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Philharmonie in Köln: Stärker als Kölsch

Philharmonie in Köln : Stärker als Kölsch

Wenn es Vasily Petrenko wieder einmal in ein fremdes Land zieht, möchte er immer sehr gern die jeweilige Kultur kennenlernen. Als Dirigent liegt dem gebürtigen Sankt Petersburger dabei natürlich die Musik besonders am Herzen.

Im vergangenen Jahr wurde er an die Spitze der Osloer Philharmoniker berufen, jenem Orchester, das in der über zwei Jahrzehnte währenden Ära von Mariss Jansons zu einem Klangkörper von Weltformat geformt wurde. Wenn Petrenko nun mit dem Orchester nach Köln in die Philharmonie kommt, findet man also nicht ganz zufällig Geirr Tveitts "Hundrad folketonar frå Hardanger", also hundert Volksmelodien aus Hardanger op. 151 im Programm.

"Natürlich spielen wir nicht alle", beruhigt Petrenko im GA-Interview. "Für Köln", sagt er, "wird das letzte Stück der Suite interessant sein. Es heißt ,Harding-Øl', was Bier aus Hardanger bedeutet. Ich habe es bis jetzt noch nicht probiert, aber es soll ein sehr starkes Bier sein - ganz anders als Kölsch."

Aber natürlich will er auch die Qualitäten des Orchesters zeigen, wenn es, wie in der Kölner Philharmonie, Musik von Joseph Haydn und Sergej Rachmaninow spielt. Angetreten ist Petrenko, der unter anderem auch bei Mariss Jansons studierte, in Oslo mit einem ganz und gar unbescheidenen Ziel: "Ich möchte, dass dieses Orchester zu einem der besten in der Welt wird und mir liegt sehr viel daran, dass die Musiker dies Ambitionen teilen", sagt der 38-Jährige.

Die Philharmoniker sollten sich in alle Richtungen entwickeln, als Interpreten der großen Klassiker, aber auch von Werken lebender Komponisten. Petrenko will das Orchester darüber hinaus zu einem selbstverständlichen Teil der norwegischen Gesellschaft machen. Und natürlich soll es auf Reisen wichtiger Botschafter der Kultur sein.

Seit 2006 führt Petrenko bereits als Chefdirigent das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra an, das älteste Sinfonieorchester Englands. In dieser Stadt lebt auch die vierköpfige Familie. Für ihn sei es wichtig, sagt er, seinen Kindern - der ältere Sohn geht bereits zur Schule - so wenig Wechsel wie möglich aufzubürden. In Liverpool hat er in den vergangen Jahren viel für die Akzeptanz des Orchesters in der Stadt getan, hat junge Menschen in die Konzerte gelockt.

"Das Problem ist oft, dass die Kinder noch nie in einem Konzert gewesen sind und sie ein wenig ängstlich sind. In Liverpool haben wir deshalb über die Jahre ein großes Programm aufgebaut, das ,In Harmony' heißt und sich um die musikalische Erziehung kümmert." Schon ab vier Jahren erhalten Kinder in diesem Programm Unterricht, auch die Orchestermusiker wirken hier als Lehrer mit. Diese Kinder bilden ein eigenes Orchester, offenbar mit großem Erfolg.

"Sie sind im vergangenen Jahr sogar bei den Proms in London aufgetreten", sagt Petrenko. "In Harmony", erläutert er, funktioniere grob gesagt nach dem Vorbild des venezolanischen Sistema. Der Orchesterleiter kümmert sich auch selbst um den musikalischen Nachwuchs: Er unterrichtet an allen drei Universitäten von Liverpool. Außerdem gebe es preisreduzierte Karten für junge Menschen. Das alles führe dazu, dass in Liverpool ein Viertel der Konzertbesucher unter 37 Jahren sei. "Ich hoffe seh, dass in Oslo das gleiche passieren wird", sagt der Dirigent.

Mittwoch, 5.11., 20 Uhr, Kölner Philharmonie: Gautier Capuçon, Violoncello, Philharmonic Orchestra, Vasily Petrenko, Dirigent, Werke von Geirr Tveitt, Joseph Haydn und Sergej Rachmaninow. Karten in den Bonnticketshops der GA-Zweigstellen.