In der Rheinaue hängt der Haussegen schief

In der Rheinaue hängt der Haussegen schief

Jürgen Sieger und die Stadt Bonn werden sich nicht einig - Verwaltung knüpft weitreichende Bedingungen an die Verlängerung des Pachtvertrages - FDP stellt Große Anfrage in der Bezirksvertretung

Bonn. Strahlende Gesichter, Händeschütteln und fröhliche Fassanstiche. Zumeist beherrschten zufriedene Mienen die Szene, wenn Rheinauenpächter Jürgen Sieger in der Öffentlichkeit mit Vertretern der Stadt zusammentraf. Doch mit der Harmonie ist es vorbei.

Jahrelang haben Sieger und die Verwaltung über eine vorzeitige Verlängerung des 2008 auslaufenden Nutzungsvertrages um weitere zehn Jahre verhandelt. Statt den Kontrakt nun bis 2018 zu unterzeichnen, hat Sieger die Gespräche vor wenigen Tagen ergebnislos für beendet erklärt; ihm gingen die Bedingungen der Stadt zu weit. Bleibt es dabei, wird er die Rheinaue Ende Mai 2008 verlassen.

In zwei wesentlichen Punkten wollte Sieger den Forderungen der Stadt nicht nachgeben. So pocht die Stadt nach GA-Informationen zum einen darauf, weiterhin als Eigentümerin uneingeschränkt über das gesamte Rheinauengelände verfügen zu können. Dabei will die Verwaltung vor allem das Recht festgeschrieben wissen, das Parkgelände beschneiden oder seine Zweckbestimmung verändern zu dürfen, ohne dass der Stadt daraus finanzielle Nachteile entstehen.

Von "uneingeschränkter Planungshoheit und Verfügungsgewalt" seitens der Stadt will Sieger, der seit 1987 Pächter des Parkrestaurants ist und dessen Pachtvertrag außerdem die Restauration in der gesamten Rheinaue umfasst, nichts wissen: Sie käme in seinen Augen einem Freibrief gleich, seinen Pachtbereich zu "zerstückeln" und einzelne Parzellen zu verkaufen.

Dies beeinträchtige das Gesamtensemble des Parks. Beim Gedanken daran erinnert sich der Gastronom heute zornig an die Art und Weise, in der die Stadt ihn über die Entstehung des Forschungszentrums Caesar informiert habe - die schriftliche Mitteilung habe er erhalten, als die Bauarbeiten bereits im Gange und die Tatsachen damit vollendet waren. Eine ähnliche Überraschung will Sieger nicht nochmal erleben und verweigert sich deshalb der Klausel.

Inakzeptabel aus der Sicht Siegers ist zum zweiten das Ansinnen der Stadt, das Gelände um das Restaurant Rheingarten, den früheren Rheinland-Pfalz-Pavillon in der Nähe des Post-Towers, bei einer Vertragsverlängerung aus der Pacht herauszulösen. Offenbar weckt die unmittelbare Nähe zu den neu errichteten Arbeitsplätzen Post-Tower und Schürmannbau Begehrlichkeiten bei der Stadt.

In einigen Jahren, wenn der nördliche Zipfel der Rheinaue an Attraktivität gewonnen hat, könnte sie das Gelände vermarkten oder gar selbst bewirtschaften. Einzige Voraussetzung: Sieger müsste das Nutzungsrecht aus der Hand genommen werden. Doch weiß auch der Rheinauenwirt, dass zwischen Charles-de-Gaulle-Straße und Ludwig-Erhard-Allee ein gastronomisches Filetstück schlummert: "Allein die Erreichbarkeit für Autos ist Gold wert", sagt Sieger.

Zwar plant die Stadt nach Angaben aus dem Stadthaus derzeit keine zusätzliche Gastronomie in der Rheinaue. Wie verhärtet die Fronten dennoch sind, verdeutlicht auch eine aktuelle Stellungnahme der Stadtverwaltung, die dem General-Anzeiger vorliegt. Darin nennt die Verwaltung die beiden strittigen Punkte "aus Sicht der Stadt nicht verhandelbar".

Für Sieger gilt das selbe. Er sei der Stadt bereits in mehreren Punkten entgegen gekommen, darunter auch Einschnitten in sein Alleinbewirtschaftungsrecht. Auch habe er stets den Belangen der Stadt Rechnung getragen. Unter den gestellten Bedingungen sei der Preis für eine Verlängerung jedoch zu hoch.

"Die Stadt muss wissen, was ihr ein zuverlässiger Pächter wert ist", sagt Sieger. Derweil wappnet sich die Verwaltung gegen eine mögliche Schadenersatzforderung, die Sieger wegen der Beschneidung des Parks um die 44 000 Quadratmeter für das Caesar-Gelände bereits angekündigt hat.

Zunächst ist jetzt erst einmal die Politik gefragt. So stellt die FDP in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg eine Große Anfrage zum Thema. Nach Ansicht der Liberalen sollte die Suche nach einem Kompromiss weitergehen.

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