch die Verbesserung von Angeboten sind auch dem neuen Gesellschafter wichtig. Bereits vor dem Erwerb von Insel und Anteilen an der Schul-GmbH durch die ISR am 1. August wird Peter Soliman, geschäftsführender Gesellschafter der ISR, auch in die Geschäftsführung des Schulträgers des Franziskus Gymnasiums eintreten. An der ISR werden in Neuss und Düsseldorf mehr als 1000 junge Menschen aus 47 Nationen in englischer Sprache unterrichtet und erfolgreich auf das International Baccalaureate (IB) als Abschluss vorbereitet. Die ISR gehört nach eigenen Angaben deutschlandweit zu den drei besten internationalen Schulen.

 „Im Vergleich zur Tradition des Gymnasiums Nonnenwerth verblasst das allerdings“, sagt Peter Soliman: „Wir haben großen Respekt vor der mehr als 150 Jahre langen, erfolgreichen Geschichte als Bildungseinrichtung. Diese Tradition wollen wir auch in neuer Trägerschaft mit dem klassischen deutschen Abitur als Abschluss auf der Insel fortführen. Ich freue mich auf den gemeinsamen Weg mit den Schülern, ihren Familien und den Ordensschwestern.“

Besonders beeindruckt ist Soliman von der ganz besonderen Lernatmosphäre und der Schulgemeinschaft, die durch die außergewöhnliche Lage so wohl nur auf der Insel möglich sei. Soliman hat bereits Pläne, wie die Attraktivität des Franziskus Gymnasiums weiter verbessert werden kann. So seien schon ab 2020 Investitionen in das Unterrichtsangebot auf Nonnenwerth geplant. Denkbar sei beispielsweise eine verbesserte Ausstattung bei IT und Technik. Auch im Bereich „Kooperationen mit Universitäten“ sind Maßnahmen geplant. „Hier, wie bei allen künftigen Veränderungen, geht es darum, durch die Weiterentwicklung die Schule noch attraktiver zu machen“, so Soliman.

Er ist davon überzeugt, dass auch die ISR von der Kooperation profitieren wird: „Wir als Anfang des Jahrtausends gegründete Schule schauen demütig auf die lange Geschichte der Schule auf Nonnenwerth. Davon können wir viel lernen.“ Bereits angedacht sind in diesem Zusammenhang ein Mitarbeiteraustausch sowie ein gemeinsames Anwerben von Lehrkräften von ISR und Inselgymnasium.