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Rocky Horror Show: Der Verführer stöckelt in Strapsen

Rocky Horror Show : Der Verführer stöckelt in Strapsen

Die Korsage ist korrekt verschnürt. Die Strümpfe haben die Laufmaschen an den richtigen Stellen. Und auch die High Heels lassen nichts zu wünschen übrig.

Wenn die "Rocky Horror Show" - eine schrille Geschichte um Außerirdische, um Rock 'n' Roll und ein Gruselschloss, in dem ein unschuldiges junges Pärchen in einer Gewitternacht strandet, um zum Spielzeug ungebremster sexueller Gelüste zu werden - auf Jubiläumstour geht, herrscht an Besuchern in ausgefallenen Kostümen fürwahr kein Mangel. Zum Auftakt am Mittwochabend in der Lanxess-Arena haben sich alle in Schale geworfen.

Die Riesenparty in Strapsen wird in der Theaterversion dargeboten, was heißen will: Der Innenraum ist komplett bestuhlt, ein Großteil der Ränge ist abgedeckt, und verkauft werden nur die Plätze, die ein Halbrund vis-à-vis zur Bühne bilden. Der 40. Geburtstag, welcher der Anlass der Tour ist, liegt schon ein Jahr zurück: 1973 erlebte Richard O'Briens abgedrehte Vision einer transsexuellen Welt ihre Uraufführung im Londoner Royal Court Theatre, ein Jahr später wurde die Low-Budget-Produktion verfilmt und kam 1975 als "Rocky Horror Picture Show" in die Kinos. Und ist heute längst (interaktiver) Kult. Man verkleidet sich, man kommentiert das Geschehen, Konfetti regnet hernieder, Wasserpistolen werden abgefeuert, Klopapierrollen fliegen durch die Luft, und auch Gummihandschuhe kommen zum Einsatz.

Mit Rob Fowler in der Rolle des charismatisch-erotischen Frank N. Furter kann man eigentlich nichts falsch machen. Er ist auf diese Rolle schon abonniert - und kann es sich deshalb lässig leisten, auch mal zu improvisieren. Auch Sky Du Mont als Erzähler ist Wiederholungstäter. Zwar passen seine aristokratische Erscheinung und seine sonore Stimme wunderbar zu der Rolle. Doch seine Repliken auf die Rufe "Boring!" (Langweilig!), die traditionell aus dem Publikum erklingen, wenn der Erzähler spricht, klingen auswendig gelernt und wenig inspiriert.

Der Star der Inszenierung ist ganz klar Harriet Bunton als Janet, die gemeinsam mit ihrem Verlobten Brad (David Ribi) in die Fänge von Chef-Verführer Frank N. Furter und seinem feierwütigen Hofstaat gerät. Stimmlich, mimisch - und auch optisch - ist Bunton eine Offenbarung. Sehr gut auch Hannah Cadec als quirlige Columbia mit Minnie-Mouse-Attitüde. Vincent Gray als Eddie dagegen eine Enttäuschung. Ein paar Tänzer mehr hätte man der Inszenierung auch gönnen können.

Info

Zu sehen bis Samstag, 1. November, Lanxess-Arena, Köln. Infos und Karten: www.lanxess-arena.de.