Solarworld in Bonn: Konzern setzt Hoffnung auf Strafzölle

Solarworld in Bonn : Konzern setzt Hoffnung auf Strafzölle

Die Lage beim Bonner Solarworld-Konzern ist ernst, aber nicht hoffnungslos. So zumindest die Einschätzung von Unternehmenschef Frank Asbeck, der sich am Freitag zuversichtlich zeigte, dass Solarworld die tiefe Krise bald überwinden könne.

Deutschlands größter Solaranlagenhersteller Solarworld braucht zum Überleben einen drastischen Schuldenschnitt. Entsprechende Verhandlungen mit den Gläubigern sollten "in den kommenden Wochen" erfolgreich abgeschlossen werden, zeigte sich Vorstandschef Frank Asbeck am Freitag im Gespräch mit dem General-Anzeiger zuversichtlich.

Solarworld habe derzeit insgesamt "weniger als eine Milliarde Euro Schulden". Das Unternehmen war wie berichtet wegen der Krise in der Solarbranche in den vergangenen Monaten tief in die roten Zahlen gerutscht und hatte am Donnerstagabend eine finanzielle "Restrukturierung" als für den Fortbestand des Unternehmens notwendig angekündigt. am Freitag brach die Solarworld-Aktie an der Börse um rund 30 Prozent auf nur noch 1,11 Euro ein.

Laut Asbeck hat eine unabhängige Wirtschaftsprüfung ergeben, dass Solarworld bei erfolgreicher Umschuldung "in den nächsten Jahren" wieder schwarze Zahlen schreiben könne. Wann genau das sein werde, hänge auch davon ab, ob die EU wie beantragt spätestens ab Juni Strafzölle gegen chinesische Billigimporte einführe. Dumpingpreise chinesischer Anbieter sind laut Asbeck hauptverantwortlich für die Misere in der deutschen Solarbranche. Asbeck kündigte zugleich einen weiteren konzernweiten Personalabbau, auch am Standort Bonn, an. Dabei werde es Kündigungen geben.

Experten äußerten sich hingegen kritisch. "Eine Fertigung von Solarmodulen am deutschen Standort ist auch bei einem hohen Automatisierungsgrad zu teuer", sagte Wolfgang Hummel vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung. Auf fünf Punkte setzt Asbeck seine Hoffnungen:

  • Umschuldung: Solarworld braucht Entlastungen bei den Verbindlichkeiten, weil das Unternehmen angesichts der hohen Verluste offenbar nicht in der Lage ist, seinen Verpflichtungen zu den derzeitigen Konditionen dauerhaft nachzukommen. Asbeck betonte allerdings, die flüssigen Mittel in Höhe von rund 220 Millionen Euro hätten sich seit Herbst nicht weiter verringert. In Frage kommen zum Beispiel ein Schuldenschnitt, der Verzicht auf Zins- und Tilgungszahlungen, bessere Kreditkonditionen und ein Umtausch der Anleihen und Schuldscheine.
  • Dazu nimmt Solarworld jetzt Verhandlungen mit den Gläubigern, vor allem Banken, auf. Die Chancen auf Einigung stehen recht gut, weil die Alternative, eine Insolvenz wegen Überschuldung von Solarworld, den Gläubigern noch mehr schaden würde. Solarworld hat knapp eine Milliarde Euro Schulden. Denkbar ist, dass die Gläubiger im Gegenzug Anteile an Solarworld übernehmen. Auch von Frank Asbeck selbst, der noch knapp 28 Prozent am Unternehmen hält.
  • Strafzölle: Geht Asbecks Rechnung auf, dann beschließt die EU Anfang März Strafzölle gegen chinesische Solarimporte. Laut Asbeck sind die Erfahrungen in den USA positiv: Trotz eines wachsenden Gesamtmarkts seien die China-Importe seitdem um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Experten wie Hummel bezweifeln hingegen, dass Solarworld nach der Einführung von Strafzöllen Marktanteile von den Chinesen zurückgewinnen kann.
  • Personalabbau: Durch einen Personalabbau von konzernweit knapp zehn Prozent will Solarworld nochmals Kosten sparen. Auch in der Bonner Zentrale sollen etwa 20 Stellen wegfallen, kündigte Asbeck an. Insgesamt beschäftigt Solarworld rund 2500 Mitarbeiter. Der wesentliche Teil des Stellenabbaus sei aber im vergangenen Jahr umgesetzt worden, betonte Asbeck.
  • Modulpreise: Nach einem dramatischen Preisverfall in den vergangenen Jahren sind Solarmodule zuletzt nicht mehr billiger geworden. "Bei den Preisen sehen wir die Talsohle erreicht", sagte Asbeck.
  • Strompreise: In Deutschland spielen die hohen und weiter steigenden Strompreise laut Asbeck Solarworld in die Hände. Zwar werde 2015 oder 2016 die Förderung neuer Solaranlagen voraussichtlich auslaufen, weil dann der als Ziel vereinbarte Zubau von 52 Gigawatt erreicht sei, doch mit Preisen von rund 16 Cent pro Kilowattstunde sei die Erzeugung auch ungeförderten Solarstroms zum Eigenverbrauch schon jetzt lohnend.
  • Zum Vergleich: Eine Kilowattstunde Strom vom Energieversorger kostet Haushaltskunden derzeit rund 25 Cent. "Bis 2015 werden auch Solarsysteme mit Batterie noch preisgünstiger sein", prognostiziert Asbeck. Mit solchen Systemen lasse sich dann nahezu der gesamte Solarstrom aus einer Hausdachanlage zum Eigenverbrauch nutzen.

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