Konzert in Köln: Eagles spielen vor 13.000 Fans in Lanxess Arena

Rockgeschichte in der Lanxess Arena : So war das Konzert der Eagles in Köln

Die legendäre US-Band Eagles hat am Dienstagabend vor 13.000 Fans in der Kölner Lanxess Arena gespielt. Ein Rückblick auf ein Konzert, das "zum Heulen schön war".

Es ist ein zum Heulen schönes Konzert. Grund dafür haben (oder hätten) alle Beteiligten. Die 13.000 Menschen, die sich Dienstagabend in der bestuhlten Lanxess Arena eingefunden haben. Die drei 71-Jährigen, die, gemeinsam, seit 1977 auf der Bühne stehen. Die beiden Newcomer, die das erst seit zwei Jahren tun. Und einer, der genauso lange dabei wäre wie das 70-plus-Trio: Mitbegründer Glenn Frey. Wäre er nicht 2016 gestorben.

Wenn man an ein Leben nach dem Tod glaubt, und wenn man das romantisch sehen möchte, dann hat er, an diesem Abend, hingekuschelt auf einer Wolke, das Konzert der Eagles in Köln beobachtet, sich gesagt: „Gut gemacht, Jungs!“ Und vielleicht auch, ganz verschämt (die Engel in romantischen Vorstellungen können recht boshafte Kreaturen sein), das ein oder andere Tränchen verdrückt. Besonders, wenn er seinem Sohn Deacon (25) zugehört hat. Der mit seiner so jungen melodischen Stimme und seinem feinnervigen Gitarrenspiel dem Profil der Band seit 2017 eine neue Nuance hinzufügt hat. Zumal er aussieht wie der junge Johnny Depp in „Don Juan DeMarco“.

Auch Sänger und Gitarrist Vince Gill ist neu an Bord

Und sagt: „In dieser Band zu spielen, ist die Freude meines Lebens. Ich bin so dankbar für diese Gelegenheit.“ Um dann „Peaceful Easy Feeling“ ganz schlicht anzukündigen mit: „This is a song, my dad used to sing“. („Das ist ein Lied, das mein Papa zu singen pflegte“) Dass diese „Freude” durchaus auch eine Bürde sein kann, hat zuvor schon der einzig überlebende Mitbegründer, Don Henley, klargemacht: „Deacon geht in großen Spuren.“ Aber auch ein zweites neues Mitglied, Sänger und Gitarrist Vince Gill, ist angetreten, die 1971 gegründete US-amerikanische Band in die nächste Dekade zu retten: „Er wird uns helfen, dass wir auf unseren Füßen bleiben.“

Daran, dass Gill und Frey Junior genau die Richtigen sind, um „die Fackel am Brennen zu halten“ herrscht nach den versprochenen, und sogar noch um zehn Minuten getoppten, zweieinhalb Stunden kein Zweifel mehr. Die Eagles – in der Front sind das Vince Gill (Gitarre), Timothy B. Schmit (Gitarre), Don Henley (Gitarre, wenn nicht gerade am Schlagzeug), Deacon Frey (Gitarre), Joe Walsh (Gitarre) und Tour-Bassist plus zwei Keyboardern, Drummer/Percussionist und zeitweilig fünf Bläsern – profitieren gleichermaßen von der Vielzahl ihrer Hits als auch der ihrer Stile und Lead-Sänger.

Wilde Wellen der Begeisterung

Auch im Vergleich mit dem Schmelz des Band-Youngsters fallen die Stimmen von Vince Gill und der beiden Altvorderen Joe Walsh und Don Henley nicht ab. Songs wie „Tequila Sunrise“, „Witchy Woman“, „In The City“ können darüber hinaus auch noch mit einer spektakulären Video-Show punkten. Man fühlt sich wie hineingesogen in texanische Landschaften, verwunschene Wälder oder die urbane Lebendigkeit einer US-Metropole. Dass sich das trotz allem etwas schwergängig anlässt (im Innenraum erheben sich die Menschen erst nach Aufforderung bei „Heartache Tonight“) mag der allgemeinen Rührung geschuldet sein. Viele sind im Alter ihrer Helden – und am Anfang davon, diese Band noch einmal live erleben zu können gleichsam paralysiert. Nach Freys Tod war kurzfristig das Ende propagiert worden. Das Ende, nicht erst zur ersten Zugabe „Hotel California“, gleicht einer Flut. Alles strömt nach vorne. Wilde Wellen der Begeisterung. Pures Entzücken.

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